Triathlet Sebastian Kienle will am Wochenende auf Hawaii jubeln. Foto: dpa

Er weiß, wie man auf Hawaii gewinnt, aber nicht nur deshalb geht Triathlet Sebastian Kienle den Ironman an diesem Samstag zuversichtlich an: Einer seiner größten Konkurrenten fehlt verletzt. Doch auch der Mann aus Mühlacker hat Sorgen.

Stuttgart/Kona - Weil in Jan Frodeno einer der großen Favoriten in diesem Jahr fehlt, erwartet Sebastian Kienle ein offenes Rennen beim Ironman auf Hawaii. Der Triathlet aus Mühlacker rechnet sich Siegchancen aus – doch ganz optimal lief auch seine Vorbereitung nicht.

Herr Kienle, Sie strahlen vor dem Start am Samstag viel Zuversicht aus – Ihre Vorbereitung lief offenbar sehr gut.

In der Tat, das stimmt. Im Speziellen seit meinem Sieg bei der Challenge Roth lief alles wirklich sehr, sehr gut – fast schon perfekt. Die Idee, danach ein Höhentrainingslager in Livigno einzulegen, war richtig klasse. Ich habe auf der einen Seite den Körper massiv gefordert, auf der anderen Seite den Geist völlig entspannt und habe meine mentalen Akkus wieder aufgeladen. Ich bin in eine gute mentale Balance gekommen.

Das heißt, Sie sind aktuell topfit.

Leider nein. Hier auf Hawaii lief die Vorbereitung nicht ganz optimal. Ich habe wieder mal Probleme mit meinen Achillessehnen bekommen, vor allem zwickt die linke Ferse. Diese Probleme hatte ich im vergangenen Jahr auch schon. Aber ich werde das beste daraus machen – 2014 bin ich schließlich mit ähnlichen Problemen zum Sieg gelaufen. Man muss die Begleitumstände eben so positiv sehen, wie es geht.

Spüren Sie schon die Nervosität?

Auf jeden Fall. Wenn ein Sportler hier in den Tagen vor dem Start nicht nervös ist, dann kann er entweder den ganzen Trubel und das, was auf ihn zukommt, sehr gut ignorieren oder der Wettbewerb bedeutet einem nichts. Ich finde, Nervosität vor diesem Start ist etwas Gutes.

Kienle erwartet riskante Taktiken

Was dürfen wir von Ihnen erwarten – oder anders gefragt: Was erwarten Sie von sich?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Die Vorbereitung im Schwimmen und Radfahren lief wie gesagt absolut optimal, aber durch die Probleme beim Laufen sehe ich da jetzt schon ein paar Fragezeichen. Trotzdem: Ich gehe mit großer Zuversicht ins Rennen.

Verändert sich der Wettkampf, weil der eigentlich haushohe Favorit Jan Frodeno verletzungsbedingt nicht am Start ist?

Davon muss man absolut ausgehen. Ganz bestimmt. Jan ist der Einzige, der in allen drei Disziplinen auf einem extrem hohen Niveau ausgeglichen ist – er hätte das Rennen aus der eigenen Stärke von vorne angehen können. Da er nun fehlt, ändert sich die Taktik der Starter bestimmt, weil das Rennen nun in jedem Fall viel offener ist. Die Leute werden eher gewillt sein, ein gewisses Risiko einzugehen. Für mich allerdings ändert sich doch nicht ganz so viel. Ich muss meine Augen nun eben auf einen weniger richten und damit steigen auch die Siegchancen.

Patrick Lange ist der Titelverteidiger – Sie waren es auch schon. Ist das in Kona eine Bürde oder befreit es einen?

Das kommt darauf, was für eine Persönlichkeit man ist. Für den einen mag dies eher eine Bürde darstellen, für den anderen ist es eine Befreiung, weil man das Maximum in unserem Sport ja schon erreicht hat. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. Das direkte Jahr nach dem Sieg in Kona nimmt man alles eher als Last wahr, je größer der Abstand zum Triumph ist, umso mehr empfindet man es als Befreiung. Man hat nicht mehr diesen maximalen Erfolgsdruck, weil man nichts mehr beweisen muss. Ich finde es aber immer wichtig, mit einem kleinen Schuss Lockerheit ins Rennen zu gehen.

Viele Konkurrenten im Rennen um den Sieg

Auf wen müssen Sie besonders achten?

Auf Patrick Lange, ganz klar, er ist der Titelverteidiger, auch wenn seine Saison eher durchwachsen war und nicht das gehalten, was was man sich von einem Hawaii-Sieger verspricht. Aber das Rennen hier scheint ihm zu liegen, so dass es keine Sicherheit darstellt, wenn man mit zehn Minuten Vorsprung vor ihm auf die Laufstrecke geht. Dann natürlich Lionel Sanders, der Kanadier, der Mann im Feld, der das Leiden am meisten genießen kann. Patrik Nilsson, der Zweite von der EM in Frankfurt, hat ein ähnliches Profil wie Lange – er fliegt aber immer ein wenig unterm Radar, so dass man ihn weniger beachtet. Schließlich muss man noch Javier Gomez, mehrfacher Kurzdistanz-Weltmeister und sehr starker Läufer, auf der Rechnung haben.

Welchen Stellenwert hätte ein zweiter Erfolg in Kona für Sie? Wäre er mehr oder weniger wert wie der erste von 2014?

Diese Frage ist ziemlich schwer zu beantworten. Ich kann das jetzt eigentlich gar nicht einschätzen, wahrscheinlich sollten Sie mich nach dem Wettbewerb nochmal fragen.

Versuchen Sie’s.

Jetzt im Moment kommt es mir so vor, als wäre der zweite Erfolg der wichtigere; eben weil er der frischere Sieg wäre. Zudem wäre es eine wirklich außerordentliche Befriedigung, nach vier Jahren Wartezeit diesen Triumph zu wiederholen.

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