Triberg Einzigartig: Gebirgsbahn

Von Carmen Weiss 

Wie zu Gerwigs Zeiten kann man auf der Schwarzwaldbahn in einer Dampflok fahren. Foto: Stadt Triberg
Wie zu Gerwigs Zeiten kann man auf der Schwarzwaldbahn in einer Dampflok fahren. Foto: Stadt Triberg

Im Schwarzwald ist Robert Gerwig ein Nationalheld. Triberg feiert den großen Ingenieur.

Im Schwarzwald ist Robert Gerwig so etwas wie ein Nationalheld. Er war es, der die bis heute wichtigste Bahnverbindung durch das Mittelgebirge schuf: die Schwarzwaldbahn. Triberg feiert den großen Ingenieur mit einer Festwoche, Musical und Sonderfahrten.

Die 40 Kilometer zwischen Hausach, Triberg und St. Georgen sind die schönsten. Zuvor hat der Zug von Karlsruhe aus die Rheinebene passiert. Über Offenburg geht es in den Schwarzwald. Am Fenster vorbei ziehen liebliche Landschaften, Weiden, viel Grün. Dann wird es dunkler im Abteil, und draußen stehen die Tannen dicht an dicht. Bei Triberg fährt der Zug durch 37 Tunnels. Bald passiert die Bahn den höchsten Punkt der Strecke auf über 800 Metern. Bis zur Endstation in Konstanz dauert es noch eine Weile. Die meisten Passagiere lassen ihre Zeitungen und Bücher links liegen und genießen den Ausblick.

Nicht nur landschaftlich ist der Streckenabschnitt interessant. Als Robert Gerwig die Bahn Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte, stellte ihn der enorme Höhenunterschied auf die Probe. Zwischen Hausach und St. Georgen muss ein Zug 564 Meter überwinden - teilweise nur für Zahnradbahnen zu bewältigen. Doch Robert Gerwig hatte eine Idee. Er baute zwei aufeinanderfolgende Kehrschleifen und zwei Kehrtunnels in die Strecke ein. "Die Züge fahren große Kurven bei geringer Steigung aus, das ist der Trick", sagt Nikolaus Arnold vom Stadtmarketing in Triberg. "Bis heute ist die Schwarzwaldbahn die einzige Gebirgsbahn in Deutschland und gilt gleichzeitig als eine der schönsten Strecken Europas."

Ein Highlight ist das Gerwig-Musical im Kurhaus

1865 begann Gerwig mit dem Bau der Bahn, für die es bereits 1840 Pläne gegeben hatte. Doch die Technik war damals noch nicht ausgereift genug. Auch Gerwig stieß an seine Grenzen. Zwischen den Gemeinden Pfohren und Neudingen musste die Donau auf einer Länge von rund 240 Metern verlegt werden. Außerdem kostete die Strecke einen ordentlichen Batzen Geld, da sie nur durch das Großherzogtum Baden laufen und keinesfalls das Königreich Württemberg passieren durfte. So nehmen Züge auch heute noch einen kleinen Umweg in Kauf. Im November 1873 ging die Bahn dann in Betrieb.

Mit der Zugstrecke kam die Industrialisierung. Bis zur Eröffnung waren die Orte im Schwarzwald nur mit der Kutsche erreichbar. Dank der Bahnverbindung florierte vor allem die Uhrenindustrie. Auch daran war Gerwig nicht ganz unbeteiligt. 1850 gründete er in Furtwangen die erste deutsche Uhrmacherschule. Er leitete die Schule bis 1857 und trug in dieser Zeit eine Uhrensammlung zusammen, aus der das Deutsche Uhrenmuseum entstand.

Gerwig feierte mit der Schwarzwaldbahn große Erfolge. Zwar hatte er zuvor die Badische Hauptbahn geplant und sich im Straßenbau einen Namen gemacht. Doch erst die Gebirgsbahn machte den Karlsruher berühmt. "Die Schweizer warben ihn ab und engagierten ihn für den Bau der Gotthard-Bahn. Auch dort brachte Gerwig seine Kehrschleifen zum Einsatz", erzählt Arnold. Die Höllentalbahn zwischen Freiburg und Neustadt stammt ebenfalls von Gerwig, der später sogar am Bau des Reichstagsgebäudes beteiligt war. Am 6. Dezember 1885 starb er in seiner Geburtstadt Karlsruhe.

Ihm zu Ehren veranstalten die Triberger vom Freitag, 29. Oktober, bis Sonntag, 7. November, eine Festwoche mit zahlreichen Ausstellungen. Ein Highlight ist das Gerwig-Musical im Kurhaus. Darin erzählt Gerwig einer Journalistin von den Bauarbeiten der Schwarzwaldbahn. Das Musical verbindet eine Liebesgeschichte zwischen einem italienischen Gastarbeiter und einer badischen Bäuerin mit den wirtschaftlichen und politischen Problemen der Region. Trotz zahlreicher Todesfälle auf der Baustelle und dem deutsch-französischen Krieg wendet sich alles zum Guten.

 

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