Die Nachfrage nach Trauungen in historischen Monumenten wie Schlössern oder Burgen ist zur Zeit besonders groß. In welchen Schlössern in Baden-Württemberg kann man heiraten – und wie kommt man noch an Termine?
Das Eheversprechen im Schatten der Türme der märchenhaften Burg Hohenzollern. Ein Ja-Wort bei der Grabkapelle auf dem Württemberg bei Stuttgart, hoch oben über dem Neckartal. Oder eine Trauung unter funkelnden Kronleuchtern im barocken Lustschloss Favorite in Ludwigsburg.
Der Hochzeitstag soll für viele Paare zum schönsten Tag im Leben werden, deshalb suchen sie nach einem besonderen Ort. Und um den Paaren ihren Traum von einer Märchenhochzeit zu erfüllen, ermöglichen private Eigentümer oder die staatlichen Schlösser und Gärten in Baden-Württemberg Trauungen in vielen Monumenten. Die Termine dafür sind extrem begehrt.
Dreimal so viele Anfragen wie in den Jahren vor der Pandemie
„Die Anfragen für Trauungen in Schlössern oder anderen Monumenten haben deutlich zugenommen“, sagt Frank Krawczyk von den staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg. In 19 der landeseigenen Monumente mit insgesamt 150 vermietbaren Räumen können Trauungen stattfinden. In diesem Jahr, sagt Krawczyk, gebe es dreimal so viele Anfragen wie in normalen Jahren vor der Pandemie – auch, weil viele Hochzeitspaare in den vergangenen beiden Jahren wegen der Corona-Situation lieber abgewartet hätten.
Für all jene, die sich das Ja-Wort in einer Burg, einem Schloss oder Kloster in Baden-Württemberg geben wollen, bedeutet das: „Je früher Sie anfragen, desto besser“, sagt Krawczyk. Wie lange vorher die Termine ausgebucht sind, hängt dabei aber stark vom einzelnen Monument ab – pauschal sagen kann Krawczyk das nicht. Für manche Schlösser gibt es sogar noch kurzfristige Trautermine für diesen Spätsommer oder Herbst. Bei anderen dagegen sind viele Sommertermine auch im kommenden Jahr schon vergeben. Besonders bekannte Monumente seien auch besonders stark nachgefragt.
Terminvergabe für Trauung am Wunschort läuft über Standesamt
Auf dem Württemberg bei Stuttgart kann man seit zwei Jahren heiraten – im Priesterhaus direkt neben der Grabkapelle, mit Sektempfang im Anschluss. Die Terminvergabe für solche Wunschorte in und um Stuttgart läuft über das Standesamt Stuttgart, immer am 1. Juli werden die Trautermine für das jeweils kommende Jahr auf der Internetseite veröffentlicht. Meist sind jeweils mehrere Vermählungen hintereinander an Freitagen und Samstagen möglich – so ist das auch in anderen Monumenten im Land.
Die Anfragen für Trauungen auf dem Württemberg, im Schloss Solitude oder im Marmorsaal im Weißenburgpark seien zuletzt gestiegen, sagt eine Mitarbeiterin des Stuttgarter Standesamtes. Erfahrungsgemäß seien viele Wunschort-Termine nach der Veröffentlichung im Internet auch immer schnell ausgebucht.
Sommertermine sind in den Schlössern im Land besonders begehrt
Auch anderswo im Land sind insbesondere die Sommertermine begehrt. Auf der Burg Hohenzollern gibt es jährlich in der Regel nur zwei Tage mit standesamtlichen Trauterminen, vergeben werden sie über das Standesamt in Bisingen. In diesem Jahr waren es wegen der ausgefallenen Termine in der Coronapandemie mehr, die aber bereits seit Mitte vergangenen Jahres ausgebucht sind. Auch für das kommende Jahr sei die Nachfrage schon hoch, „den einen oder anderen Termin“ gibt es nach Auskunft der Standesbeamtin in Bisingen aber noch. Kirchliche Trauungen auf der Burg werden über die Burgverwaltung vergeben.
