Tanzen in der Sporthalle? Eric Gauthier macht es möglich Foto: gd/Jeanette Bak

Die Profis aus der Kultur machen immer mehr Angebote direkt in den Schulen. Ist das ein Schaulaufen oder schlicht notwendig?

In ihren Jahren als Bildungsbürgermeisterin in Stuttgart hatte die spätere baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ein ehrgeiziges Ziel: Über das Programm Kooperation Schule und Verein sollte der Vereinssport mit direkten Angeboten in den Schulen seinen Teil zum Gelingen der Ganztagsschule beitragen.

 

Im Sport erfüllten sich nicht alle Hoffnungen

Ein wirkliches Erfolgsmodell ist dies nicht geworden – viele Vereine zeigten sich schlicht überfordert zu Schulzeiten (zusätzliche) Angebote zu schaffen. Zu selten erfüllten sich zudem die Hoffnungen, die Vereine könnten über die Kooperationen neue Mitglieder gewinnen.

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Wiederholt sich die Geschichte? Das ist der Kultur als aktuellem Hoffnungsträger bei der Suche nach Überraschungsmomenten im schulischen Ganztag nicht zu wünschen. Tatsache ist: Immer mehr Kultureinrichtungen in Baden-Württemberg begnügen sich nicht mehr damit, in den eigenen Räumen hoch spezialisierte Angebote für möglich viele unterschiedliche Zielgruppen zu machen, sondern agieren direkt in den Schulen.

Nicht in der Museumswerkstatt wird hier gearbeitet, sondern in der Schule Foto: km

Vorreiter waren die Theater, und auch manches kleinere Ensemble aus der Klassischen Musik packte seine Instrumente schon vor Jahren in der Schule aus. Nun kommen in der Landeshauptstadt prominente Mitspieler dazu. Das Kunstmuseum Stuttgart schickt mit dem KuBUS ein rollendes Atelier von Schultür zu Schultür – und Eric Gauthiers dauermobiles Ensemble Gauthier Dance bekommt mit den Gauthier Dance Juniors junge Tänzerinnen und Tänzer hinzu, die in den Schulen als Türöffner für den Tanz an sich wirken sollen.

Staatstheater Stuttgart seit Jahren aktiv

Wie intensiv diese Arbeit ist, spüren das Stuttgarter Ballett, die Oper Stuttgart und das Schauspiel Stuttgart seit mehr als zehn Jahren – alle drei Sparten des Staatstheaters Stuttgart agieren auch im Klassenzimmer.

Was steckt dahinter?

Kultur macht Schule – das ist inzwischen selbstverständlich. Aber warum eigentlich? Haben all diese Angebote nicht zuvorderst politische Bedeutung? Für die Kultureinrichtungen als Absicherung ihrer gesellschaftlichen Rolle? Für die Schulen als Beruhigung manch aufgeregter Eltern, Kunst und Kultur käme in den Stundentafeln kaum vor?

Kein Ersatz für schulischen Unterricht

Hier kann Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) dagegenhalten. Bereits 2016 hat das Land die Fächer Musik und Bildende Kunst wieder in den Bildungsplan für die Grundschule aufgenommen. Gerne auch verweist das Land auf das doppelstufige Programm „Kulturschule Baden-Württemberg“. Geht es an der Basis um den Kontakt zu Künstlerinnen und Künstlern, können in der Sache engagierte Schulen auch „Kulturschule“ werden.

Theresa Schopper ist Kultusministerin in Baden-Württemberg Foto: dpa

Auch was die Landesregierung nicht will, macht Theresa Schopper deutlich: „Die schulischen Angebote in Kooperation mit außerschulischen Partnern können den Unterricht mit ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern nicht ersetzen.“

Weniger Schranken in der Schule?

Der Sport in Baden-Württemberg hat seinen eigenen (Schul-)Weg gefunden – allen voran mit Grundschulaktionstagen. Und die Kultur? Wird von den Schulen einerseits heftigst nachgefragt. Und ahnt andererseits, dass sie sich künftig mehr denn je für ihre überwiegend öffentliche Förderung rechtfertigen muss. Stuttgarts Kunstmuseumsdirektorin Ulrike Groos verweist hier zurecht auf die Bedeutung der Schule im Leben der Kinder. Nur in den Bildungseinrichtungen direkt könne es der Kultur gelingen, Schranken der Herkunft zu überwinden.

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Die Kooperationen? Sind schlicht in beiderseitigem Interesse. Kultur macht Schule. Immer häufiger, immer professioneller. Ein echter Mehrwert für die Schülerinnen und Schüler. Nicht nur im Ganztag.