Wer nicht in einer Amtsstube heiraten will, hat im Kreis Ludwigsburg eine Reihe von Alternativen. Foto: picture alliance/dpa

Vom bürokratischen Akt zum Event: Wer ein besonderes Ambiente für die standesamtliche Trauung sucht, findet im Kreis Ludwigsburg ausgefallene Alternativen.

Dass es beim Heiraten nicht nur auf die Auswahl des richtigen Partners, sondern immer mehr auch auf die des passenden Trauortes ankommt, zeigen Zahlen aus Ludwigsburg. Im vergangenen Jahr gab es in der Barockstadt mit 653 so viele Eheschließungen wie noch nie. Davon kamen 379 aus Ludwigsburg, 274 waren nicht in der Stadt zu Hause. Das Standesamt führt diesen hohen Anteil an auswärtigen Paaren auf das breite Angebot an Trauorten zurück. Das nehmen sich andere Kommunen zum Vorbild.

 

Laut der Ludwigsburger Standesamtchefin Sarah Schützinger kann man unter anderem im Residenzschloss, dem Schloss Favorite, dem Seeschloss und dem Barriquefasskeller auf Monrepos, dem Mathildengarten und der Orangerie im Blühenden Barock heiraten.

Zuletzt machte das Standesamt 2025 mit der Kirche gemeinsame Sache und ermöglichte Spontantrauungen. Das alles zeigt, dass der formale Akt immer mehr schon standesamtlich zum individuellen Event wird.

Trauung im Weinkeller

Der Weinkeller des Weingut Herzog von Württemberg. Foto: Weingut Herzog von Württemberg

Am außergewöhnlichsten ist in Ludwigsburg wahrscheinlich die Trauung im Barriquefasskeller. Seit einigen Jahren kann man im Weingut „Herzog von Württemberg“ auf der Domäne Monrepos standesamtlich heiraten. Vor allem Menschen, die keine kirchliche Trauung wollen, suchten häufig nach besonderen Orten für die standesamtliche Hochzeit.

Heiraten direkt am Neckar

In Remseck kann man am Neckar heiraten. Foto: Stadt Remseck/Michael Fuchs

In Remseck am Neckar kann man seit 2018 am Neckarstrand heiraten. „Pro Jahr werden zwei feste Termine für Trauungen am Neckarstrand angeboten. In diesem Jahr sind dies der 20. Juni und der 12. September. An jedem dieser Tage können bis zu drei Zeremonien stattfinden“, sagt Niklas Schurr von der Stadtverwaltung. Er weist allerdings darauf hin, dass die rechtlich verbindliche Trauung zuerst im Trauzimmer erfolgen muss. Eine Freiluftrauung ist zum Beispiel auch in Hemmingen am See im Schlosspark möglich.

Ja-Wort inmitten von Eisen

Im Schmiedemuseum in Sersheim sind nun auch Trauungen möglich. Foto: Gemeinde Sersheim

Neu ist ein Angebot in Sersheim. Die Gemeinde hat jüngst verkündet, dass nun im Archiv der Kommune und im Schmiedemuseum geheiratet werden kann. „Ludwigsburg hat das Schloss und andere Trauorte. Wir haben uns gedacht wir bieten bei uns auch besondere Orte an“, erklärt Ina Kissing vom Sersheimer Standesamt.

Im Archiv in Sersheim kann jetzt geheiratet werden. Foto: Gemeinde Sersheim

Im Archiv können kunstversessene Paare die Ehe inmitten von alten Gemälden und Möbeln des Sersheimer Malers Walter Strich-Chapell schließen. Im Schmiedemuseum kann man zwischen Ambos und Zangen in einem Gewölbe heiraten. Vielleicht eine Idee für Fans von Mittelaltermärkten.

Treueschwur vor Ruinen

In Walheim kann inmitten römischer Ruinen geheiratet werden. Foto: Gemeinde Walheim

Wer es mit noch früherer Geschichte hält, wird auf der Suche nach einem besonderen Trauort in Walheim fündig: Das Museum Römerhaus beherbergt die Ruine eines römischen Streifenhauses. In den Ruinen kann man neben Informationen zur Historie auch den Trauschein erhalten.

„Das Römerhaus besticht durch seine einzigartige Atmosphäre zwischen den historischen römischen Mauern und weist trotzdem eine attraktive Infrastruktur für Trauungen auf. Pro Jahr finden dort circa fünf Hochzeiten statt“, sagt Walheims Bürgermeister Christoph Herre. Ob die Paare auch in Tunika und Toga heiraten dürfen?

Wer keinen außergewöhnlichen Ort anbietet, macht ihn sich selbst. Das könnte der Gedanke in Gemmrigheim gewesen sein, als man sich dazu entschied, Trauungen bei Kerzenschein anzubieten. Seit 2025 können Paare sich in der dunklen Jahreszeit für ein romantisch beleuchtetes Trauzimmer entscheiden. „Die Standesbeamten haben lediglich eine Tischleuchte für die Traurede, ansonsten wird alles nur mit circa 50 Kerzen beleuchtet“, erklärt Caroline Kanzler von der Gemeinde.