Einsam ist anders: Die Trollszunge in Norwegen ist ein begehrter Hotspot geworden. Foto: Photothek

Outdoor-Urlaub ist zu einem enormen Trend geworden. Die Urlauber, die aus überfüllten Städten flüchten, sorgen für Trubel im Wald und auf den Bergen. Doch es gibt noch Platz.

Stuttgart - Dass der Markusplatz in Venedig ein überfüllter Tourismus-Ort ist – das ist hinlänglich bekannt. Aber auch am Ziel eines anstrengenden Weges, der hin und zurück über 27 Kilometer lang ist und 1000 Höhenmeter hat, muss man damit rechnen, nicht ganz allein zu sein.

Am Ende dieses beschwerlichen Weges wartet über dem norwegischen See Ringedalsvatnet eine schmale lang gestreckte Felskanzel, die frei über dem Abgrund schwebende Trolltunga. Zu dieser Trollszunge wanderten vor zehn Jahren, so heißt es, maximal 100 Leute. In dieser Saison sollen es rund 100 000 gewesen sein. In Instagram-Zeiten ist die Trolltunga ein Must-have geworden – und ein Beispiel für den Outdoor-Boom, der zu einem Megatrend in der Reise-Branche geworden ist.

So hatte sich das Henry David Thoreau sicher nicht vorgestellt, als er sich im Jahr 1845 in die Einsamkeit der Wälder am See Walden Pond zurückzog. Aber er befeuerte die Sehnsucht nach Zivilisationsflucht. Dass der Titel seines Buches „Walden“ mittlerweile sogar zum Namen einer Outdoor-Zeitschrift gewählt wurde, zeigt: Der Weg in die Natur ist eine Massenbewegung geworden.

Ein Phänomen unserer Zeit

Outdoor ist nicht gerade ein präziser Begriff, und so variieren die Statistiken. Aber sie stimmen im Kern überein: Outdoor ist ein überragendes Phänomen unserer Zeit, überall weisen die Zahlen nach oben. Zum Beispiel bei den Skitouren. Ein nicht ungefährlicher Sport, der schon gehobenes Können auf den Brettern und eine ebenso gehobene Kondition voraussetzt – ein Sport, der wegen seiner vielen Anforderungen als eine alpinistische Königsdisziplin gilt. War früher eher etwas für die ganz Harten – schon Ernest Hemingway hat seinen Spaß dran gehabt –, heute frönen Hunderttausende dieser Leidenschaft.

Die größte Hürde ist manchmal schon: einen freien Parkplatz am Ausgangspunkt zu finden. Überhaupt der Bergsport. Klettern zum Beispiel. War früher eher etwas für wagemutige Aussteiger (etliche Pioniere waren arbeitslos und abgebrannt) – heute ist Klettern, vor allem in seiner angesagtesten Variante Bouldern, ausgesprochen hip. Und zeigt ganz schön die Veränderungen, die das mit sich gebracht hat.

Zum Beispiel Alpin-Stars, die Hallen mit ihren Vorträgen füllen und auf die olympische Kletter-Premiere schielen, die sie zu Superstars machen kann. Und die als Vorbilder den Outdoor-Markt anheizen, der satte Umsätze macht – knapp zwölf Milliarden Euro sollen es zuletzt europaweit gewesen sein, Deutschland ist mit zwei Milliarden dabei. Solche Outdoor-Stars schreiben heute die modernen Heldengeschichten. Athleten, die ohne Sicherung durch schwierigste Feldwände klettern, auf Skiern sich in steilsten Flanken ein Wettrennen mit Lawinen liefern, sich im Kajak Wasserfälle und Schluchten voller Strudel heruntertreiben lassen, Kontinente oder Eiswüsten durchwandern.

Harz statt Himalaja

Guckt man dann aber wieder auf die Statistik, dann sagt die, dass zwar 30 000 Urlauber im nepalesischen Himalaja waren, aber 1,2 Millionen im Harz. Also: Outdoor spielt sich vor allem in der näheren Umgebung ab, oft schon vor der Haustür. Und ist vom Risiko her in der Regel höchstens mit Muskelkater oder Mückenstichen behaftet.

Es geht meistens um Geselligkeit, Spaß, Gesundheit, Entspannung. Outdoor als Aktivität für jeden und jede. Und dieser Wunsch, draußen etwas zu erleben, hat ein sehr großes Angebot ent­stehen lassen: an gut ausgeschilderten und abwechslungsreichen Wanderwegen, Schneeschuhtrails, Mountainbike-Routen, Radwegen, Winterwanderwegen, Kanugewässern, Klettersteigen und, und, und. Manchmal darf man da nicht zu spät kommen: Berghütten sind oft schon zu Saisonbeginn komplett für das ganze Jahr ausgebucht. Ja, der Outdoor-Boom ist auch eine Massenbewegung. Na und? Ist doch auch ein Zeichen von Erlebnis-Demokratie: Die Natur steht jedem offen. Und sie hat abseits von Hotspots wie der Trolltunga noch viel Platz.

Outdoor auch auf der CMT

Über 2200 Aussteller aus 100 Ländern präsentieren sich bei der diesjährigen CMT, die vom 12. bis zum 20. Januar 2019 in der Messe Stuttgart stattfindet. Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr, samstags und sonntags 9–18 Uhr. Der Eintritt kostet 13 Euro (online) bzw. 15 Euro (vor Ort), ermäßigt 11/12 Euro, jeweils inklusive VVS. www.messe-stuttgart.de/cmt

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