Das verschlammte Gelände macht dem Trecker-Team zu schaffen. Foto: StZ//Weingand

Erstmals in der Geschichte des Trecker-Trecks in Bittenfeld fällt das Traktor-Pulling aus. Landwirte und Traktorfans machen dennoch das Beste daraus – was der Abbruch jedoch für den Verein bedeutet:

Schlamm. Er klebt an den Gummistiefeln der Besucher, auf den Hinweisschildern zum Event und natürlich zentnerweise an den Reifen der Traktoren. Der Trecker-Treck Bittenfeld, seit 32 Jahren ein Mekka für Schlepperfans und Landwirte aus der ganzen Region, hatte an diesem Sonntag Pech. „Am Abend gab es einen richtigen Starkregen, da fielen pro Quadratmeter 30 Liter Niederschlag in zwei Stunden“, erklärt Bernd Brudermüller vom Veranstalter, dem Trecker-Team Bittenfeld. Daher hat man am Morgen entschieden, das Herzstück des Events, das Traktor-Pulling, abzusagen. „In über 30 Jahren ist uns das so noch nicht passiert“, sagt Brudermüller. „Aber bei dem Schlamm kommen die Schlepper ja noch nicht einmal auf die Waage.“ Außerdem spielten der Sicherheitsaspekt und der Flurschaden auch eine große Rolle.

 

In diesem Jahr fiel das Traktor-Pulling beim Trecker-Treff aus

Immerhin können die Jüngsten fahren. Foto: StZ/Weingand

Traktor-Pulling – der Wettkampf ist vom US-amerikanischen Dragster-Pulling abgeleitet. Nur, dass hier Traktoren einen tonnenschweren Bremswagen einen Hügel hinaufziehen. Der sogenannte Full Pull, also die ganzen 75 Meter bis zur Ziellinie, ist das höchste der Gefühle. Seit 1992 veranstaltet das Trecker-Team Bittenfeld das Spektakel, der Verein hat heute rund 100 Mitglieder. Eintritt bezahlt bei dem Event niemand, die Einnahmen kommen allein aus der Bewirtung im Festzelt. Normalerweise strömen die Besucher zu Tausenden zu dem Event. In diesem Jahr muss der Treck dank Dreck ohne Wettkampf im Traktor-Pulling auskommen – und natürlich mit deutlich weniger Zulauf.

Einige Besucher kommen trotzdem, vor allem Familien mit Kindern aus der ganzen Region. Besonders kleineren Jungs gehen beim Anblick der diversen Traktoren die Augen über, aber auch Senioren an Krücken bahnen sich ihren Weg zum Festgelände. „Das ist eigentlich, was den Trecker-Treck ausmacht. Die ganze Familie kann herkommen“, sagt Brudermüller.

Einige waren schon als Kinder beim Trecker-Treck Bittenfeld dabei

Bereits gegen Sonntagmittag machen sich die meisten Trecker auf den Heimweg. Aber bis es so weit ist, machen die Angereisten das Beste daraus. Am Rand der Schlammfläche steht Pascal Schmidt aus Sontheim. Der 30-Jährige war schon als kleiner Junge beim Trecker-Treck dabei. „Damals durfte ich dann bei meinem Vater den Weizenschaum probieren“, erzählt er und lacht. Die Stimmung bei ihm und seinen Mitstreitern vom Trecker-Team Sontheim ist gut, trotz des ausgefallenen Wettkampfs. Für sie zählt das Drumherum – Freunde wiedersehen, Bierzelt, unter Gleichgesinnten sein. „Auch beim Wettkampf geht es um den Spaß. Ob ich am Ende einen Preis kriege oder nicht, war mir immer egal. Da zählt der olympische Gedanke“, sagt Schmidt augenzwinkernd.

Ab und zu dreht trotz allem ein Traktor seine Runden – ohne Bremswagen und auf eigene Gefahr, betont Bernd Brudermüller. Wenn sich einer der Schlepper, nicht selten unter Gejohle, durch den Schlamm pflügt, steigen vor allem bei den teils uralten Modellen dicke Rußwolken in den Bittenfelder Himmel auf. Greta Thunberg und die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ scheinen in diesen Momenten sehr weit weg. Ob das Tuckern der Motoren beim Trecker-Treck wohl irgendwann durch ein sanftes Surren von Elektromotoren ersetzt wird? „Ich weiß nicht, wo die Reise hingeht, aber bis Leistung und Akkutechnik so weit sind, dauert das noch eine ganze Weile“, sagt Bernd Brudermüller. „Außerdem sind viele hier sehr traditionsbewusst. Und Traktoren sind sehr teuer, schon ein Diesel der mittleren PS-Klasse kostet 150 000 Euro. Wie teuer werden dann wohl Elektrotraktoren sein?“

Bis es so weit ist, feiern die Trecker-Treckies ihre tuckernden und rußenden Gefährte. Aus rund 100 Kilometern Umkreis sind sie mit ihren Schleppern angekommen. „Wir hatten auch schon mal einen da, der mit dem Schlepper aus Würzburg hergefahren ist“, erinnert sich Brudermüller.

Der Verein hofft, zumindest einige Kosten hereinholen zu können

Glamping beim Trecker-Treck. Foto: StZ/Weingand

Aber es gibt auch hartgesottene Zuschauer. Diese erkennt man unter anderem an der Ausstattung ihres fahrbaren Untersatzes. Entlang der Strecke, an der eigentlich die Trecker gefahren wären, stehen Hänger an Hänger, viele ausgestattet mit Sofas und Sesseln. Eine Gruppe junger Leute ist besonders exquisit unterwegs, ihr Hänger wartet neben Palettenmöbeln mit einer Shisha und zwei Hängematten auf. Die meisten waren schon am Samstagabend da. Es herrscht verkaterte Festivalstimmung – „viele haben schon zu mir gesagt, hier sei es wie Wacken“, sagt Bernd Brudermüller.

Ganz so viele Besucher wie bei dem legendären, traditionell schlammreichen Metal-Festival in Schleswig-Holstein sind es am Sonntag natürlich nicht. Immerhin verköstigen sich die meisten im Festzelt oder decken sich mit Kinder-T-Shirts mit aufgedruckten Traktoren oder Ponys ein. Für das Trecker-Team sind die Einnahmen aus der Verpflegung sehr wichtig. „Irgendwie ist es ja schon zum Heulen, in diesem Jahr werden wir wohl nicht einmal unsere laufenden Kosten hereinbekommen“, sagt Bernd Brudermüller. Das Trecker-Team hoffe nun auf langjährige Fans, um den finanziellen Schaden zu begrenzen.

Bildergalerie Weitere Fotos vom diesjährigen Trecker-Treck finden Sie im Internet unter der Adresse stzlinx-de/treckertreck