Das Sportamt hat das Bewässern von zahlreichen Rasenplätzen in der Landeshauptstadt verboten. Die Anlagen weisen technische Mängel auf, es besteht die Gefahr, dass das Trinkwassernetz verunreinigt wird. An Interimslösungen wird gearbeitet.
Die Fußballer des TSV Blaustein, die in der Bezirksliga Donau/Iller spielen, waren Mitte Juni voller Vorfreude nach Untertürkheim gereist. Nach einer erfolgreichen Saison durften sie gegen die Spvgg Cannstatt beim TB Untertürkheim das erste Entscheidungsspiel der Aufstiegsrelegation in Richtung Landesliga spielen. Als sie den Rasen zum ersten Mal sahen, seien sie aber schon enttäuscht gewesen, sagt TSV-Spielertrainer Michael Krach.
Für die 0:4-Niederlage machte er den Untergrund zwar nicht verantwortlich, schließlich hätten beide Teams darauf spielen müssen. „Wir hatten bei unserem Ausflug in die Großstadt aber einfach damit gerechnet, dass solch ein Spiel auf einem topgepflegten Platz ausgetragen wird.“
Staubige Angelegenheit
Wahrlich, von einem Rasenteppich ist das „Grün“ weit entfernt. Jedes Mal, wenn ein Ball aufspringt, staubt es. Auch ansonsten hoppelt das Spielgerät mehr, als es rollt. „Wir pflegen die Anlage und hätten den Teams, die bei uns Relegation gespielt haben, gerne einen besseren Platz bereitgestellt“, sagt Alexander Rieß, der Leiter der TBU-Fußballabteilung. Ihm seien jedoch die Hände gebunden. Denn das städtische Sportamt hat den Untertürkheimern im Frühjahr untersagt, ihren Rasen zu bewässern. Und damit sind sie nicht allein. Das Verbot gilt für zahlreiche Vereine in der Landeshauptstadt.
Rückfluss muss verhindert werden
„Bei der jährlichen, routinemäßigen Wartung wurden bei einigen Unterflur-Bewässerungsanlagen technische Mängel hinsichtlich des Trinkwasserschutzes festgestellt. Er ist ein hohes Gut und wird auf keinen Fall gefährdet“, sagt die Stadtsprecherin Jacqueline Albinus. Ob der neue Prüfer strenger gewesen ist oder nur genauer hinschaute als seine Vorgänger, ist unklar. Er hatte auf jeden Fall Bedenken, dass das Restwasser, welches sich noch in den Leitungen der Anlagen befindet, in die Hauptleitung gelangen könnte. Laut Vorschrift müsse ein Mechanismus verbaut sein, der das „Rückfließen, Rückdrücken oder Rücksaugen“, so Albinus, verhindern soll.
25 Rasenplätze betroffen
Weil eine „allgemeine Verkeimung“ des Trinkwassers nicht völlig ausgeschlossen werden kann, wurden die Hähne zu beziehungsweise im Frühjahr nicht mehr aufgedreht. „Aktuell sind 25 Rasenplätze von den technischen Problemen betroffen“, sagt Albinus. Die Kosten für die Behebung könne man aktuell noch nicht abschätzen. „Sie werden derzeit aber mit einer Fachfirma eruiert. Die Anlagen haben jeweils einen sehr unterschiedlichen technischen Stand. Einige konnten bereits ertüchtigt werden, für andere wurden die notwendigen Ersatzteile bereits bestellt“, so die Stadtsprecherin. Es könne aber noch einige Zeit dauern, bis diese verfügbar, geliefert und verbaut sind.
Vier Plätze in Feuerbach sind unbespielbar
„Bei einigen Anlagen bedarf es größerer Umbaumaßnahmen. Insbesondere die Plätze der SG Weilimdorf, des TSV Weilimdorf und der Sportvereinigung Feuerbach können wir voraussichtlich nicht zeitnah auf den notwendigen technischen Standort umrüsten. So dass wir aktuell nicht sagen können, bis wann wir auf diesen Plätzen die Anlagen wieder anstellen können.“
Die Feuerbacher verfügen gleich über vier Rasenplätze, die sie seit Monaten nicht bewässern dürfen. „Es sind eher ehemalige Rasenplätze“, sagt Robert Junak, der Leiter der Fußballabteilung. „Das Gras ist verbrannt, der Boden ausgetrocknet. Es ist einfach nur traurig“, so der 57-Jährige, der die Plätze als unbespielbar bezeichnet. „Sie sind knochentrocken. Wir würden gerne aktiv etwas dagegen machen, können es aber nicht. Ich habe als Ur-Fußballer schon viel erlebt, das übertrifft aber alles.“ Ähnlich sieht es auch Michael Bachmann vom TSV Weilimdorf. „Es ist eine Katastrophe.“ Zugleich werde der „kaputte Platz“ in der Außendarstellung als peinlich wahrgenommen. „Es heißt dann nur, dass wir einen furchtbaren Rasen haben. Dementsprechend sind die Gegner aus der Landesliga Feuer und Flamme, wenn wir sie bei 35 Grad auf den kleinen Kunstrasen schicken“, sagt der 51-Jährige. Und ihm graust es schon vor der neuen Saison. „Der Sommer kommt ja erst noch. Wenn man nicht dringend mit dem Bewässern anfängt, ist der Rasen bis zu den Wurzeln kaputt.“
Stadt sucht nach Interimslösungen
Beim Sportamt rechnet man damit, dass die Vereine noch teilweise bis zum Sommer 2023 warten müssen, bis die Arbeiten abgeschlossen sind. Damit die Plätze im Herbst bespielbar sind, will die Stadt jedoch auf Interimslösungen setzen. „Also auf mobile Beregnungsanlagen, wenn es anschluss-technisch möglich ist.“ Rasenplätze, die kaum noch genutzt werden, werden in puncto Sanierung und Bewässerung nachrangig behandelt. Ebenso Spielfelder, die in einen Kunstrasen umgewandelt werden sollen. „Wir hoffen, dass wir die überwiegende Anzahl an Rasenplätzen wieder zeitnah bewässern können“, so Albinus, die betont, dass die Vereine die Anlagen wegen möglicher Haftungsfragen nicht eigenständig in Betrieb nehmen dürfen. Sollte es anschließend Probleme geben, müssten sie die Folgen tragen.