Technik im Weinberg – nur etwa fünf Prozent der Rebfläche können bewässert werden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Wenn es nicht bald regnet, reagieren die Reben mit Trockenstress. Auch im Obstbau fehlt das Wasser. Wie sehen Landwirte und Wengerter die aktuelle Situation?

Stuttgart - Sommer satt in der Stadt: Seit Wochen bewegen sich die Temperaturen im angenehmen Bereich, die Sonne scheint oft, aber ohne die ganz große,unangenehme Hitze zu entwickeln, kurzum: durchaus angenehmes Sommerwetter. Allerdings mit einem Schönheitsfehler für Landwirte und Wengerter – es regnet bis auf ein paar Schauer viel zu wenig, die Böden sind vielerorts trocken, staubig und rissig. Obstanlagen müssen bewässert werden und vielen, vor allem älteren Rebflächen ohne Bewässerungssystem droht Trockenstress.

Dabei hat es statistisch betrachtet zumindest im Juni in Stuttgart sogar zu viel geregnet – allerdings längst nicht überall. In Stuttgart wird der Niederschlag an der DWD Wetterstation Schnarrenberg gemessen, wie viel der knapp 100 Liter pro Quadratmeter im Juni ein paar Kilometer entfernt gefallen sind, kann man aber nicht sagen. Es gibt jedoch die Beobachtung, dass das Wetterphänomen mit sehr kleinzelligen Unwettern und Trockenheit nur ein paar Hundert Meter entfernt zunimmt. Eine Entwicklung, die Experten auch mit dem Klimawandel und den dabei steigenden Temperaturen in Verbindung bringen.

Lokales Unwetter am 4. Juli

Das jüngste Beispiel in Stuttgart gab es am 4. Juli. Am Nachmittag braute sich über der Region ein Unwetter zusammen, richtig heftig mit Hagel und Starkregen brach es in der Stadt aber nur über einen Bereich zwischen Cannstatt und Untertürkheim herein. Grob gesagt zwischen der alten B 14 Richtung Fellbach und der neuen zum Kappelbergtunnel prasselten nach einer privaten Messung 60 Liter Regen plus Hagel vom Himmel. In einer Anlage vom Apfelparadies Bauer wurden in ein paar Minuten 90 Tonnen Äpfel Opfer des Unwetters. „500 Meter entfernt in unserer Anlage auf dem Schmidener Feld hat es dagegen nur etwa zehn Liter geregnet“, erklärt Jens Bauer, der jetzt das zweite Jahr nacheinander Schäden zu beklagen hat, wenn aktuell auch deutlich weniger als beim Frostschaden-Totalausfall 2017. „Wenn kein Hagel mehr kommt, werden wir noch genug ernten können“, sagt der Obstbauer zuversichtlich. Das gilt auch für die Weinlese beim Weingut Wöhrwag in Untertürkheim, in dem auch am 4. Juli der Hagelsturm gewütet hat. Hans-Peter Wöhrwag rechnet trotzdem mit einem guten Ertrag, da es 2018 viele Trauben gäbe. Im Moment entferne man von Hand die verletzten Trauben, die Trockenheit sei da im Moment eher von Vorteil, da es keine Fäule gibt.

Ein Landregen wäre gut – ist aber nicht in Sicht

Die Rebflächen und auch die Obstanlagen in der Stadt brauchen jetzt trotzdem vor allem eines: Wasser – aber das nicht sintflutartig. „Was helfen würde wäre so ein richtig schöner Landregen über zwei Tage mit 20 Litern Regen auf den Quadratmeter“, erklärt Andreas Siegele, der Obstbauberater der Stadt Stuttgart. Mäßiger Dauerregen ist allerdings nicht in Sicht. Zum Wochenende steigt das Risiko von Schauern und Gewittern zwar wieder an, aber damit auch das Szenario, dass es mancherorts komplett trocken bleiben wird, während ein paar 100 Meter weiter Wasserwände vom Himmel stürzen. Und die langfristige Prognose lautet: Sommerlich warm, ziemlich sonnig und trocken. Für den Fall befürchtet Rainer Bubeck, der Rebschutzbeauftragte vom Collegium Wirtemberg, Stress für die Reben. „Wenn es noch lange so trocken bleibt, bleiben auch die Trauben kleiner“, sagt Bubeck, der sich auch einen ordentlichem Landregen wünscht. Dann stünde einer guten Lese 2018 nichts im Wege, denn noch sei Zeit.

Nächste Regenchance am kommende Wochenende

Viel Regen würden im Moment auch Äpfel, Birnen und Zwetschgen vertragen, wobei beim Obst die Situation entspannter ist, weil viele Anlagen Bewässerungssysteme haben oder man die meist flachen Anbauflächen auch mit Tankwagen bewässern kann. Beim Wein in den Hanglagen ist das schwieriger. Rainer Bubeck schätzt, dass überhaupt nur etwa fünf Prozent der Rebfläche mit einem Bewässerungssystem ausgestattet sind, an das man Wassertanks anschließen kann, die man aber vorher erst mühsam in den Wengert karren muss. „Junganlagen werden heute in der Regel bereits mit einer Bewässerungsanlage konzipiert und gebaut“, erklärt Bubeck, „aber die allermeisten brauchen das Wasser weiterhin von oben.“

Die nächste Chance darauf soll es in Stuttgart am kommenden Samstag geben. Aber da drohen eben wieder Gewitter, die nicht überall Wasser bringen werden.

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