Triathlon Lieber eine Kontrolle mehr als eine zu wenig

Von Andreas Klingbeil 

Die in Hirshclanden lebende Julia Gajer ist beim Langdistanz-Triathlon in Roth auf Rang drei die schnellste Deutsche. Foto: dpa
Die in Hirshclanden lebende Julia Gajer ist beim Langdistanz-Triathlon in Roth auf Rang drei die schnellste Deutsche. Foto: dpa

Julia Gajer bekennt sich eindeutig zum sauberen Sport. Über die Langdistanz in Roth unterbietet sie ihre Bestzeit um rund fünf Minuten, kommt wie im vergangenen Jahr als Dritte ins Ziel und feiert damit die Deutsche Meisterschaft.

Ditzingen - Ihr geht es so ein bisschen wie dem Tour-de-France-Dominator Christopher Froome. Spitzenleistungen sind bei der Triathletin Julia Gajer fast an der Tagesordnung. Beim Challenge Roth Triathlon, einem Wettbewerb über die Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen/180 Kilometer Radfahren/42,195 Kilometer Laufen) hat sie gerade erst den dritten Platz belegt und damit als beste nationale Teilnehmerin den Deutschen Meistertitel gewonnen. Die in Hirschlanden wohnende Athletin, die erst vor fünf Jahren wirklich ernsthaft in den Wettkampfsport eingestiegen ist, musste und muss sich – auch in Triathlonkreisen – Fragen nach verbotenen leistungssteigernden Mitteln stellen. Doch während der radelnde Mann in Gelb und sein Rennstall zuweilen überaus gereizt auf das Thema Doping reagieren, bleibt die 30-Jährige ruhig und sachlich. „Gerade ich als Senkrechtstarterin habe mir vor allem am Anfang öfter Sprüche anhören müssen. Aber für mich kommt das nicht in Frage. Da sollen sie mich lieber einmal öfter kontrollieren“ (Gajer).

Im Fokus der Öffentlichkeit stehen die Radprofis (Gajer: „Die Tour de France verfolge ich nicht. Da ist mir der Spaß vergangen“), und nun, nach den jüngsten Enthüllungen bei den Sprintern, die Leichtathleten. Aber auch in Triathlonkreisen wird rege diskutiert. Der Fall Lisa Hütthaler erregt die Gemüter. Die Österreicherin war 2008 wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt worden. Die Strafe wurde wegen eines umfassenden Geständnisses auf 18 Monate verkürzt, obwohl sie versucht hatte, eine Laborantin bei Öffnung der B-Probe mit 50 000 Euro zu bestechen. Zuletzt bestritt Hütthaler drei Rennen und gewann alle drei. „In ihrem Fall sieht man, dass das alles Blödsinn war“, sagt Gajer, „sie hat langfristig Wachstumshormone genommen. Da ist die Wirkung nach zwei Jahren nicht weg.“ Die gebürtige Hannoveranerin, die in Freiburg Pharmazie studiert und dort auch promoviert hat, nimmt für sich in Anspruch zu wissen, wovon sie redet.

Eine flächendeckende Verseuchung im Triathlonsport schließt sie aber aus. „Wenn ich den Glauben an den sauberen Sport verlieren würde, dann müsste ich aufhören“ (Gajer). Die Profisportlerin vertraut vor allem dem deutschen Kontrollsystem. Gerade erst in der vergangenen Woche standen die Doping-Fahnder um sechs Uhr morgens vor ihrer Tür in Hirschlanden. Bei den Wettkämpfen sind die Dopingproben für die Profis sowieso Pflicht, im vergangenen Jahr sei sie zudem sechs- bis achtmal unangekündigt überprüft worden.

Beim Wettkampf in Roth hat Julia Gajer ihre Bestzeit auf der Langdistanz um rund fünf Minuten unterboten. Nach 8:51,04 Stunden kam sie ins Ziel. Die 3,8 Kilometer im Wasser absolvierte sie in 51:48 Minuten und wechselte als Drittplatzierte. Auf dem Rad spulte sie ihr Programm mit konstantem Tempo herunter (Gajer: „Für mich war das gut, aber nicht überragend“). Nach 4:39,35 Minuten streifte sie sich die Laufschuhe über, lag aber bereits rund 15 Minuten hinter den führenden Caroline Steffen (Schweiz) und Yvonne van Vlerken (Holland) zurück. Die Marathon-Strecke legte sie dann aber als einzige Frau in 2:59,55 Stunden unter der Drei-Stunden-Marke zurück. Der Rückstand auf die Siegerin aus der Schweiz betrug schließlich etwas über zehn Minuten, die Holländerin überquerte die Ziellinie knapp fünf Minuten vor Gajer. Die Leistungssteigerung begründet die Wahl-Hirschlanderin mit gesteigertem Trainingsumfang (rund 30 Stunden wöchentlich vor einem Wettkampf wie dem in Roth). „Bei Langdistanzen helfen aber auch die Trainingsjahre“, sagt Julia Gajer.

Das große Ziel ist nun die Qualifikation für den Iron-Man-Wettbewerb im kommenden Jahr in Hawaii. Teilnehmen dürfen dort erstmals 35 statt bislang 30 Frauen. Weil der Wettkampf in Roth keine Qualifikationspunkte bringt, will Julia Gajer im Herbst ein weiteres Rennen über die Langdistanz voraussichtlich in den USA bestreiten. Ein Selbstläufer ist dieses Vorhaben für sie nicht, aber, so Gajer: „Mit der derzeitigen Schwimm- und Laufleistung bin ich auf Hawaii gut dabei. Am Radfahren muss ich noch weiter arbeiten.“

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