Nicht nur beim Jägerlatein erweisen sich die Weidmänner als Aufschneider: Hier nehmen sie ein Wildschwein aus. Foto: Götz Schultheiss

Mitte der Woche war in einem Wald bei Filderstadt seit Langem mal wieder eine Treibjagd. Die Jäger haben zehn Rehe und sieben Wildschweine geschossen. Der Wald war abgesperrt.

Filderstadt - In Filderstadt waren Wildschweine Mitte dieser Woche arme Säue, denn sie mussten sterben – durch Jägerhand. Gegen 13 Uhr kamen am Mittwoch die Schweineleichen auf einem Pickup zum Forsthof auf dem Plattenhardter Weilerhau. Dort wärmten sich die ersten Revierjäger mit Glühwein und Punsch. Einige von ihnen, darunter gelernte Metzger, hängten die Tiere an einem Stangengerüst auf, um die Innereien herauszunehmen. „Wir haben sieben Wildschweine und zehn Rehe geschossen. Die Rehe haben wir erlegt, weil zu viele von ihnen die Schösslinge der nachwachsenden Bäume kaputtbeißen. Das ist eine gute Bilanz, und wir sind zufrieden“, sagt der Jagdleiter, der seinen Namen nicht in der Presse lesen will, weil Jäger gerade bei Tierschützern nicht hoch im Kurs stünden.

Tierschutzaktivsten wurden hinausbegleitet

Eine kleine Gruppe von Tierschutzaktivisten habe sich als Spaziergänger ausgegeben und sich trotz Verbots in der Nähe des Bärensees im Jagdbereich aufgehalten, um das Treiben der Jäger zu stören. „Wir haben sie mit Polizeibeamten wieder aus dem Gebiet hinausbegleitet. Alles verlief friedlich“, sagt Filderstadts Ordnungsamtsleiter Jan-Stefan Blessing, der den Jägern einen Besuch abstattete.

Es war die erste Drückjagd, umgangssprachlich Treibjagd genannt, seit langer Zeit. „Das hat es schon früher gegeben, aber man musste das einschlafen lassen“, sagt der Jagdleiter. Er kennt aber die Gegebenheiten vor Ort, er stammt aus der Umgebung. Rund 50 Wildschweine, so schätzt er, würden im Weilerhau hausen. Diese sind keineswegs auf der Durchreise, sie leben dort dauerhaft, weil sie in dem Gebiet sonst eigentlich nichts zu befürchten haben. Zudem ist das Nahrungsangebot groß, es gibt Bucheckern und Eicheln. Die Häuser am Waldrand verfügen meist über Komposthaufen. Und auch die Streuobstwiesen wirken wie ein Magnet.

Hohe Wildschwein-Population in Filderstadt

Das bestätigt die Stadt. „Wir haben inzwischen eine sehr hohe Wildschwein-Population“, sagt der Bürgermeister Reinhard Molt, der unter anderem für das Ordnungsamt zuständig ist, welches die Drückjagd genehmigt hat. „Sie haben bei uns, mal abgesehen vom Auto, keine Feinde.“ Durch ihre Zunahme „entstehen große Schäden“, so Molt. „Da geht es nicht nur um umgegrabene Wiesen. Da geht es auch um die Maisfelder der Landwirte.“ Gerade auch vonseiten der Landwirtschaft sei deshalb die Bitte an ihn herangetragen worden, etwas zu unternehmen.

Erste Gespräche zwischen Stadt und den für das Gebiet Weilerhau zuständigen Jagdpächtern wurden nach der Sommerpause vergangenes Jahr geführt. Eine Drückjagd schien deshalb angebracht, weil sich die Schweine zum einen inzwischen an den Menschen gewöhnt haben und sich auch nicht von Joggern oder Spaziergängern mit Hunden vertreiben lassen. Und zum anderen ist die herkömmliche Jagd fast unmöglich geworden, eben weil dort so viele Menschen unterwegs sind, auch schon in den frühen Morgenstunden, und Jäger nicht schießen können, wenn die Gefahr besteht, mit einem Querschläger jemanden zu verletzen.

Geschossen wurde zwischen 8 und 12 Uhr

Auch aus diesem Grund stand die Sicherheit ganz oben. So wurde der Wald, der sich immerhin auf einer Fläche von rund einem auf zwei Kilometer erstreckt, abgesperrt. „An allen Zugängen gab es Absperrungen mit Flatterband und Hinweisschildern“, sagt Molt. Wo nötig stand auch Personal bereit, um Jogger und Spaziergänger abzuweisen. Zudem waren städtische Mitarbeiter vor Ort, um die Jagd zu beobachten. Dabei ging es auch um die strikte Einhaltung der zeitlichen Vorgaben. Von 7 Uhr an durfte niemand mehr im Wald unterwegs sein. Geschossen wurde dann zwischen 8 und 12 Uhr.

Ob der Bevölkerungsdichte auf der Filderebene war es dem Jagdleiter wichtig, die Schützen sorgsam auszuwählen. „Das sind alles routinierte Jäger“, sagt er. Insgesamt hatten sich circa 25 Schützen auf 14 eigens zu diesem Zweck gebauten Hochständen auf die Pirsch gelegt, „damit der Jäger nach unten zielt und in den Boden schießt“. Unterstützt wurden sie von gut 20 Treibern, die in zwei Gruppen aufgeteilt mit ihren Hunden die Wildschweine aufscheuchten und den Jägern vor die Büchsen trieben.

„Wir haben die Jagd traditionell mit Jagdhornbläsern eröffnet und danach alle Teilnehmer nochmals für das Thema Sicherheit sensibilisiert. Wir sind froh, dass alles gut gelaufen ist“, bilanziert der Jagdleiter. Was passiert aber mit den armen Schweinen und Rehen? „Die Innereien werden entsorgt, und die Tiere werden, nachdem sie auf Trichinen untersucht wurden, vermarktet und vor allem an Gaststätten geliefert“, sagt der Jagdleiter.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: