Triumphe im Triathlon „Deutschland hat eine Ironman-Kultur“

Von Jürgen Kemmner 

Patrick Lange gewinnt den Ironman Hawaii 2017 – seit 2014 siegte stets ein deutscher Triathlet bei der Weltmeisterschaft Foto: AP
Patrick Lange gewinnt den Ironman Hawaii 2017 – seit 2014 siegte stets ein deutscher Triathlet bei der Weltmeisterschaft Foto: AP

Stephan Vuckovic, der Silbermedaillen-Gewinner von Sydney 2000 im Triathlon, erklärt im Interview, warum die deutsche Dominanz auf Hawaii kein Zufall ist.

Stuttgart - Patrick Lange hat die deutsche Dominanz auf Hawaii fortgesetzt und erstmals den Ironman gewonnen. Der gebürtige Reutlinger Stephan Vuckovic, der 2005 auf Hawaii Platz zehn belegt hatte, über die Ursachen der Dominanz der Deutschen.

Herr Vuckovic, haben Sie den Ironman Hawaii auch live verfolgt?
Natürlich, ich war unterwegs und musste mich mit dem Livestream am Handy begnügen – nun bin ich noch etwas müde. Ich hätte nicht gedacht, dass Patrick Lange gewinnt, er war diese Saison lange verletzt. Doch er hat auf der Marathonstrecke eine Laufleistung hingelegt, die war echt beeindruckend.
Wieder siegte ein Deutscher. 2014 war’s Sebastian Kienle, 2015 und 2016 Jan Frodeno, nun folgte Patrick Lange.
Davor gab es Thomas Hellriegel, Normann Stadler, Faris Al-Sultan sowie viele andere, die auf dem Podium standen. 2016 waren unter den Top 7 fünf Deutsche. Gigantisch.
Warum ist Hawaii so sehr in deutscher Hand?
Weil es in Deutschland eine gewachsene Ironman-Kultur gibt, der Grundstein dafür wurde Ende der 1980er in Roth gelegt. In dieser Sportart ist nun ein hohes finanzielles Potenzial vorhanden – das Medieninteresse ist stetig gestiegen, das hat Sponsoren gelockt, und der Sport wurde so für junge Sportler attraktiv. In Deutschland mangelt es seit Jahren nicht an Talenten, ­Triathlon ist eine boomende Sportart.
Aber nicht jedes Talent wird ein Hawaii-Sieger.
Nein, aber der Markt macht es möglich, dass junge Leute leichter die Chance bekommen, Profi zu werden. Man muss nicht zur absoluten Weltspitze zählen, um finanziell über die Runden zu kommen. Ein junger Ruderer oder Schwimmer besitzt diese Perspektive nicht in diesem Umfang, weil der Markt gar nicht vorhanden ist. Wer es auf der Langdistanz schließlich in die Weltelite schafft, der hat die Möglichkeiten, mehrere Trainings­lager im Jahr zu finanzieren, ein Trainerteam zu beschäftigen, der kann sich ein Spitzenfahrrad für mehr als 10 000 Euro leisten.
Warum finden wir dann nicht viele deutsche Sieger auf der olympischen Distanz?
Weil sich in Deutschland der Markt auf den Ironman fokussiert. Jan Frodeno wurde mit dem Olympiasieg 2008 nicht reich, der Durchbruch zum umjubelten und hervorragend verdienenden Star kam erst auf der Ironman-Strecke – da löste er einen Hype aus, von dem er profitiert.
Die deutschen Tugenden wie Willenskraft und Zähigkeit sind keine Erfolgsgeheimnisse?
Diese Eigenschaften muss jeder Triathlet besitzen, der auf Hawaii siegen will – da sind die Deutschen der Konkurrenz nicht voraus.

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