In einigen Tübinger Grundschulen ist das Schulessen mittlerweile zu einem emotionalen Thema geworden (Symbolbild). Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die Firma „Tress-Brüder“ liefert Bio-Essen an Tübinger Schulen – doch viele Kinder sind unzufrieden. Was ihnen am neuen Schulmenü nicht schmeckt.

„Ich bin gerade intensiv unterwegs an den Schulen“, sagt Dominik Tress, Geschäftsführer des Familienunternehmens aus Hayingen. „Die Kommunikation ist uns sehr wichtig.“ Die Qualität der Speisen werde als sehr gut bewertet, so Tress, doch die Firma habe einen entscheidenden Fehler gemacht: „Das von uns gelieferte Essen war am Anfang einfach zu exotisch, zu wenig kindgerecht“, sagt Tress in einem Gespräch mit der „Südwest Presse“.

 

Und das sorgt an Tübinger Schulen für Gesprächsstoff. Seit Beginn des neuen Schuljahrs beliefert die Firma Tress täglich 18 Grundschulen sowie drei Mensen der weiterführenden Schulen in Tübingen mit dem Bio-Essen. Der Vertrag läuft zwei Jahre, mit Option auf Verlängerung. Bevor das Essen auf den Tellern landet, wird es in der Hayinger Großküche zu etwa 80 Prozent vorgegart und anschließend heruntergekühlt. Fertig gegart wird es dann in den Mensen vor Ort.

Zur Philosophie von Tress gehört nach eigener Aussage der „Bio-Genuss“. Dem Unternehmen liege daran, „dass Kinder so früh wie möglich mit genussvoller Bio-Küche in Kontakt kommen“. Die Gerichte seien alle „saisonal und werden von Bio-Sternekoch Simon Tress entwickelt“.

Abläufe sollen besser werden

Die Abläufe vor Ort müssten sich auch erst einmal einspielen, so Tress. Von der SchülerMitVerantwortung (SMV) der Gymnasien in der Uhlandstraße gab es deswegen schon Kritik: Die Schlangen in der Mensa seien zu lang, da es beim Mittagessen nur eine Kasse gibt. Tress hat nun einen Schulungsmitarbeiter beauftragt, der in der Mensa Uhlandstraße stationiert ist und der die Abläufe an den verschiedenen Standorten in Tübingen optimieren soll. Anne Gaißer, Schulleiterin des Wildermuth-Gymnasiums, hält es für wichtig, dass das Angebot bei den Schülern gut ankommt: „Die Mensa ist ein wichtiger Bestandteil des Ganztagsprogramms.“

In einigen Tübinger Grundschulen ist das Schulessen mittlerweile zu einem emotionalen Thema geworden. Das bestätigt auch Thomas Schmitt, Vorsitzender für den Gesamtelternbeirat der Tübinger Schulen sowie Beiratsvorsitzender an der Dorfackerschule Lustnau, im Gespräch mit der SWP. An der Dorfackerschule, so Schmitt, hätten die Schüler aus Unzufriedenheit mittlerweile selbst die Initiative ergriffen und Unterschriften gesammelt. Sie fordern, das „alte“ Schulessen zurück, das bis Ende des vergangenen Schuljahres von der Firma Stollsteimer aus Stuttgart geliefert wurde.

Geschäftsführer Dominik Tress will auf „kindgerechtere Kost“ umstellen. Foto: Tress-Brüder

Schmitt findet die Eigeninitiative der Schülerinnen und Schüler an sich etwas toll, man müsse jedoch auch bedenken: „Es sind Grundschüler.“ Auch am alten Essen habe es des Öfteren Kritik gegeben. Zusätzlich habe sich eine gewisse Gruppendynamik entwickelt, so Schmitt: „Wenn ein paar Kindern das Essen nicht schmeckt, dann stimmen die anderen mit ein.“

Und damit ist noch nicht Schluss: „Die Eltern nehmen das natürlich auf.“ In der Folge habe es viele negative Rückmeldungen von Eltern gegeben, die nachmittags ein hungriges und somit schlecht gelauntes Kind in Empfang nehmen müssten. Manchen Eltern sei es mittlerweile sogar egal, ob das Essen bio sei oder nicht. Der Vater eines Erstklässlers der Lindenbrunnenschule (Grundschule Innenstadt) hat ebenfalls gehört, dass es dort vielen Kindern nicht schmeckt. Auch dort wurden Unterschriften von Drittklässlern gesammelt. Sein Sohn habe selbst zwar nicht unterschrieben, aber so ganz glücklich ist er mit dem Angebot trotzdem nicht, zudem auch mit dem neuen Schuljahr der Nachtisch weggefallen ist.

Dominik Tress weiß, dass der Nachtisch ein großes Thema ist. „Wir wollen den Pudding wieder“, haben ihm einige Grundschulkinder bei einem seiner Besuche gesagt. Die Stadt hatte den Nachtisch gestrichen, da sich zahlreiche Eltern gewünscht hatten, dass der Einsatz von zugesetztem Zucker minimiert wird. Auch Stollsteimer hatte Pudding im Programm, es gab aber auch Obst. Derzeit liefert Tress gar keinen Nachtisch. „Die Kinder haben somit kein Sicherheitsgericht hinten raus“, sagt Tress. „Und die Eltern sind dann wiederum frustriert, wenn die Kinder hungrig sind.“ Die Grundschulen haben zwar die Möglichkeit, Obst über das „Schulfrucht-Programm“ zu beziehen, „aber die Mengen reichen hinten und vorne nicht“, betont Schmitt.

Nach den vielen negativen Rückmeldungen wollte Schmitt sich selbst von der Qualität des Essens überzeugen. „Ich möchte den Eltern eine persönliche Rückmeldung gegen können.“ Doch seine Anfrage wurde abgelehnt. Von Seiten der Stadt hieß es, er könne in der Dorfackerschule nicht am Mittagstisch teilnehmen. Lediglich in der Mensa-Uhlandstraße sei dies möglich. Das Problem an der Sache: Die Grundschüler und die der weiterführenden Schulen bekommen nicht das gleiche Essen. Das bestätigt auch Dominik Tress auf Nachfrage. Zudem, fügt Schmitt hinzu, werde das Essen an jedem Standort anders aufbereitet. Dann könne es in der Dorfackerschule vielleicht verkocht sein, während es an einer anderen Schule gut sei.

Schmitt möchte mit Tress im Gespräch bleiben. Für Ende November hat er die „Tress-Brüder“ zu einer Gesamtelternbeiratssitzung eingeladen. Der Lieferant hat zugesagt. „Der Prozess ist am Laufen“, bestätigt Schmitt. „Unsere Speisepläne werden künftig auf kindgerechtere Kost umgestellt“ heißt es auch von Seiten des Unternehmens. „Das wird aber etwas Zeit brauchen“, ergänzt Tress. Schmitt wünscht sich, dass jetzt auch die Eltern aktiv werden und die Kinder ermutigen, das Essen weiterhin zu probieren.