Viele Schlösser im Land werden privat vermietet, dort sind dann zwar oft keine standesamtlichen, in der Regel aber freie Trauungen und größere Hochzeitsfeiern möglich. Zum Beispiel in der Domäne Monrepos in Ludwigsburg. Auch hier sei es empfehlenswert, anderthalb oder zwei Jahre im Voraus mit der Planung zu beginnen, sagt Raphaela Veh vom Schlosshotel Monrepos. „Einzelne Sommertermine gibt es im kommenden Jahr noch“, sagt Veh. Wer im Frühjahr oder Herbst in dem Schloss feiern will, kann auch etwas kurzfristiger Glück haben.
Hohe Kosten für Miete, hinzu kommt noch die Bewirtung
Wer in einem Schloss oder einem anderen altehrwürdigen Gebäude heiraten möchte, muss mitunter mit hohen Kosten schon allein für die Miete der Räumlichkeiten rechnen. Wie hoch genau diese Kosten etwa im Rahmen von standesamtlichen Trauungen sind, ist unterschiedlich. Für eine standesamtliche Trauung im Weissen Saal im Schloss Solitude bei Stuttgart werden insgesamt 1005 Euro fällig – inklusive einer Gebühr ans Standesamt. Für die Nutzung eines Teils des Außenbereichs für einen Sektempfang kommen noch mal 180 Euro hinzu.
Für eine standesamtliche Trauung im Schloss Favorite in Rastatt zahlt man 400 Euro Miete, auch hier kommen noch Kosten für Stehtische für einen Sektempfang etwa auf der Schlossgartenterrasse hinzu.
Wer die gesamte Hochzeitsfeier – und nicht nur die Trauung selbst – in einem Schloss abhalten will, muss natürlich auch mehr Miete zahlen. Im Seeschloss Monrepos in Ludwigsburg sind Feiern für 50 bis 88 Gäste möglich, die Miete beträgt 3200 Euro, inklusive Nebenkosten. Hinzu kommt die Bewirtung, die in diesem Fall über das Schlosshotel Monrepos läuft.
Rote Getränke oder Luftballons sind häufig nicht erlaubt
Die Kosten sind allerdings nicht das einzige: Wer in historischer Umgebung heiraten will, muss sich an zum Teil strenge Auflagen halten. Konfetti verteilen, Tauben oder Luftballons steigen lassen ist im Schloss Solitude bei Stuttgart tabu, auch dekoriert werden darf hier nicht. Anderswo ist das ähnlich – hier lohnt ein Info-Termin oder ein Gespräch vor der eigentlichen Planung.
„Zum Teil gibt es auch Auflagen, was die Getränke angeht“, sagt Frank Krawczyk von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg. Rotwein etwa wird mancherorts ausgeschlossen. Wer nicht die Trauung oder komplette Hochzeitsfeier in einem historischen Monument abhalten will, kann auch andere Varianten wählen: Vielerorts ist es zum Beispiel möglich, Fototermine zu buchen – oder ein exklusives Zeitfenster für einen Heiratsantrag.
Hochzeitsfeiern und die Coronapandemie
Hochzeitsplaner
In diesem Jahr ist teils schon von einem Hochzeitsboom die Rede: Weil größere Feiern in den vergangenen zwei Jahren nur eingeschränkt möglich waren, haben viele Brautpaare mit ihrer Feier abgewartet. „Grundsätzlich gilt, es ist aktuell noch wichtiger als früher, sich um eine Location zu kümmern“, sagt Asja Ohr vom Bund Deutscher Hochzeitsplaner. „Durch Corona gibt es einen richtigen Hochzeitsstau.“
Trauung
In der Regel gibt es inzwischen kaum noch Einschränken für die Hochzeitsfeier wegen der Coronapandemie. In vielen Standesämtern wird allerdings nach wie vor um das Tragen von Masken gebeten. Außerdem gilt die Maskenpflicht natürlich weiterhin in öffentlichen Verkehrsmitteln.