Die Burladinger Jungunternehmerin Bonita Grupp spricht im Interview über ihre Rolle als mögliche Trigema-Firmenerbin, ihre Londoner Studien und die Lieblingsreiseziele.
Burladingen - Die Firma Trigema, in der die Jungunternehmerin Bonita Grupp eine verantwortungsvolle Position hat, ist deutlich älter als der Zollernalbkreis, der 2023 seinen 50. Geburtstag feiert. Wir haben mit ihr über das Unternehmen und Zukunftsaussichten gesprochen.
Frau Grupp, das Thema für das Podium zum Neujahrsempfang sind 50 Jahre Zollernalbkreis. Ohne zu viel im Voraus zu verraten: Wie wird das ablaufen und was wird Ihre Funktion auf dem Podium sein?
Im Podium geht es darum, verschiedene Bereiche des Landkreises abzudecken. Landrat Günther-Martin Pauli hat mich wahrscheinlich eingeladen, um unterschiedliche Generationen abzubilden und den Bereich Wirtschaft und Industrie. Unsere Industrie, die Textilindustrie, war ja früher sehr ausschlaggebend für die Region. Inzwischen hat sich viel im Bereich Medizintechnik entwickelt und der Tourismus spielt eine größere Rolle. Der Zollernalbkreis ist zwar nicht der größte Landkreis in unserem Bundesland, aber im Bereich Wirtschaft sehr weit vorne.
Sie haben an der London School of Economics einen Master in Wirtschaftsgeschichte gemacht. Was hat Sie an dem Fach gereizt?
Geschichte hat mich immer schon interessiert und mit diesem Master-Studiengang hatte ich die Möglichkeit, dieses Interessengebiet mit meinem BWL-Studium zu kombinieren. Die Textilindustrie war eine der treibenden Industrie der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert und darüber habe ich dann auch meine Masterarbeit geschrieben.
Ging es darin um den Untergang der Textilindustrie in unserer Region?
Nein, nein, gar nicht. Es ging eher um die Unterschiede bei den Löhnen zwischen Männer und Frauen in der Textilindustrie in den 30er-Jahren. Dazu hatte ich gute Daten gefunden.
Regt es Sie auch heute noch ein bisschen auf, wenn es einen Gender-Pay-Gap gibt, Männer und Frauen für die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt werden?
Ich bin der Meinung, das sollte man geschlechtsneutral beurteilen. Bei uns im Unternehmen haben wir 80 Prozent Frauen, weil vor allem Frauen in der Textilbranche arbeiten. Bei Trigema zählt generell die Leistung und die wird genderneutral fair bezahlt. In anderen Ländern ist das anders. Aber insgesamt hat sich bei der unterschiedlichen Bezahlung doch schon einiges gebessert.
Es wird immer betont, Trigema werde als Familienbetrieb geführt. Ist das für Sie eine Herausforderung, die Mehrzahl der Stimmen aus unterschiedlichen Bereichen, und wo ist Ihre Rolle?
Innerhalb der Familie? Ich denke, das macht es ja aus, wenn man unterschiedliche Kompetenzen und Meinungen über die verschiedenen Generationen hinweg hat, die wir auch in unserer Familie und im Betrieb haben. Wenn man immer einer Meinung ist, würde man nicht vorankommen. Es geht doch darum, wie kann ich verschiedene Standpunkte nutzen und Kompromisse finden. Wenn ich unsere Kunden betrachte, dann haben auch die ganz unterschiedliche Meinungen und Anforderungen, was sie sich von einem textilen Teil wünschen und wie es auszusehen hat.
Sie sind zuständig für E-Commerce und Personal. Ist E-Commerce die Zukunft?
Der Bereich E-Commerce ist während der Corona-Zeit stark gewachsen. Wir hatten aber das Glück, dass wir bereits seit 2004 im Bereich E-Commerce tätig sind. Wir haben jedoch auch gemerkt, dass die Verbraucher nach den ganzen Lockdown-Schließungen gerne wieder im stationären Geschäft eingekauft haben. Dieser Bereich wird von meiner Mutter betreut und derzeit arbeiten wir daran, weitere Testgeschäfte umzubauen, so wie es in Burladingen schon passiert ist. Wir merken, es gibt auch die Kunden, die offline und online bei uns einkaufen, und das Einkaufserlebnis im Geschäft ist doch etwas anderes. Wir versuchen hier langfristig eine Symbiose zwischen E-Commerce und Testgeschäft zu schaffen.
Ihr Vater hat unlängst im Magazin Forbes gewissermaßen die Katze aus dem Sack gelassen auf die Frage: »Wer soll die Firma erben?« Er überschreibt seine Anteile erst mal seiner Frau. Ihr Vater wollte, dass Sie sich ein Leben lang vertragen und nicht ein Leben lang streiten. Aber hat die Aussage, dass nur einer die Firma erben soll, nicht den Konkurrenzgedanken eher noch angeheizt?
