In der türkischen Millionenstadt trifft Europa auf Asien, Historie auf Moderne und Abendland auf Morgenland. Der Mix aus Kulturen vor großartiger Kulisse ist unbedingt erlebenswert.
Laut, hektisch und wunderschön: Wer Istanbul zum ersten Mal besucht ist überwältigt von dieser quirligen Millionenstadt. Die türkische Metropole empfängt Besucher mit einer riesigen kulturellen Vielfalt, einem jahrtausendealten Erbe und einer Atmosphäre, die in dieser Intensität weltweit nicht oft zu finden ist.
Auf den Spuren von James Bond
Dreimalmacht der Geheimagent im Auftrag der britischen Krone Station am Bosporus. In „Die Welt ist nicht genug“ (1999) und „Skyfall“ (2012) gibt Istanbul nur kurze Gastspiele, mit Abstand am meisten von der Stadt sieht man im Film „Liebesgrüße aus Moskau“ aus dem Jahr 1963. Eine Schlüsselszene spielt tief unter der Erde: 007 wird von seinem türkischen Vertrauten Ali Kerim Bey durch einen unterirdischen Wald aus antiken Säulen gerudert.
Die Basilica Cistern, auch gerne der versunkene Palast genannt, ist ein Wasserreservoir ganz in der Nähe der Hagia Sophia. Die Zisterne stammt aus der Zeit Kaiser Justinians und hat mehr als 1500 Jahre auf dem Buckel. In den riesengroßen Tank passen 80 000 Kubikmeter Trinkwasser. Dank dieser Vorräte überstand die Stadt mehrere monatelange Belagerungen. Heutige Besucher müssen übrigens nicht rudern wie James Bond und Begleitung. Inzwischen gibt es Stege, auf denen man diesen besonderen Ort trockenen Fußes erkunden kann. Eine wechselnde farbige Beleuchtung sorgt für eine ganz besondere, erhabene Stimmung.
Hagia Sophia interaktiv
Den Begriff Hagia Sophia kennen viele. Doch was genau ist das eigentlich? Das interaktive Hagia Sophia History & Experience Museum schließt Bildungslücken – und macht dabei noch richtig viel Spaß. Die gut gemachte Ausstellung im alten Katasteramt direkt am Hippodrom in Istanbuls Altstadt galoppiert im Schnelldurchlauf durch die anderthalb Jahrtausende alte Geschichte. Etwa 900 Jahre lang wurde die „heilige Weisheit“ als Kirche genutzt.
Als die Osmanen Konstantinopel eroberten, widmete man die „Ayasofya“ zur Moschee um. Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der modernen Türkei, legte Wert auf eine Trennung von Religion und Staat. Anfang der 1930er Jahre wurde die Moschee daher zum Museum. Der heutige Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan vollführte die Rolle rückwärts und erklärte die Hagia Sophia 2020 wieder zur Moschee. Seither dürfen nicht-muslimische Besucher nur noch die obere Etage besuchen, das Erdgeschoss ist Gläubigen vorbehalten.
Im Museum geht man mit einem Audioguide in der Muttersprache im Ohr von Raum zu Raum und erlebt ein bild- und soundgewaltiges „Wow“ nach dem anderen. Danach sind es nur wenige Schritte in das echte Gebäude. Und wenn man schon mal da ist, sind weitere Top-Sehenswürdigkeiten wie die Blaue Moschee und der Topkapi-Palast nicht weit.
www.demmuseums.com/museums/hagia-sophia-museum/
Gewürze, Teppiche und türkische Freuden
Eigentlich wollte man nur ein Tütchen Safran kaufen – und kommt mit einem zusammengerollten Wohnzimmerteppich unterm Arm wieder aus dem Basar heraus. Tja, ein Besuch im orientalischen Einkaufstempel bedarf einer gewissen Strategie. Wer nichts kaufen möchte, sollte sich nicht überreden lassen. Und wer was kaufen möchte, heuchelt erst mal Desinteresse. Dann bekommt man angeblich den besten Preis.
