Der Sportwettenanbieter Winamax auf den VfB-Trikots ist Geschichte Foto: Baumann

Während Winamax noch auf eine außergerichtliche Einigung hofft, will es der VfB Stuttgart auf einen Rechtsstreit mit seinem bisherigen Trikotsponsor ankommen lassen.

Die rund 3000 Fans, die sich eines der 100 Euro teuren Pokal-Sondertrikots geleistet haben, erwarten in den nächsten Tagen Post vom VfB Stuttgart. Mit einer konkreten Offerte zur Kompensation, schließlich ist das erworbene Exemplar seit dem vergangenen Samstag ein Muster ohne Wert.

 

Bekanntlich wurde der Noch-Hauptsponsor Winamax durch den neuen Trikotsponsor, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), kurzfristig ersetzt. Im Raum steht ein neues Trikot der kommenden Spielzeit. Oder eine Neu-Beflockung. Jedenfalls, so heißt es beim frisch gekürten Pokalsieger, werde man den unerwarteten Fehlkauf „mehr als ordentlich“ kompensieren.

Wie genau, wird aber vorerst nicht verraten. Zumindest nicht öffentlich. Schließlich steht beiden Seiten ein möglicher Rechtsstreit bevor. Da hält man sich auf Seiten des VfB Stuttgart lieber bedeckt.

Klar ist: Der VfB wird es auf eine juristische Auseinandersetzung ankommen lassen. Auch wenn das beim Fußball-Bundesligisten eigentlich niemand will: Als letzten Ausweg sieht man nur das Gericht. Und der steht kurz bevor.

Käufer des Sondertrikots werden vom VfB kontaktiert

Es sei nicht sinnvoll, das 20. Schreiben an den Wettanbieter aus Frankreich aufzusetzen, heißt es beim VfB, bei dem die Geduld am Ende ist. Auf Mahnungen bezüglich der Ausstände – es geht inklusive Verzugszinsen um mindestens zwei Millionen Euro – habe Winamax genauso wenig reagiert wie auf die Drohung, den Schriftzug im Pokalfinale von der Brust zu nehmen. Vorläufiges Fazit nach zwei Jahren Winamax an der Mercedesstraße: „So etwas haben wir noch nie erlebt.“

Zumindest in diesem Punkt ist man sich bei Winamax mit dem VfB einig – schließlich handelte es sich um das erste Sport-Sponsoring dieser Art in Deutschland. Ansonsten gehen die Auffassungen naturgemäß weit auseinander, was auch – auch hierin besteht eine gewisse Einigkeit – an den kulturellen Unterschieden zwischen einem französischen Sportwettenanbieter und einem deutschen Fußballclub liegen könnte.

Im Pokalfinale liefen Ermedin Demirovic und der VfB bereits mit LBBW auf der Brust auf Foto: Baumann

Winamax fühlte sich in den vergangenen zwei Jahren des Öfteren gekränkt, um nicht zu sagen: gedemütigt vom VfB, dem man seinerzeit nach dem Ausstieg der Mercedes-Benz-Bank 2023 großzügig aus der Patsche half. Auf 6,5 Millionen Euro belief sich das Engagement jährlich. Nun, so heißt es aus Paris, wolle man intern klären, wie man in der Auseinandersetzung mit dem Ex aus Stuttgart weiter verfährt.

Einen Rechtsstreit will niemand, beteuert das Unternehmen, das auf eine außergerichtliche Einigung hofft. Ob es dazu kommt? Der VfB, soviel steht fest, will auf keinen Cent verzichten. Bleibt die Frage nach dem Warum der ausstehenden Zahlungen. In wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt der Wettenanbieter jedenfalls nicht. Er selbst will sich zu finanziellen Themen nicht äußern. Also auch nicht dazu, warum er die letzten Raten nicht bezahlt hat – beziehungsweise, ob sich der Sachverhalt überhaupt so darstellt, wie vom VfB behauptet.

Winamax will keine öffentliche Schlammschlacht

Schon aus Selbstschutz werden die Franzosen alles unternehmen, hinter das Thema schnell einen Haken zu machen. Schließlich hat man mit dem Engagement als Trikotsponsor die Tür zum wichtigen deutschen Markt geöffnet. Wo man weiterhin eine Rolle spielen will, wenn auch (vorerst) nicht als Trikotsponsor in der Bundesliga. Eine öffentliche Schlammschlacht will Winamax tunlichst vermeiden. Gleiches gilt für den VfB, der nach zwei Jahren und vielen Ärgernissen das Kapitel Winamax schnellstmöglich schließen möchte.