Aus der Geschichte gelernt? Foto: Laura Kifferle

Das Stück „Schweigen ist Silber“ feiert am 9. November im Theater Tri-Bühne Premiere. Der Titel spielt bewusst auf das Hotel Silber, die ehemalige Gestapo-Zentrale in Stuttgart, an.

Wie heißt das Sprichwort noch gleich? Reden ist Silber, schweigen ist Gold? Das sehen Manoel Vinicius Tavares da Silva und Christian Werner anders. Manchmal ist es wichtig, den Mund aufzumachen, mit anderen in die Diskussion zu gehen und sich dem möglichen Konflikt zu stellen. Gerade jetzt im Moment zum Beispiel. Wie salonfähig sind Hasstiraden heute? Wie sehr unterscheiden sich manche aktuellen Politikerzitate von jenen in der Zeit vor 1939?

Die seien oft nicht auseinanderzuhalten, haben die beiden Schauspieler am Theater Tri-Bühne beobachtet. Nun haben sie im Rahmen der Stolperkunst ein Stück entwickelt, das am 9. November im Theater Tri-Bühne Premiere hat. Der Titel „Schweigen ist Silber“ spielt bewusst auch auf das Stuttgarter Hotel Silber an, die ehemalige Gestapo-Zentrale, die inzwischen zum Lern- und Gedenkort umgewidmet wurde. Zahlreiche Schicksale aus der Zeit des Nationalsozialismus sind hier archiviert.

Viel gelesen haben die beiden Schauspieler, die zum ersten Mal ein eigenes Stück geschrieben haben (zusammen mit Ferdinand Führer). Beide kümmern sich zudem um die Inszenierung, und sie stehen mit den Schauspielerinnen Nina Armbruster und Magdalena Pohlus auch auf der Bühne. Das Ganze folgt der Form eines Kabarett-Abends, Auftritte von Artisten und launige Musiknummern inklusive. Dazwischen geschnitten sind Schicksale von Menschen, die dem Unrechtsregime zum Opfer gefallen sind, darunter viele Frauen.

„Wir haben Schicksale gewählt, die uns berührt haben und die gut zu verweben waren. Das waren hauptsächlich weibliche Schicksale“, erläutert Tavares da Silva. „Meiner Meinung nach mussten Frauen im Krieg und auch danach viel erleiden. Alles war zerstört, wenn die Männer völlig verstört zurückkamen.“

Es passiert leichter als man denkt

Die Struktur einer Kabarett-Vorstellung haben er und Werner ganz bewusst gewählt: „Während wir noch tanzen, hat die Welt bereits Feuer gefangen. Wie heil ist die Welt, in der wir leben, heute eigentlich?“, hatten sie sich gefragt. Die Schrecken des Dritten Reichs kamen nicht mit einem Schlag über Nacht, wissen sie. „Das fängt so subtil an und ist so perfide. Es passiert leichter, als man denkt. Man ahnt nicht, wie etwas salopp Dahergesagtes auf einmal zu Hass führen kann“, so Werner. Deswegen wünschen sie sich, dass Menschen, die sich ihr Stück ansehen, neue Argumente finden. Dann zum Beispiel, wenn sie Gesprächen mit beiläufig geäußerten Gedankenlosigkeiten beiwohnen, die zum geistigen Sprengstoff geraten können. „Wir wollen kein Dokumentartheater machen“, sagt Werner. „Die poetischen Elemente und die harten Bilder sollen in jedem Zuschauer individuelle Resonanz hervorrufen, ihrer eigenen Fantasie Raum geben.“

„Schweigen ist Silber“: Premiere am 9. November, 20 Uhr, weitere Termine bis Dezember, Theater Tri-Bühne, Tickets 07 11 / 2 36 46 10

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: