Nach drei Jahrzehnten sagt das Salome „Ade Foto: André Elbing

Zum Ausklang findet das „Traumtheater Salome“ nochmal einen ungewöhnlichen Spielort: es geht in den Stuttgarter Norden.

S-Nord - Der Start des Traumtheaters Salome vor über 30 Jahren war in Stuttgart eher ein Alptraum gewesen. Allerdings nur für die Stadtverwaltung: „Die wollten mich, den Gaukler, nicht spielen lassen“, berichtet Theaterleiter Harry Owens, „da habe ich zu jedem Behördentermin die Zeitungen mitgenommen, und dann hat der OB Rommel irgendwann gesagt: ,Gebt dem Kerle einen Platz, sonst kriegen wir keine Ruhe mehr!‘ Und daraus ist dann eine traumhafte Beziehung zwischen meinem Theater und dem Stuttgarter Publikum entstanden.“

Den schönsten Platz habe er gleich zum Start im Jahr 1984 bekommen: „Am Schlossplatz. Da sind die Leute quasi über die Rolltreppe ins Rondell gekommen!“ erzählt Owens. Das aber blieb einmalig. Oft hat sein Traumtheater im Park der Universität Station gemacht und viele Jahre beim Planetarium – „bis wir von Stuttgart 21 vertrieben wurden“. Für das letzte Gastspiel vor fünf Jahren bekam das 300 Zuschauerplätze fassende Theaterzelt dann auf dem Züblin-Parkplatz Asyl.

Künftig nur noch in Berlin

Nun aber nimmt Owens endgültig Abschied von Stuttgart – und darüber hinaus vom Wanderleben des Theatermenschen insgesamt. Denn künftig will sich der 72-Jährige ausschließlich seiner „Akademie der schönen Künste“ in Berlin widmen, einem Zusammenschluss mehrere Initiativen, von Owens 1991 gegründet, „um den Nachwuchs zu fördern und neue Darstellungsformen für die Bühnen der Welt zu entwickeln“ wie Owens mit souveränem Selbstbewusstsein sagt – und hinzufügt: „Ich will weiter dafür sorgen, dass Wunderbares auf die Bühne kommt.“

Die Abschiedstournee quer durch die Republik wollte er unbedingt am Neckar starten. War nur wieder die alte Frage: Wo? „Da kam uns der Zufall zu Hilfe, der sowieso unser ständiger Begleiter ist“, berichtet Owens. Über ein paar Ecken habe er „von der Baustelle am Pragsattel“ erfahren und dann „einfach mal angerufen. Da bin ich dann gleich auf Interesse gestoßen“. Der Adressat seiner Anfrage: Die LBBW Immobilien, die gegenüber dem Löwentor bis im Jahr 2020 das Projekt „Leo - Business Campus Stuttgart“ realisiert. Für den ersten Bauabschnitt wurde bereits die Grube ausgehoben. In die Ecke Löwentorstraße/Pragstraße aber werden die Bagger erst später vorrücken – und just diese Ecke stellt die LBBW Immo nun dem „Traumtheater Salome“ zur Verfügung.

Dankbar für die Unterstützung

„Das ist ein schönes Kulturprojekt, das wir gerne unterstützen“, sagt die Pressesprecherin Brigitte Reibenspies. Also wurde der Zwickel planiert und geschottert - „und Wasser und Strom ist auch schon da“, schwärmt Owens, „ich bin einfach dankbar für diese Unterstützung. Wir haben in Stuttgart immer Leute gehabt, die uns geholfen haben. Und jetzt haben wir mal wieder richtig Glück gehabt!“

Denn auch der Standort an sich kommt Owens zupass: „Da rauscht der Verkehr rauf und runter, außerdem ist da eine Stadtbahn-Haltestelle. Es ist ein Platz, an dem man uns nicht übersehen kann.“

Premiere hat die Abschiedstournee auf dem Pragsattel am 27. November, und dann ist bis zum 14. Januar fast ohne Unterbrechung Traumtheater angesagt mit dem Programm: „Reise zu Deinem Stern – Im Tempel der Fantasie!“ Wehmut beim Gedanken an den Abschied räumt Harry Owens dann doch noch ein: „Wir kennen so viele Leute hier! Ja, es war eine schöne Zeit. Voller Glücksmomente, die wir mit dem Publikum geteilt haben.“ Kurz zögert er und fügt dann hinzu: „Aber es ist ja noch nicht ganz zu Ende! Der Stern des Glückes dar noch ein paarmal leuchten. Und die Menschen wissen, wie sie diesen Stern bewahren können.“

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