Gefällte Esche in Murrhardt Foto: Frank Eppler

Viele Eschen sind von einem Triebsterben befallen. In der Hörschbachschlucht in Murrhardt muss jetzt die Axt ran, damit Wanderer nicht gefährdet werden.

Murrhardt - Der Fachmann erkennt das Problem sofort: Rainer Wendt vom Kreisforstamt in Backnang (Rems-Murr-Kreis) schnappt sich den Trieb einer jungen Esche – sie ist kaum zwei Meter hoch. Die „toten Stellen“ an den Blättern seien ein eindeutiger Beleg dafür, dass der Baum krank sei. Diese Esche wird vermutlich nie so groß wie jene Bäume, die nur ein paar Schritte vom Parkplatz beim Unteren Wasserfall in der Murrhardter Hörschbachschlucht liegen. Diese Eschen wurden kürzlich in dem Naturschutzgebiet gefällt, der Sicherheit wegen. Die Hörschbachschlucht ist eines der beliebtesten Ausflugsziele im Rems-Murr-Kreis. Kranke Eschen seien eine akute Gefahr, sagte der Forstwissenschaftler Wendt. Jederzeit könnten Stämme zu Boden stürzen und Menschen gefährden. Deshalb würden jene Eschen, die vom Triebsterben befallen seien und an Waldwegen oder an Straßen stünden, vorsorglich entfernt. Mitten im Wald indes könne man die Bäume durchaus stehen lassen. Mitunter sei es aber empfehlenswert, erkrankte Eschen zu fällen, bevor das Holz völlig marode sei. Denn Eschenholz sei gefragt, zum Beispiel als Brennholz. Doch auch die Industrie sei daran interessiert, speziell die Hersteller von Sportgeräten setzten auf das biegsame Holz.

Den Eschen ergeht es zurzeit wie den Ulmen. Das Ulmensterben habe fast alle Bäume dahingerafft, erzählt Wendt . Es gebe nur noch vereinzelte Exemplare. Schuld daran sei damals der Ulmensplintkäfer gewesen. Für das Eschentriebsterben sei das sogenannte Falsche weiße Stängelbecherchen verantwortlich, erzählt Wendt. Dieser unscheinbare Schlauchpilz lebe eigentlich in den Blättern der Eschenarten in Ostasien, verursache an diesen Bäumen aber keine Schäden.

In Europa ist die Krankheit der Eschen erstmals Anfang der 1990er-Jahre in Polen aufgetreten. Sie verbreitet sich immer noch. In Baden-Württemberg wurden die ersten Symptome 2009 entdeckt. Befallen werden Eschen jeden Alters . Es gebe indes Hinweise, so Wendt, dass manche Eschen resistent sein könnten, möglicherweise rund zehn Prozent. In Litauen, wo das Triebsterben erstmals 1996 auftrat, betrage der Anteil gesunder Eschen auf ehemals eschendominierten Kahlschlagflächen heute rund 29 Prozent – ein Hoffnungssignal, auch für die Hersteller von Sportgeräten. Hierzulande gebe es nämlich kaum Alternativen. Notfalls müsse die Industrie auf Exoten wie den Hickory, ein nordamerikanisches Walnussgewächs, ausweichen.

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