Gemeinsam sind die Narren vom Marktplatz zum Kursaal gezogen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Hästräger aus dem ganzen Südwesten sind am Wochenende zur Hauptversammlung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte nach Bad Cannstatt gekommen. Die Goldene Narrenschelle wurde an ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke verliehen.

Stuttgart - Auch wenn es bis zum schmotzigen Donnerstag am 12. Februar noch etwas hin ist, waren in Bad Cannstatt am Wochenende mehrere hundert Narren unterwegs. Der Brunnengeist wurde erweckt, das Rathaus gestürmt und das Kübelesrennen nachgestellt. Dieser Streifzug durch die Cannstatter Küblerfasnet, aufgeführt von den Mitgliedern des Kübelesmarktes, war für die Augen eines Fachpublikums. Denn auf dem Marktplatz versammelten sich am Samstagabend Narren aus dem ganzen Südwesten der Republik aus Anlass der Hauptversammlung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte.

Rund 700 Narren sind nach Bad Cannstatt gekommen

Der Kübelesmarkt ist eines von 68 Mitgliedern der ältesten Vereinigung von Narrenzünften in Deutschland. Nicht alle 70 000 aktiven Hästräger, wie man die kostümierten Narren nennt, waren nach Bad Cannstatt gekommen. Sie hatten rund 700 Vertreter geschickt. Die Narren wurden von Oberbürgermeister Fritz Kuhn begrüßt. Eines der Hauptthemen war die erst kürzlich erfolgte Erhebung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht zum immateriellen Kulturerbe in Deutschland durch die UNESCO. Aber es gab auch närrische Auszeichnungen: Für den ausgiebigen Schwenk eines ARD-Kameramanns über die Beine der FDP-Politikerin Katja Suding bekommt der ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke die Goldene Narrenschelle.

Was die Organisation der Narrenversammlung für den Kübelesmarkt bedeutet, erklärte Panajotis Delinasakis, der Pressereferent des Vereins: 670 Hotelbetten mussten organisiert werden. Komplizierter als die Bettensuche erwies sich die Nutzung des Kursaals, wo die Veranstaltung schwerpunktmäßig stattfand. 2002 kamen die Narren zuletzt zu einer Hauptversammlung in Bad Cannstatt zusammen, auch damals entschied man sich für den Kursaal. Doch seither haben sich laut Delinasakis die Sicherheitsvorschriften verschärft, weshalb in dem Bauwerk heute weniger Menschen Platz finden als damals. „Bei anderen Hauptversammlungen sind rund 1000 Teilnehmer da“, sagte er. In Bad Cannstatt habe man die Teilnehmerzahl stärker begrenzen müssen.

Auch der Ablauf war ungewöhnlich. Während die Narren sonst meist hinter verschlossenen Türen tagen, fand ein Teil der Veranstaltung an einem öffentlichen Ort statt, auf dem Marktplatz. „Wir haben auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, sagte Delinasakis. Zum einen hätten sie den Besuchern durch die schauspielerische Darstellung der Cannstatter Küblerfasnet vor der Kulisse aus Rathaus und Stadtkirche ein besonderes Programm bieten wollen. Zum anderen hätten sie die Zeit gebraucht, um den Kursaal nach der Hauptversammlung für die Feier am Abend umzubauen.

Die Auflagen der Behörden seien zu streng

40 000 Euro hat die dreitägige Veranstaltung den Kübelesmarkt gekostet. Trotz Zuschuss von der Stadt, Eintritts- und Sponsorengeldern ist das laut Oberkübler Steffen Kauderer eine hohe Summe für den Verein. Deshalb würden sich die Narrenzünfte auch nicht um die Ausrichtung eines solchen Treffens reißen. „Das war früher anders“, sagte Kauderer. Auch Roland Wehrle, der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, betonte, dass die Veranstaltungen immer kostspieliger würden. Die Auflagen der Behörden seien zu streng, Umzüge im öffentlichen Straßenraum für die Ehrenamtlichen mit einem enormen Haftungsrisiko verbunden. In diesem Punkt setzt Wehrle auf die Erhebung der Fastnacht zum nationalen Kulturerbe. Schließlich sei damit nicht nur die Verpflichtung der Vereine verbunden, das Brauchtum zu erhalten. Die Kommunen müssten auch dafür sorgen, dass dies möglich sei. Zudem betonte der Präsident, dass das närrische Treiben ein Wirtschaftsfaktor sei. Eine Studie habe gezeigt, „14,5 Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich an der Fastnacht aus“, so Wehrle. Als Nächstes streben die Narren die Erhebung zum Weltkulturerbe an.

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