Der Ortsteil Breitenstein von Weil im Schönbuch wartet mit einer neuen Attraktion auf. Ein Bücherschrank in einer umgebauten Telefonzelle lädt zum Zugriff ein.
Rechtzeitig vor dem „Welttag des Buches“ am kommenden Samstag, 23. April, ist das Breitensteiner „Bücherhäusle“ offiziell übergeben worden.
„Mit unserem Projekt sind wir wieder mal der Zeit voraus in Breitenstein“, erklärte deshalb stolz Ortsvorsteher Thomas Müller bei der offiziellen Übergabe des Bücherhäusles in der Gasse „Im Höfle“. In einer ausgedienten und liebevoll hergerichteten Telefonzelle können große und kleine Leseratten gleich neben dem Rathaus neuerdings Lesestoff mitnehmen und im selben Zuge gleich neuen vorbeibringen. Ein Austausch von Büchern und gleichzeitig ein Stück Gemeinschaft“, urteilt Weil im Schönbuchs Bürgermeister Wolfgang Lahl und ist voll des Lobes für die Initiative.
Vor vier Jahren waren keine ausgemusterten Telefonzellen mehr zu bekommen
Die Idee zum Projekt entstand vor über vier Jahren in der Bürgerschaft. „Aber damals waren keine ausgemusterten Telefonzellen zu bekommen“, erzählt Initiatorin Gerda Vayhinger-Koegst, die mit Ortsbücherei-Leiterin Martina Koehler und deren Mann Thomas sofort engagierte Mitstreiter fand. Als es dann 2020 bei einem Verwerter auf den Fildern schließlich doch alte Zellen gab, waren auch Ortsvorsteher, Ortschaftsrat und Bürgermeister sofort begeistert.
Fotovoltaik auf dem Dach sorgt für Licht die ganze Nacht über
Die erworbene Telefonzelle kam zum Weiler Bauhof, wurde dort generalüberholt und optisch aufgearbeitet – regelrecht aufgemöbelt, könnte man sagen. Verschiedene ortsansässige Betriebe konnten für den Innenausbau und die Außengestaltung gewonnen werden, das passende Logo entwarf Jana Koegst. Außerdem installierte der gelernte Maschinenschlosser Thomas Koehler auf dem Dach eine kleine Fotovoltaikanlage für die Innenbeleuchtung. Die geht bei Dämmerlicht automatisch an, so dass das neue Bücherhäusle sieben Tage die Woche rund um die Uhr und natürlich kostenlos nutzbar ist.
Wer ein Buch entnimmt, stellt auch wieder eines hinein
Blieb die Grundausstattung mit Büchern. Doch dafür hatten Gerda Vayhinger-Koegst, Martina Koehler und andere Mitstreiter rechtzeitig angefangen zu sammeln. Gefordert waren wie beim nun angelaufenen Büchertausch nach dem Motto „Bücher hin und mit“ – wer etwas entnimmt, lässt auch wieder etwas da – gut erhaltene, möglichst aktuelle Bücher und gerne auch Zeitschriften, CDs und DVDs für jedes Alter. Nicht gefragt sind dagegen kaputte Bücher, Nachschlagewerke oder veraltete Ratgeber, religiöse und politische Werke sowie kinder- und jugendgefährdende Schriften.
Der Anfangsbestand ist inzwischen komplett ausgetauscht
„Nimm, was dir gefällt“ ist der Leitsatz und es funktioniert. Mittlerweile sei fast der komplette Anfangsliteraturbestand schon einmal ausgetauscht, berichtet Gerda Vayhinger-Koegst, die ein ehrenamtliches Team zur Betreuung des Breitensteiner Bücherhäusles um sich geschart hat.
Apropos: Das Häusle ist trotzdem immer noch als Telefonzelle erkennbar und knüpft damit auch an alte Traditionen an. „Bis in die 1980er-Jahre gab es direkt rechts vom Rathaus eine Zelle“, erinnert sich der Ortsvorsteher an eigene Jugendzeiten mit manchmal vor den Eltern lieber geheim zu haltenden Anrufen zurück. Damals fanden sich darin aber nur Telefonbücher – sicher kein so toller und spannender Lesestoff wie heute.