Auf den Seychellen gibt es feinpudrigen Strand mit tief hängenden Palmen vor Granitfelsen, glasklares, türkisfarbenes Meer und weit und breit kein Mensch. Foto: IMAGO/Westend61

Die Seychellen gelten als eines der teuersten Reiseziele weltweit. Doch es geht auch anders, selbst wenn man auf Luxus nicht verzichten will.

Nur wer vom vermeintlich Wichtigen lassen kann, ist in der Lage, Neues zu entdecken. Da ist sich Jude Dinan ganz sicher. Doch das Loslassen falle seinen Gästen besonders schwer, sagt der 52-jährige Chauffeur, der auf den Seychellen beinahe schon alle Nationalitäten durchs vermeintliche Paradies kutschiert hat. Die suchen nichts Geringeres als magische Momente: Sonnenuntergang am feinpudrigen Strand mit tief hängenden Palmen vor Granitfelsen, glasklares, türkisfarbenes Meer und weit und breit kein Mensch. Ganz so, wie man das von den Fototapeten der 1970er Jahre kennt.

 

Die mühelose Leichtigkeit des Seins

„Ein amerikanischer Geschäftsmann wollte sich dieses spektakuläre Schauspiel jedoch nur durchs Fenster des voll klimatisierten Wagens ansehen“, sagt Jude. Nur so blieb er geschützt vor der mehr als 80 Prozent hohen Luftfeuchtigkeit, die einen aufs Angenehmste einlullt und sich wie ein Weichzeichner aufs Tropenparadies legt. Während es bei uns heißt „Time is running“, pflegen die Seychellois in diesem Gefilde eine ganz andere Einstellung zur Zeit. Hier heißt es: „Time is coming“.

Diese mühelose Leichtigkeit des Seins haben die Seychellen zu ihrem Urlaubskonzept gemacht und um Exklusivität zu wahren, hohe Eintrittspreise für ihre Inselwelt veranschlagt. Massentourismus soll per Zahlschranke verhindert und damit auch die Umwelt geschützt werden, so lautet zumindest die Zielsetzung der Regierung. Bei diesem Luxusreiseziel noch preiswert Urlaub machen zu können, hat längst Seltenheitswert. Wohlwissend, dass die Klientel sehr verschieden ist, reicht das Spektrum für Übernachtungspreise von 50 Euro im sehr spartanischen Guesthouse bis zu 2000 Euro in der Luxusvilla und weit mehr, pro Nacht in der Nebensaison, also den Regenzeit-Monaten November bis März. Mit der Wiedereröffnung des Resorts auf Fregatte Island Ende 2026 steigen die Preise pro Nacht sogar in fünfstellige Bereiche.

Mit Tischtuch und feinem Geschirr: Chefkoch Robin Etienne serviert direkt am Strand. Foto: Margit Kohl

Das ebenfalls neu umgebaute Hotel Avani+ direkt am Strand von Barbarons an der Sonnenuntergangsseite von Mahé wartet dagegen nicht nur mit gehobenem, aber bezahlbaren Luxus ab 350 Euro fürs Doppelzimmer auf. Mit den neuen Swim-up-Rooms füllt man obendrein eine Marktlücke, bei denen Gäste von je neun Zimmern aus Direktzugang zu einem 50-Meter-Gemeinschaftspool haben. Von der eigenen Terrasse sind es dann nur ein paar Stufen ins Wasserbecken, wo man seine Bahnen ziehen oder sich auf einem knallroten Schwimmkissen treiben lassen kann. Wer also nicht auf einen oft sogar recht kleinen Privatpool besteht, kann sich auch auf den Seychellen Luxus leisten, ohne vierstellige Preise pro Nacht zu bezahlen. Auch die Open-Air-Lobby, das Spa und die Zimmerausstattung stehen Luxusunterkünften kaum nach, und mit Robin Etiennes Kochkünsten landet man schnell im Schlaraffenland bei all den nach kreolischer Art zubereiteten Thunfisch-, Mahi-Mahi- und Red-Snapper-Gerichten.

Der schönste Strand der Welt

Neben dem 145 Kilo schweren Chefkoch nimmt sich jedoch sogar das Lieblingsgericht vieler Gäste recht unscheinbar aus: der Millionärssalat. Dabei bringt dieser Palmherzensalat für gerade mal 20 Euro mitnichten gleich die Kreditkarte zum Glühen. „Für ein gutes Palmherz braucht man einen ganzen Baum, der bis zu 20 Jahre wachsen muss, deshalb der Name“, erklärt Robin und macht sich wieder auf in sein Reich, die Küche.

