Triathlon Die Blechmedaille spornt nur noch mehr an

Von Andreas Klingbeil 

Fünf Sekunden fehlen in London zum ganz großen Glück: Hanna Philippin muss drei Konkurrentinnen den Vortritt lassen. Foto: Petko Beier
Fünf Sekunden fehlen in London zum ganz großen Glück: Hanna Philippin muss drei Konkurrentinnen den Vortritt lassen. Foto: Petko Beier

Nach ihrem vierten Platz bei der U-23-Weltmeisterschaft in London bestreitet die Malmsheimerin Hanna Philippin zum Saisonabschluss Ende September das Weltcuprennen in Alicante – und blickt bereits auf die nächste WM in Edmonton.

Renningen/Saarbrücken - Die erste Enttäuschung nach dem vierten Platz bei der Triathlon-Weltmeisterschaft (U 23) in London hielt nicht lange an. Obwohl Hanna Philippin nur fünf Sekunden zum Titel und zwei zur Bronzemedaille gefehlt haben (wir berichteten), wich der Frust dem Stolz auf das Geleistete. Zurück in Deutschland am Olympiastützpunkt in Saarbrücken hatte sich dieses Gefühl bei der 21-jährigen Malmsheimerin nur noch verfestigt: „Im Nachhinein freue ich mich riesig, auch wenn es nur die Blechmedaille ist. Das ist einer meiner größten Erfolge bisher.“ Das Ergebnis von London steht für sie auf einer Stufe mit dem Europameistertitel und der WM-Bronzemedaille bei den Junioren sowie dem neunten Rang beim Debüt in der Weltmeisterschaftsserie der Elite in Hamburg.

Nachdem in London zunächst die Britin Lucy Hall den Ton angab und mit großem Vorsprung aus dem Wasser stieg, gehörte Hanna Philippin zu einer 17-köpfigen Rad-Verfolgungsgruppe, die die Führende in der vorletzten Runde schluckte. Im abschließenden Zehn-Kilometer-Lauf blieb Philippin bis zum Schluss in der Spitzengruppe, die nach und nach von zehn auf sechs Läuferinnen zusammenschmolz. Trotz einer Laufbestzeit von 34:47 sollte es nicht ganz zum Sprung auf das Podest reichen. „Ich habe alles gegeben“, hat sich die junge Sportlerin nichts vorzuwerfen.

Zuspruch gibt es aus berufenem Mund. Bundestrainer Dan Lorang, der Hanna Philippin auch in Saarbrücken betreut: „Im Laufen hat sie so eine Leistung bisher noch nie abrufen können. Hanna ist eine sehr fleißige Athletin, die alles gut umsetzt. Sie ist eine Athletin, mit der wir für die Zukunft planen und die bei weitem noch nicht am Ende der Entwicklung angekommen ist.“ Nach einem Jahr 2012 mit bescheideneren Ergebnissen, in dem die Athletin Abitur gemacht hat und den Sprung von den Junioren in die Altersklasse U 23 zu bewältigen hatte, ging es in dieser Saison wieder fast kontinuierlich bergauf. Und das, obwohl Philippin zu Saisonbeginn wegen einer Oberschenkelverletzung fast vier Wochen aussetzen musste. Ein echtes Ausrufezeichen setzte sie dann in Hamburg, wo sie bei ihrem ersten Start in der WM-Serie der Eliteklasse Neunte wurde. Den zweiten Versuch in Stockholm mit Platz 37 hakte der Luxemburger Dan Lorang unter der Kategorie Erfahrung sammeln ab. Grundsätzlich traut er seinem Schützling aber Großes zu: „Es ist nicht ganz unrealistisch, dass sie zum erweiterten Kreis für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro gehört.“ Sammeln deutsche Triathleten genug Nationenpunkte, können dort drei Athletinnen an den Start gehen. Derzeit haben Anne Haug, Anja Knapp und Rebecca Robisch noch die Nase vorne.

Mit der Weltmeisterschaftsdritten der Elite, Anne Haug, geht Hanna Philippin von 1. November an zur Bundeswehr. Nach dem sechswöchigen Grundlehrgang in Hannover können die Angehörigen der Sportfördergruppe dann wieder am Stützpunkt in Saarbrücken trainieren. Bis es soweit ist, bestreitet Hanna Philippin zum Saisonabschluss ein Weltcuprennen der Elite in Alicante (29. September). Danach gönnt sie sich drei Wochen Urlaub („Das hab’ ich mir jetzt verdient“), bevor wieder die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt. Für die hat sie schon jetzt die U-23-Weltmeisterschaft im kanadischen Edmonton im Blick. Philippin ist fest entschlossen: „Da hol’ ich mir dann meine Medaille.“ Blech nervt eben doch ein bisschen.

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