Nein, gar nicht, weil mein Bruder und ich uns wirklich sehr gut verstehen und auch gut ergänzen. Was uns beiden am Herzen liegt und antreibt ist, die Firma in die nächste Generation zu führen. Und das muss auch zur Person und der Lebensplanung passen.
Wenn einer von uns jetzt sagt, er sieht seinen Lebensmittelpunkt zum Beispiel in Amerika, dann kann er die Firma nicht führen und dann ist es wichtig, dass noch jemand da ist, um den Betrieb zu leiten. Hier versuchen wir uns zu ergänzen. Und es ist ja nicht gesagt, dass, wenn einer die Firma führt, der andere nicht auch dort arbeiten kann.
Steht denn eine Aktiengesellschaft oder eine GmbH nicht im Raum?
Also eine Aktiengesellschaft sowieso nicht, aber je nachdem, wie wir uns entscheiden, versuchen wir die Firmierung bei Trigema – so wie sie ist – beizubehalten. Aber es kommt am Ende auch darauf an, wie es rechtlich aussieht.
Ihr Vater hat in einem Interview gesagt, es käme auf die Partner an, die sie sich jeweils aussuchen. Auf einem der Geburtstagsfotos aus Dubai war ihr Bruder mit Begleitung zu sehen?
Ja, und auch da verstehen wir uns innerhalb der Familie sehr gut.
Die sind nach wie vor ohne Anhang oder verstecken Sie ihn besonders gut?
Nein, nein, (lacht) aktuell bin ich wieder Single.
Wo sehen Sie Trigema in 20, 30 Jahren?
Wir haben uns stets weiterentwickelt: Nach der Unterwäsche, die mein Urgroßvater gemacht hat, kam der Bereich Sport- und Freizeitbekleidung dazu und mittlerweile auch Berufsbekleidung. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist uns dabei wichtig, und die Kunden legen Wert auf nachhaltige Produktion. Der Umweltgedanke spielt mehr und mehr eine Rolle. Und durch unsere regionale Produktion, die wir hier im Landkreis haben, sehen wir uns hier gut aufgestellt. Themen wie zum Beispiel den CO-Ausstoß eines Produkts können wir zukünftig noch besser nach außen kommunizieren und unsere Daten besser nutzen.
Spüren Sie da als E-Commercelerin einen Ruck in Richtung Öko-Zertifikate?
Nach Zertifikaten nicht unbedingt, aber man merkt, dass sich die Kunden mehr damit befassen: Wo kommt mein Produkt her? Da sind wir in der nachweislich besten Lage, dass wir Nachhaltigkeit zeigen können, via social media oder auch in Besichtigungen vor Ort. Aber auch bei uns ist der Fachkräftemangel, wie bei vielen Unternehmen in der Region und deutschlandweit, ein Thema.
Im Textilbereich ist eben noch viel Handarbeit gefragt. Da es aber immer schwieriger wird, hier die Mann- und Frauenpower zu bekommen, müssen wir langfristig in diesem Bereich noch mehr automatisieren.
Es gibt Menschen, die sagen, Sie als Firmenerben hätten mal woanders als in der Familienfirma arbeiten und Erfahrungen sammeln sollen. Wie gehen Sie mit solcher Kritik um?
Das war eher am Anfang, nach dem Studium so, ist aber mittlerweile kein Thema mehr. Mein Bruder und ich wollten schon frühzeitig mit unserem Vater zusammenarbeiten und viel von ihm lernen, er ist unser bester Mentor. Ich bin jetzt ja schon neun Jahre im Unternehmen, da wird das nicht mehr thematisiert. Nach dem Studium habe ich noch ein Jahr an der Uni gearbeitet, aber eben nicht in der Wirtschaft. Ich habe nach meinem Master den Bereich Forschung unterstützt. Da ging es um das Thema, wie sich Geschäftsführer und Manager ihre Zeit einteilen.
Wie teilen Sie sich Ihre Zeit ein? Gibt es Hobbys? Was machen Sie in der Freizeit oder haben Sie gar keine?
Doch, doch. Ich mache Sport, habe wieder angefangen Tennis zu spielen, auch mit meinem Bruder, und reise gerne.
Mit der Familie oder mit Freunden?
Eher mit Freunden. Die Familienreisen sind meistens zu runden Geburtstagen (lacht). Aus meiner Zeit in London habe ich ja auch einen internationalen Freundeskreis. Da ist man zum Beispiel schon mal zur Hochzeit eingeladen und überlegt sich, ob man das gleich mit einer Reise verbinden kann.
Gibt es Lieblingsreiseziele?
Ich würde gerne mal nach Afrika reisen, aber ich bereise auch gerne die USA. Nur seit Corona bin ich über Dubai nicht hinausgekommen und reise vorwiegend in Europa.