Auch der Polizist Roland Weckenmann begeistert sich für Eddi. Foto: Lichtgut/Reich

Anfang Dezember wurde ein Hund auf einer Zugtoilette ausgesetzt. Das Foto eines Polizisten mit dem Rüden, das in den sozialen Medien gepostet wurde, rührte die Menschen. Nun besuchte der Beamte Eddi im Tierheim.

Stuttgart - Berta ist schuld. Wäre sie nicht die unumstrittene Chefin im Hause von ­Roland Weckenmann, hätten all diejenigen durchaus recht behalten können, die ein Weihnachtswunder vorausgesagt hatten. Dann wäre die wunderbare Geschichte vom ausgesetzten Hund, der in seinem Retter sein neues Herrchen findet, vielleicht wahr ­geworden. So aber lässt Berta lässig die Krallen spielen und schnurrt zufrieden.

Berta, das ist die 15-jährige, aber sehr agile Katze von Roland Weckenmann. Und Roland Weckenmann, das ist der Polizeihauptkommissar der Bundespolizei, dessen Foto in den sozialen Netzwerken Begeisterungsstürme hervorrief. Das Bild zeigt ihn mit einem jungen Hund, der am 7. Dezember auf einer Zugtoilette ausgesetzt worden war: Weckenmann ist in die Knie gegangen und streichelt dem Labradormischling den Hals. Der Rüde schaut zu ihm auf – und Weckenmann blickt zurück. Glücklich. Lachend.

Schon im Zug wollten alle den Hund streicheln

Rund 50 000 Menschen lasen den Tweet der Bundespolizei. Und sprachen vom „Weihnachtswunder“ und davon, dass der Hund sein neues Herrchen schon gefunden habe. Ähnlich ging es bei einem Social-Media-Eintrag des Tierheims ab. „Ich bin sonst bei so was eher skeptisch, aber da dachte selbst ich: Die beiden, das würde passen“, sagt Petra Veiel, Pressesprecherin des Tierheims in Botnang. Dorthin – genauer gesagt auf eine Pflegestelle des Tierheims – kam der Hund, nachdem die Bundespolizei ihn am Hauptbahnhof in Stuttgart entgegengenommen hatte.

Der Beamte, der ihn im Zug abholte, war der 20-jährige Polizeikommissaranwärter Daniar Jola. Die Bundespolizei hatte die Meldung erhalten, ein Hund sei in einer verschlossenen Zugtoilette gefunden worden. „Als zwei Kollegen und ich den Hund dann am Hauptbahnhof abholten, hatte der Schaffner ihn bereits an einen anderen Ort im Zug gebracht“ sagt Jola. Auch, weil alle Fahrgäste den Hund hätten streicheln wollen. Jola kann das nachvollziehen: „Für mich war das mein bisher schönstes Erlebnis im Praktikum“, sagt der junge Mann, der sich nach seiner Ausbildung zusammen mit ­seiner Freundin einen Mops holen möchte. Petra Veiel sagt: „Ja, der Kleine ist halt ­Captain Sonnenschein.“

Die Schicht hat für das Tierheim Spenden gesammelt

Der auch das Herz von Roland Weckenmann erwärmte und eroberte. Als Dienststellenleiter wollte er sich den rund zehnmonatigen Rüden auch ansehen – und nicht zuletzt auch als Hundeliebhaber, schließlich war der 46-Jährige lange Zeit Hundeführer bei der Polizei. Der Funke sprang über: „Ich hätte ihn sofort mit nach Hause nehmen können“, sagt Weckenmann. Das sieht man dem Foto an. Aber Berta mag keine Hunde. Und sie ist nun einmal die Chefin.

Doch Weckenmann und seine Kollegen lässt das Schicksal des Hundes nicht los. „Wie kann man es übers Herz bringen, solch einen kleinen Kerl auszusetzen?“ Die Frage beschäftigt sie. Deshalb besuchen Weckenmann, Jola sowie Pressesprecher Daniel Kroh (28) den Hund im Tierheim Botnang. Die drei Beamten kommen nicht mit leeren Händen: Die Schicht habe fürs Tierheim gesammelt, sagt Weckenmann und übergibt Veiel einen Umschlag. Eine Spende, die das Tierheim gut gebrauchen kann, benötigt es doch 1,6 bis 1,8 Millionen Euro im Jahr – der größte Teil wird mit Spenden finanziert.

Alle wollen Eddi

Und dann kommt er: ein Energiebündel an purer Kraft und Lebensfreude, das alle anspringt, küsst und abschleckt. Hey, hey, hey, hier kommt Eddi! Eddi, diesen Namen erhielt der rundum gesunde Mischling im Tierheim. Die Wiedersehensfreude ist groß. Auf beiden Seiten. Es wird gekost, getobt – und Selfies werden geschossen. Eddi ist der Star.

Den alle wollen. Kroh erhielt Anrufe von Menschen, die den Hund adoptieren wollten – und weiß sogar von einem Kollegen, der sich beim Tierheim um Eddi beworben hat. Rund 25 Anfragen verzeichnete das Tierheim – wobei Veiel auf all die anderen Hunde verweist, die auch noch ein Zuhause suchen. Zu einer Bewerberin, einer „sportlichen Dame“, die anonym bleiben möchte, darf Eddi nun im neuen Jahr ziehen. „Wenn Eddi jetzt in gute Hände kommt, hat die Geschichte wirklich ein gutes Ende genommen“, sagt Weckenmann. Dann gibt es doch noch das Weihnachtswunder. Wenn auch anders als gedacht. Berta schnurrt lautstark. Und Eddi knutscht feucht zum Abschied.