Die Cosmic Banditos sind bei „Sindelingen rockt“ gern gesehene Gäste. Foto: Stefanie Schlecht

Bei „Sindelfingen rockt“ feiern rund 1000 Gäste auf dem Hofmeister-Parkplatz mit der Band Cosmic Banditos die Songs von Pink Floyd.

Sindelfingen - Es ist erst sechs Jahre her, dass sich die legendäre Band Pink Floyd aufgelöst hat. Da war sie 50 Jahre im Geschäft. Aktiv waren bis zu 20 wechselnde Musiker mit fulminantem Erfolg: Geschätzt 300 Millionen verkaufte Tonträger, „The Wall“ ist bis heute das am meisten verkaufte Doppelalbum und „Dark Side of the Moon“ nach wie vor das dritt-meistverkaufte Album.

 

In der Reihe der sommerlichen Rockkonzerte auf dem Parkplatz vor dem Hofmeisterhaus näherte sich jetzt die Band Cosmic Banditos dem musikalischen Erbe der unvergleichlichen, immerhin in der Universitätsstadt Cambridge gegründeten Superband an. Der nüchterne Parkplatz zwischen Bitzerturm und Möbelhaus scheint gut angenommen worden zu sein, aber die eigentliche gute Stube für „Sindelfingen rockt“ ist bekanntlich der Marktplatz.

Live bei Hofmeister oder mit Kopfhörern auf dem Marktplatz

So ähnlich war das in der Vergangenheit auch in der Hauptstadt des Nachbarlandkreises. Bei „Calw rockt“ traten bis vor einigen Jahren allerdings die Original-Formationen auf – von BAP über Steppenwolf bis Udo Lindenberg. In Sindelfingen und weiteren Städten in der Region schafft das Team um Veranstalter Johannes Leichtle es dagegen, musikalisch handwerklich solide Bands zu gewinnen, die souverän die Songs von unvergesslichen Gruppen spielen.

Live konnte man es auf dem Hofmeistergelände anschauen oder mit Kopfhörern die Live-Übertragung auf der sechs mal vier Meter großen „Video-Wall“ auf dem Marktplatz genießen. Rund 1000 Leute waren zum Hofmeisterparkplatz gekommen – viele von ihnen schon mit verräterischen Speckröllchen unter dem rockigen Jeansjäckle – und genossen den Ausflug in die Musikgeschichte.

Songs wie musizierte Joints

Auch die Musiker auf der Bühne betonten immer wieder, dass sie mal in den 70er-, 80er- und 90er Jahren unterwegs seien, um das zu spielen, was mal sensationell war: „Time“, „Breathe in the air“, „One of these days“, „Echoes“, „Shine on You crazy Diamond“, „Run. . .“ oder andere Nummern aus den Alben für die Ewigkeit wie „The Wall“ und „Dark Side of the Moon.“

Den Namen der legendären Band bezieht sich auf die beiden Bluessänger Pink Andeson und Floyd Council. Die Pink-Floyd-Titel sind musizierte Joints von beträchtlicher Länge, die Originale Live-Version von „Echos“ dauert 23 Minuten.

Ohne die Lichtshow des Originals

Nun, Joints schien es auf dem Parkplatz nicht zu geben, dafür Bier, Maultaschen, Kartoffelsalat und andere Kalorienträger, die auch glücklich machen. Die psychedelischen Klänge, gerade in langsamen Nummern, die manchmal an geschredderte Gitarren erinnern, wurden von den Banditos musikalisch solide und stilsicher untergebracht. Auf die stilprägenden, visuellen Lichtshows – teilweise von niemand Geringerem als Andy Warhol befruchtet – musste man hier allerdings verzichten.

Die Frage „Wollt ihr tanzen“ erhielt lediglich ein schwaches „Ja“ als Antwort, auch die Aufforderung zur musikalischen Reise nach Jerusalem ein begrenztes Echo. Die manchmal minutenlangen Klangorgien sind dazu auch nicht wirklich geeignet.

Schwaben-freundlich: drei Stunden Musik für zehn Euro

So faszinierend die vor Jahrzehnten progressive Musik von Pink Floyd gewesen sein mag, so sehr ist sie heute abgesichertes Kulturgut. Und es sind auch nicht alle Kompositionen gleich attraktiv. Es hätte durchaus gutgetan, auch ein paar auszusortieren.

Aber: Anerkennung für die eigene Sindelfinger Tradition, auf hohem Niveau eine Eventreihe zu kreieren, die Anziehungskraft auf die Region hat, denn in der Tiefgarage standen etliche Autos mit einem „S“ auf dem Nummernschild. Und auch der Kommentar einer Besucherin passt, ganz schwäbisch: „Über drei Stunden Musikshow für zehn Euro, das ist doch was.“