Der Wertschließfach-Anbieter Trisor hat in Stuttgart einen Standort mit mehr als 5000 Schließfächern eröffnet. Auch andere Anbieter erobern bundesweit die Innenstädte mit Tresoren aus meterdickem Beton. Liegt das am Filialsterben der Banken?
Nur ein paar Meter vom Stuttgarter Hauptbahnhof entfernt lagern wohl bald Goldbarren, Edelsteine, Gemälde und Geldbündel im Millionenwert. In der Lautenschlagerstraße hat der Wertschließfach-Anbieter Trisor jüngst einen Standort mit mehr als 5000 Schließfächern eröffnet. Wände und Decken der Anlage sind aus meterdickem Stahlbeton. Doch Trisor setzt auch auf Technik – etwa auf einen Handvenen-Scanner, der nur mit einer lebenden Hand funktioniert, da er den Blutfluss erkennt. Betrieben wird die vollautomatische Anlage von einem Roboter. Trisor ist nach eigenen Angaben deutscher Marktführer beim Vermieten derartiger Schließfächer.
Geschäft mit der Sicherheit boomt
Die Nachfrage nach Schließfächern wächst. Immer mehr private Anbieter entdecken das Geschäft mit der Sicherheit für sich. „In Stuttgart haben wir bereits Reservierungen im oberen dreistelligen Bereich“, sagt Trisor-Geschäftsführer Marco Wild. Acht Filialen in Top-Lagen hat das Berliner Unternehmen in den vergangenen vier Jahren bundesweit eröffnet. Rund 43 000 Schließfächer werden vermietet, das kleinste gibt es für 12,95 Euro, das größte kostet 39,95 Euro im Monat. „Es hat etwas gedauert, aber mittlerweile erleben die Schließfächer von Trisor eine Hochkonjunktur“, sagt Wild. Üblicherweise verwahrt werden sollen die klassischen Wertgegenstände wie Schmuck oder Edelmetalle, wichtige Dokumente, aber auch Gegenstände mit sentimentalem Wert wie die ersten Babyschuhe. Aber auch moderne Anlageobjekte wie Sneaker oder Sammelkarten seien darunter.
Konkrete Umsatz -Zahlen will Wild nicht nennen, „wir hätten aber keine derartige Wachstumsgeschwindigkeit an den Tag legen können, wenn das Geschäftsmodell nicht überzeugen würde.“ Für den Boom nennen die Betreiber mehrere Gründe: steigende Einbruchszahlen, eine Welt voller Krisen, die wachsende Popularität physischer Wertanlagen.
Vor allem aber wollen die Tresorunternehmer vom Filialsterben der Banken profitieren. „Wenn in der Nähe unserer Filialen eine Bankfiliale schließt, dann merken wir das unmittelbar und die Anfragen bei uns steigen“, sagt Jürgen Mieth, Führungskraft beim Berliner Tresorunternehmen Asservato, das vor einem halben Jahr einen Standort im Stuttgarter Kronprinzbau eröffnete.
Immer mehr Bankfilialen schließen
Laut der Deutschen Bundesbank sank die Zahl der Bankfilialen zwischen dem Jahr 2009 und 2019 um mehr als 30 Prozent. In den bestehenden Häusern gibt es oft nur noch Wartelistenplätze für Schließfächer, viele schaffen sie ganz ab.„Besonders in Ballungszentren herrscht Schließfachnotstand“, sagt Mieth. Die Schließfach-Vermieter wollen die Lücke füllen.
Luxus-Flair statt Bank-Ambiente
Am Stuttgarter Standort von Asservato steht auf mehr als 200 Quadratmetern laut Unternehmensangaben einer der sichersten Hightech-Tresore Deutschlands mit 5500 Schließfächern. Der große Tresorraum, der von einem 100 Tonnen schweren Stahlbeton-Kokon ummantelt ist, verbirgt sich hinter einer 3,5 Tonnen schweren Tür. Die Fächer gibt es in drei Größen, sie kosten zwischen 24 und 54 Euro im Monat.
Die privaten Anbieter wollen sich vom dunklen Keller-Ambiente der Tresorräume vieler Banken abgrenzen. Die goldglänzenden Empfangshallen erinnern eher an Hotellobbies als an Bankschalter. Ein schmuckloser Raum mit Schließfächern, für die man nur einen Schlüssel braucht, um an seine Wertsachen zu kommen – das war einmal.
Deutschen Kreditwirtschaft: Keine Konkurrenz für Banken
Die Konzepte sehen zum Beispiel vor, dass Kunden jederzeit Zugang zu ihrem Schließfach haben. Zutritt zum Standort hat nur, wer eine persönliche ID-Karte besitzt. Um die Kundenkabine betreten zu können, braucht man einen PIN-Code. Um das Schließfach öffnen zu können, benötigt es noch einen Fingerabdruck.
Obwohl der Trend zum Schließfach offensichtlich ist – konkrete Zahlen über die Anzahl und Belegung der Tresore werden in Deutschland nicht veröffentlicht. „Die Nachfrage ist stabil“, sagt ein Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft. Da die Schließfächer für die Institute nicht zum Kerngeschäft gehören, seien die privaten Tresorunternehmen keine Konkurrenz zu Banken.
Schließfächer liefern Banken überschaubare Erträge“
„Für uns ist das ein ergänzendes Angebot in unserer Geschäftsverbindung“, bestätigt eine Sprecherin der BW-Bank, die ihren Kunden mehr als 26 000 Schließfächer an 51 Standorten anbietet. „Die Nachfrage nach Schließfächern ist nach wie vor hoch“, sagt die Sprecherin. Das günstigste Fach kostet 59,50 pro Jahr, das teuerste mehr als 700 Euro. Von einer stabilen Nachfrage nach Schließfächern berichtet auch ein Sprecher der Volksbank Stuttgart. Das Geschäft werfe aber nur „überschaubare Erträge“ ab. Es sei ohnehin nicht da, um viel Geld zu verdienen, sondern als zusätzliches Angebot.
Einen Schließfachnotstand infolge des Filialsterbens sieht er nicht. „An einigen Standorten sind alle Schließfächer vermietet, an anderen haben wir noch freie Kapazitäten“, berichtet der Sprecher. „Wenn wir in den vergangenen Jahren Filialen geschlossen haben, waren es in der Regel kleine Standorte, die keine Schließfächer hatten“, sagt er. Die Mietpreise richten sich nach der Größe des Schließfachs. Die kleinste Größe, in die ein Ordner passt, kostet für Neukunden 60 Euro pro Jahr. Die größte Fachgröße schlägt mit 270 Euro pro Jahr zu Buche.