Stecknadel im Indischen Ozean: die Seychellen Foto: STZN/Lange

Welch glückliche Fügung, dass auch der ruhige Südosten Mahés von Influencern im Unterschied zur Nachbarinsel La Digue verschont geblieben ist. Seit auf sozialen Netzwerken dort die Anse Source d’Argent zum schönsten Strand der Welt proklamiert wurde, kommen auch Kreuzfahrttouristen zuhauf, und der Zugang kostet Eintritt. Auf Mahé hingegen gibt es auch an der Anse Forbans tief hängende Palmen und Granitfelsen, aber wenig Ausgehmöglichkeiten, weshalb Feierbiester lieber weiter Richtung Hauptstadt Victoria in den Norden ziehen.

Das Land der Anse Forbans ist schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz von Einheimischen. Die Großeltern der Familie Howeth betrieben in der Bucht noch eine Kokosnussplantage, doch als ihre Kopra-Produktion mit Billigangeboten aus Asien nicht mehr mithalten konnte, bauten die Howeths ein paar Chalets für Selbstversorger in den Palmenhain.

„Schatz, was willst Du mehr?“

Nur 20 Meter sind es bis zum einen Kilometer langen Strand, an dem man kaum Menschen beim Sonnenuntergang begegnet. Magische Momente allenthalben. Auch von der Terrasse blickt man direkt aufs funkelnde Meer und sinniert vielleicht über die Geheimnisse der Anse Forbans, deren altfranzösische Übersetzung Piratenbucht bedeutet. Der Freibeuter La Buse soll sich einst hier versteckt und einen Millionenschatz vergraben haben. „Schatz, was willst Du mehr?“, amüsiert sich ein Chalet-Gast über diese Geschichte aus seinem Reiseführer. Denn gefunden hat den Goldschatz bislang noch niemand.

Info

Anreise
Condor ( www.condor.com ) und Discover ( www.discover-airlines.com ) fliegen ab Frankfurt auf die Seychellen. Zur Einreise vorab online eine Travel Authorisation besorgen (10 Euro, https://seychelles.govtas.com ). Ein Mietwagen ist ratsam, sofern man nicht All-inclusive oder mitten in einer Ortschaft gebucht hat. Ab 600 Euro pro Woche gibt es einen Kleinwagen z.B. bei Sunny Cars ( www.sunnycars.de ), der bei den engen Straßenverhältnissen die beste Wahl ist.

Unterkunft
Am Strand von Barbarons an der Westküste Mahés bietet das frisch umgebaute 4-Sterne-Plus-Hotel Avani + Luxus zu bezahlbaren Preisen, Doppelzimmer ab 350 Euro, Premium-Zimmer mit Poolzugang ab 550 Euro, https://avanihotels.com/de/seychelles-barbarons . Die familiengeführten Chalets d’Anse Forbans am gleichnamigen Strand an der Südostküste von Mahé sind schöne Selbstversorgerbungalows direkt am Meer ab 170 Euro, https://forbans.com .

Aktivitäten
Victoria ist eine der kleinsten Hauptstädte der Welt. Im Zentrum steht der Clock Tower, eine 1903 zu Ehren von Queen Victoria gebaute, kleinere Kopie des Londoner Big Ben. Um bei der Öffnung einer Coco der Mer dabeizusein, muss man nicht auf die Nachbarinsel Praslin, wo die größten und auch teuersten Nüsse der Welt wachsen. Von Coco de Mer Collection auf der Domaine de Val des Près wird das Fruchtfleisch als Aphrodisiaka nach Asien verkauft oder zu Parfüm verarbeitet, www.cocodemercollection.com . Einen Bootsauflug lohnt Moyenne Island an der Nordwestküste. Der britische Journalist Brendon Grimshaw hatte sie 1962 als Wohnort erworben, nach seinem Tod wurde sie Nationalpark und Heimat von etwa 50 frei lebenden Aldabra-Riesenschildkröten.

Was Sie tun und lassen sollten
Auf jeden Fall Trinkkokosnuss probieren, den kleine Straßenstände am Wegesrand anbieten. Auf keinen Fall Schatten unter Kokosnusspalmen suchen. Fallende Kokosnüsse können schwere Verletzungen verursachen. Das gilt auch fürs Parken des Autos.

Allgemeine Informationen
Touristeninformation der Seychellen: https://seychelles.com