107 498 Baden-Württemberger sind 2016 auf die Welt gekommen. Das sind 7,2 Prozent mehr als 2015. Foto: dpa-Zentralbild

Erstmals seit 2005 gab es wieder mehr Geburten als Todesfälle. Zum fünften Mal in Folge sind 2016 mehr Kinder geboren als im Jahr zuvor. Die Entwicklung überrascht auch Statistiker.

Stuttgart - Erstmals seit 2005 sind in Baden-Württemberg wieder mehr Kinder lebend geboren worden als Menschen gestorben. Das hat das Statistische Landesamt mitgeteilt. Der Geburtenüberschuss im vergangenen Jahr lag bei 800. Im Jahr zuvor hatte es noch ein kräftiges Defizit gegeben. Da starben 7797 Menschen mehr als Babys lebend geboren wurden.

Die Entwicklung ist in vielen Gegenden zu beobachten. In 19 der 44 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg gab es 2016 einen Geburtenüberschuss. 2015 waren es nur acht Kreise gewesen. Insgesamt kamen 2016 immerhin 107 498 Baden-Württemberger zur Welt, das sind gut 7200 (7,2 Prozent) mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Lebendgeborenen im Land ist damit zum fünften Mal in Folge gestiegen. Seit Ende der 90er Jahre waren die Geburtenzahl Jahr für Jahr geschrumpft.

Die Trendumkehr überrascht auch die Experten. „Ich hätte das nicht für möglich gehalten“, sagt Werner Brachat-Schwarz vom Statistischen Landesamt. Die Statistiker machen für diese Entwicklung mehrere Ursachen aus. Ein Hauptfaktor sei die Zuwanderung von Flüchtlingen, aber auch aus Rumänien, Polen, Ungarn, Spanien oder Portugal. „Ausländische Frauen bekommen mehr Kinder als Deutsche“, sagt Brachat-Schwarz, auch wenn sich die Verhältnisse angeglichen hätten.

„Ausländische Frauen bekommen mehr Kinder als Deutsche“

Statistisch betrachtet bekamen 1990 ausländische Frauen 2,14 und Deutsche 1,4 Kinder. 2015 brachten ausländische Frauen noch 1,79, deutsche Frauen 1,45 Kinder zur Welt. Die durchschnittliche Geburtenrate lag damit insgesamt bei 1,51 Kindern, so hoch wie zuletzt 1980. Hinzu komme, dass vor allem Jüngere zu uns kämen, so Brachat-Schwarz, so dass auch die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter gestiegen sei. Außerdem werden die einstigen Babyboomer nun ebenso zahlreich zu Großeltern: Ihre Kinder bekommen Nachwuchs. Schließlich sorge auch die starke wirtschaftliche Lage und die Verbesserungen bei der Kinderbetreuung dafür, dass anhaltend mehr Kinder geboren werden.

Die Babyboomer werden Oma und Opa

Beim Geburtensaldo führt Stuttgart mit einem Plus von 1591 das Ranking an, gefolgt von den Kreisen Böblingen (743), Freiburg (730), Ludwigsburg (601) und Tübingen (411). Der Kreis Esslingen (261) gehört auf Platz acht zu den Top Ten. Das liege daran, dass es die jungen Zuwanderer vor allem in die prosperierenden Städte ziehe, erklärt Brachat-Schwarz. Bei der Geburtenrate liegt Stuttgart aber landesweit auf dem vorletzten Platz. Das höchste Geburtendefizit gab es im Zollernalbkreis (-491), Rhein-Neckar-Kreis (-480) und dem Kreis Karlsruhe (-415). In der Region Stuttgart fällt das Saldo in den Kreisen Rems-Murr (-58) und Göppingen (-251) negativ aus.

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