In Marbach könnte eine begrünte Brücke zum Schulzentrum führen. Foto:  

Die Kritik an der geplanten Gartenschau in Marbach und Benningen (Kreis Ludwigsburg) wurde zuletzt lauter. Doch die Bürgermeister verweisen auf die großen Chancen.

Schulen und Vereine müssen bluten, die Kultur sowieso. In den Tourismus fließt auch weniger Geld. Die Wärmewende besteht nur noch auf dem Papier. Die Stadt Marbach hat zuletzt ein dickes Sparpaket geschnürt, das kaum einen Bereich verschont hat. Und das soll noch nicht das letzte Wort sein, um die finanzielle Notlage in den Griff zu bekommen. Umso vehementer meldeten sich zuletzt im Gemeinderat die Kritiker der gemeinsamen Gartenschau mit Benningen im Jahr 2033 zu Wort. Dafür sei schlicht kein Geld übrig, monieren sie.

 

Der Marbacher Bürgermeister Jan Trost und sein Benninger Amtskollege Klaus Warthon lassen sich von den lauter werdenden Unkenrufen aber nicht von ihrem Kurs abbringen. Die Rathauschefs erneuern im Gegenteil bei einem Pressegespräch sogar ihren Treueschwur. „Viele der Projekte würden wir auch unabhängig von der Gartenschau machen. In dem Gesamtkonstrukt stecken Stadtentwicklungsprozesse drin. Es wäre eher töricht, das jetzt aufzugeben“, sagt Warthon. Und über das Grünevent habe man bei der Umsetzung die Aussicht, 50 Prozent der Kosten über Fördermittel wieder hereinzuholen, sekundiert Trost. „So günstig werden wir nie wieder investieren können“, betonte er.

Die großen Ausgaben stehen 2029 an

Die Flächen am Neckar spielen eine große Rolle bei der Gartenschau. Zum Beispiel soll auf Benninger Seite ein Wasserspielplatz entstehen. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Bleibt allerdings die Frage, wo die andere Hälfte herkommen soll, wenn im Haushalt tiefe Lücken klaffen. Die Antwort der Bürgermeister darauf sieht so aus, dass sie zum einen die eigenen Hausaufgaben machen und den Etat in ihren Kommunen konsolidieren wollen. Zum anderen sind Warthon und Trost zuversichtlich, dass Berlin die richtigen Knöpfe drückt, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen – sodass die Lage 2029 schon wieder rosiger ausschaut. Also just dann, wenn für die Gartenschau die großen Ausgaben anstehen.

Der Marbacher Bürgermeister gibt zu bedenken, dass man „einen Mehrwert für die Bevölkerung schafft“. Zum Beispiel durch die geplante grüne Lunge, die sich von der Schillerhöhe bis zur Poppenweiler Straße beim Schulzentrum ziehen soll. Oder eine zweite Brücke über den Neckar. „Das wird immer wieder gefordert. Die jetzige Brücke ist sehr schmal und überlastet. Wenn sich Fußgänger und Radfahrer begegnen, gibt es immer wieder Konflikte“, erklärt Trost.

Bessere Anbindung der Altstadt vom Neckar aus als Ziel

Beides gehört für ihn auch zu den Herzensprojekten, die bei ihm persönlich auf der Gartenschau-Agenda ganz oben stehen und aus seiner Sicht unverrückbar sind. Darüber hinaus legt er Wert auf eine bessere Anbindung des Neckars an die Altstadt bei der Oehler-Kreuzung. „Damit man dort vernünftig hoch und runter kommt“, erklärt Trost. Wichtig ist ihm zudem, auch von EgeTrans zu Fuß auf angenehme Weise nach oben zur Schillerhöhe zu gelangen. Aktuell gibt es dort nur einen steilen Trampelpfad.

Der Benninger Bürgermeister Klaus Warthon erhofft sich eine bessere Wegeführung im Neckartal für Fußgänger durch die Gartenschau. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Für seinen Benninger Kollegen Klaus Warthon ist die zweite Neckarquerung ebenfalls gesetzt. Zudem zählen für ihn zu den quasi unverzichtbaren Elementen die Schaffung von Auenlandschaften und einem Wasserspielplatz am Neckar. Zudem müssten die Wegeführungen im Neckartal überdacht werden. „Da kann man im Moment kaum spazieren gehen. Das ist wie eine Fahrradautobahn“, sagt er. Zudem brauche es eine bessere Anbindung hinauf zum landschaftlich wunderbaren Gebiet Bürg, wo über einen Römerpark die Erinnerung an das frühere antike Kastell an dieser Stelle hochgehalten werden soll.

All diese Projekte und noch andere mehr sind in grober Form in einem Rahmenplan umrissen. Auf der Basis wird ein Wettbewerb für Planungsbüros ausgeschrieben, die detaillierte Konzepte entwickeln können. 2027 sollen die Ergebnisse feststehen. „Dann wird man die einzelnen Bausteine haben, die mit einer Hausnummer finanzieller Art hinterlegt sein werden“, erklärt Jan Trost. Die Gemeinderäte müssten in der Folge entscheiden, was davon tatsächlich realisiert werden soll. „Und dann muss man auch ausschreiben und bauen“, ergänzt Klaus Warthon.