Wohin steuert das Autoland? Podiumsdiskussion in der Liederhalle mit StN-Autor Klaus Köster , IG Metall Bezirksleiter Roman Zitzelsberger, Bosch-Chef Volkmar Denner, Verkehrsminister Winfried Hermann und StN-Chefredakteur Christoph Reisinger. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Beim Treffpunkt Foyer unserer Zeitung, moniert Bosch-Chef Volkmar Denner am Dienstagabend, dass die Politik zu sehr auf das E-Auto setze. Verkehrsminister Winfried Hermann warnt dagegen davor, den Wandel zu verschlafen.

Stuttgart - Bosch-Chef Volkmar Denner warnt die Politik davor, angesichts drohender Fahrverbote in deutschen Innenstädten den Verbrennungsmotor zum Auslaufmodell zu erklären. „Das halte ich für fahrlässig“, sagte er beim Treffpunkt Foyer unserer Zeitung, das von Chefredakteur Christoph Reisinger und Autor Klaus Köster moderiert wurde. Die Luftqualität in Stuttgart habe sich auch dank moderner Technik deutlich verbessert. „Es wäre doch ein Wahnsinn, jetzt eine Technologie tot zu machen, wo wir so kurz vor einer Lösung des Problems sind“, sagte Denner am Dienstagabend vor rund 600 Gästen in der Stuttgarter Liederhalle.

Auch IG-Metall-Landeschef Roman Zitzelsberger warnte die Politik davor, das Elektroauto vorschnell zum alleinigen Fortbewegungsmittel der Zukunft zu erklären. Im Moment habe man zum Beispiel noch gar nicht die entsprechende Infrastruktur zum Aufladen der Fahrzeuge, sagte er.

Hermann erlebt Automobilindustrie als „bremsend“

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) forderte von der deutschen Automobilindustrie mehr Tempo beim Entwickeln wettbewerbsfähiger Batteriefahrzeuge. Wenn Deutschland den weltweiten Trend in Richtung Elektromobilität verschlafe, gingen gerade in Baden-Württemberg viele Arbeitsplätze verloren, warnte er. „Ich habe die Befürchtung, dass wir zu langsam sind“, so Hermann. Er erlebe die Automobilindustrie, was die Luftreinhaltung angehe, „eher als bremsend“. Es heiße oft, das könne man nicht. Von einem Technologiekonzern wie Bosch erwarte er, „dass er sagt: Das können wir.“ Denner und auch Zitzelsberger forderten hingegen Zeit, um den Übergang zu gestalten.

Im Übrigen ist laut Bosch-Chef Denner noch längst nicht ausgemacht, dass das Elektroauto im Wettstreit der verschiedenen Technologien das Rennen machen wird. Die Verbrennungsmotoren würden in Zukunft noch sparsamer und sauberer, außerdem sei der Einsatz künstlicher Kraftstoffe denkbar.

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