Spektakulär: Viele Traktoren stellen sich bei so viel Last auf die Hinterräder. Foto: Jan Potente

Traktoren wühlen sich durch den Matsch, hinter sich ein tonnenschweres Gewicht: Der Trecker-Treck in Bittenfeld ist eine Kultveranstaltung für Tausende Besucher und rund 150 Teilnehmer.

Waiblingen - Der Böllenbodenhof bei Waiblingen-Bittenfeld ist nicht gerade der Nabel der Welt. Ringsum stehen Maisfelder, einige Pferde grasen auf der Koppel. Doch einmal im Jahr wälzen sich Autos, Fußgänger und Radfahrer über den Feldweg hierhin. Väter mit ihren kleinen Söhnen laufen zielstrebig zu dem Acker, von dem Motorengebrüll herübertönt und über dem schwarzer Dieselruß zu den Schönwetterwolken aufsteigt. „Ein Traktor – mit Anhänger!“ freut sich ein junger Technikfan.

Das ist eine Untertreibung. Es sind sehr, sehr viele Traktoren – und der Anhänger, den sie über den etwas angeweichten Acker schleifen, wiegt bis zu 18 Tonnen, je nach Startklasse. Das Ziel beim Trecker-Treck: Diesen Bremswagen so weit wie möglich zu ziehen. Der sogenannte Full Pull, also die ganzen 75 Meter bis zur Ziellinie, ist das höchste der Gefühle.

Ein Frischling schafft den ersehnten „Full Pull“.

Rund 150 Teilnehmer sind es am Sonntag, und bis zu 6000 Besucher. Manche sind schon am Samstag hergekommen. Sie sitzen jetzt auf gewaltigen Anhängern, auf mitgebrachten (und mitgenommen aussehenden) Sesseln und Strohballen, genießen ein kühles Bier – und den Anblick von aufröhrenden Treckern, die sich auf den Hinterrädern durch den Schlamm wühlen.

Ein echtes Trecker-Treck-Urgestein ist Horst Blatt, 78 Jahre alt. „I war schon beim erschda Mol dabei, vor 28 Jahra“, erzählt er. Schon damals sein treuer Begleiter: Ein Kramer mit 11 PS, Baujahr 1955. Einer der schwächsten Schlepper, die heute starten. Wie weit er mit Bremswagen kommt? „An Meter, ograd“, sagt Blatt und lacht. „I mach des spaßeshalber, Treggorfahra isch halt mei Hobby.“ Auch sein 44-jähriger Sohn ist heute dabei. Zwar nicht als Teilnehmer, aber stilecht auf einem rosafarbenen Mini-Schlepper.

Eine Premiere dagegen ist der diesjährige Trecker-Treck für den 20-jährigen Fabian Feeser. Er sitzt auf dem John-Deere-Schlepper, schleift den schweren Bremswagen durch den Matsch, als hätte er nie etwas anderes getan – und schafft einen Full Pull. „Man muss es langsam angehen lassen“, verrät er hinterher. Sein Vater und Trainer überschüttet ihn mit schwäbischem Lob: „Für erste Mal bin ich zufrieden“, meint er grinsend. Thomas Feeser fährt schon seit rund 15 Jahren mit. „Die Motoren, der Klang und dieser ganz bestimmte Geruch – da kriege ich jedes Mal Gänsehaut“, schwärmt der Heilbronner.

Wer mag, kann einen Trecker mit nach Hause nehmen – als Spielzeug

Unlautere Mittel gibt es nicht nur bei der Tour de France, sondern auch beim Trecker-Treck. Der Moderator verkündet über Lautsprecher die Disqualifikation eines Teilnehmers: Er hatte den Zugpunkt mit einem illegalen Umbau nach oben verlagert – ein No-Go. „Klar versuchen viele, das Reglement auszureizen“, meint Andreas Müller vom Trecker-Team Bittenfeld. Auch er selbst wird heute noch in der Klasse bis 2,8 Tonnen an den Start gehen.

In den Zuschauerrängen leuchten derweil die Augen von großen und kleinen Traktorfans. Gut, dass es hier auch einen Stand gibt – mit Traktoren. Nur wenige hundert Gramm schwer und aus Blech und Plastik – aber wer ein guter Trecker-Trecker werden will, muss klein anfangen.

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