Jedes Jahr im April ist Stuttgart das Zentrum der Trickfilmkunst. Und konnte 2024 sogar mit einer Weltpremiere aufwarten.
Deutschland geteilt in Ost und West? Für viele Jüngere ist das eine Geschichte aus alter Zeit. Die ARD hat deshalb eine Trickfilmserie produziert namens „Fritzie und Sophie“. Sie erzählt von zwei zwölfjährigen Mädchen im Sommer und Herbst 1989, die eine flüchtet mit ihren Eltern in den Westen, die andere bleibt im Osten. Gezeigt werden die acht Folgen der Serie im Herbst im Kika. Und bereits im April 2024 waren sie beim Internationalen Trickfilmfestival zu sehen.
Spielfilme für jung und alt auf dem Schlossplatz
Die ersten vier Folgen wurden im Kino gezeigt, die weiteren vier auf dem Schlossplatz. So verknüpfte die künstlerische Geschäftsführerin Annegret Richter geschickt die verschiedenen Teile des Festivals. Da gibt es die Leinwand auf dem Schlossplatz, das Aushängeschild – so merkt auch die Öffentlichkeit: Die Trickfilmer sind wieder in Stuttgart.
Kurzfilme sind in der guten Stube der Stadt jedes Jahr beim Trickfilmfestival kostenlos zu sehen, und Spielfilme wie etwa „Nayola“, ein Film über den Bürgerkrieg in Angola, „Johnny & Me“, eine Zeitreise zu den Werken des deutschen Grafikers John Heartfield, der vor den Nazis flüchtete. Klar ist: Trickfilme sind mehr als Unterhaltung für Kinder. Diese Botschaft sendet das Festival seit 1982. Aber es gibt auch ein Programm für Kinder und Jugendliche. Auf dem Schlossplatz etwa mit Werken wie „Oops 2“, „Alles im Kopf“ oder „Wish“, mit der „Tricks for Kids“, dem Wettbewerb für Kinderfilme. Kurzfilme und Langfilme aus vielen Ländern sind in den Wettbewerben zu sehen. Neben den „Tricks for Kids“, dem Animovie, dem Wettbewerb der Langfilme, dem Studenten-Wettbewerb, dem Trickstar Award für Kurzfilme mit den Themen Klimaschutz und Umwelt. Herzstück ist der Internationale Wettbewerb in den Gloria-Kinos. Die Welt gerät aus den Fugen, hat man den Eindruck, vielleicht liegt darin der Rückzug aufs Innere begründet, den Richter als gemeinsamen Nenner vieler Filme bemerkt hat. „Herkunft, Identität, die Psyche“, seien die Themen. Sie vermutet, dass nun die Coronajahre künstlerisch verarbeitet werden, das Zurückgeworfen sein auf sich selbst.
Ein weltweites Branchentreffen
Der Fokus lag 2024 auf Irland mit Filmen und Gästen von der grünen Insel. Zu Gast waren auch die Filmemacherinnen, Spela Cadez aus Slowenien, Michaela Pavlatova aus Tschechien, Ebele Okoye aus Nigeria und Isabel Herguera aus Spanien, sie zeigten ihre Filme und gewährten Einblicke in ihre Arbeit. Denn das Festival ist auch ein Branchentreffen, zum Schauen, na klar, aber auch zum Lernen, zum Reden, um Geschäfte zu machen. Bei den Animation Production Days treffen sich jedes Jahr Kreative und Geldgeber, bei der FMX 2024 zeigte sich der Animationsstandort mit der Filmhochschule an der Spitze. Aus aller Welt kommen Kulturschaffende in Sachen Spezialeffekte, Animationen und immersive Medien, gewähren Einblicke in ihr Handwerk. Die Künstliche Intelligenz spielt eine große Rolle. Bei den Filmen im Wettbewerb besinnen sich die Macher aber aufs Handwerk. Da war die KI nicht gefragt.
Informationen und Tickets unter www.itfs.de
Das Internationale Trickfilmfestival
Tickets
Das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS) findet jedes Jahr Ende April statt. Es gibt Festivalpässe für alle Filme im Wettbewerb. Bis zum 15. März kostet der Festivalpass 80 Euro, danach 90 Euro, ermäßigt 60 Euro (Stand: Juli 2024). Tageskarten gibt es von Anfang April an. Auf dem Schlossplatz ist der Eintritt frei. Infos unter www.itfs.de
Hinweis: Dieser Artikel ist im April 2024 erschienen und wurde im Juli 2024 aktualisiert.