Neben den Basaren ist ein Bummel über die Istiklal Caddesi ein Muss. Auf der größten Flaniermeile der Stadt herrscht ein trubeliges Durcheinander von Filialisten, Maronenverkäufern, Granatapfelsaftläden, Touristen und Einheimischen. Obacht: Alle paar Minuten kommt eine nostalgische rote Bimmelbahn vorbeigefahren und teilt die Menschenmenge wie einst Mose das Meer. Auf der Straße der Unabhängigkeit kann man wunderbare Turkish Delights kaufen. Die „türkischen Freuden“ sind eine Spezialität von Ali Muhiddin Haci Bekir. Die Bäckerei gibt es seit 1777, sie unterhält mehrere Standorte in der Stadt.
Bootsfahrt auf dem Bosporus
Städte am Meer haben eine besondere Aura. Das gilt speziell für Istanbul, die Stadt auf zwei Kontinenten. Sie wird durchzogen vom Bosporus, einer stark befahrenen Wasserstraße, die Europa und Asien trennt. Im Hafenviertel Eminönü am westlichen Ufer des Goldenen Horns legen regelmäßig Fähren ab, die den Bosporus hinauf Richtung Schwarzes Meer bis zur Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke fahren. Die Schiffe kehren mit Zwischenstopps in Üsküdar und Ortaköy zum selben Pier zurück. Auskunft über den Fahrplan gibt die App der städtischen Schiffsgesellschaft Sehir Hatlari.
Bei einer Bootstour auf dem Wasser sieht man nicht nur die Brücken und die prächtige Silhouette der Stadt, sondern auch die vielen schönen Sommerresidenzen aus osmanischer Zeit, Yalıs genannt. Das Gegenstück zu den verspielten historischen Holzhäusern ist der hochmoderne Galataport. Eine nagelneue, topmoderne Hafenanlage, voll mit Läden, Lokalen und einer schönen Promenade zum Spazierengehen. Nicht nur Passagiere der hier vertäuten Kreuzfahrtschiffe trifft man hier, auch für die Einheimischen ist Galataport ein beliebtes Vergnügungsviertel.
https://sehirhatlari.istanbul/en
https://galataport.com/
Verstecke Schätze in Passagen
Beim Spaziergang auf der Istiklal Caddesi lohnt es sich, einen genaueren Blick in die teils reich verzierten Portale der Gründerzeitbauten zu werfen. Manche sind kein einfacher Hauseingang, sondern das Tor zu einer versteckten Passage, wie man sie auch aus Paris kennt.
In der Çiçek-Pasaji, der Blumenpassage, buhlen mehrere Tavernen um Gäste. In der Avrupa Pasaji gibt es Bücher zu kaufen, in der Syrischen Passage wurde 1911 das erste Kino der Türkei eröffnet. Heute befinden sich hier Cafés. Apropos Kaffee: In Istanbul muss man unbedingt türkischen Kaffee probieren. Einen besonders guten bekommt man bei Mandabatmaz. Der Name bedeutet „der nicht einsinkende Büffel“ und ist Programm. Der Kaffee ist so stark und der Schaum so dick, dass selbst ein Riesenvieh darauf stehen kann. Das Café liegt in einer kleinen Seitengasse der Istiklal Caddesi.
Info
Anreise
Turkish Airlines fliegt mehrmals täglich ab Stuttgart nach Istanbul, www.turkishairlines.com. Am besten kauft man direkt am Flughafen die „Istanbul Kart”. Mit der aufladbaren Scheckkarte kann man alle Nahverkehrsmittel nutzen – Busse, Metro, Fähren und den „Tünel“, eine unterirdische Standseilbahn aus dem Jahr 1875. Infos unter https://iett.istanbul/en
Unterkunft
In Zimmer 411 des Pera Palace Hotels im Stadtteil Beyoğlu schrieb Agatha Christie große Teile des Romans „Mord im Orient Express”. In Zimmer 101 soll Mustafa Kemal Atatürk die Revolution geplant haben. Das ikonische Haus versprüht den Charme der guten, alten Zeit und ist heimlicher Star einer Netflix-Serie. DZ ab 310 Euro, https://perapalace.com.Das ehemalige Gebäude der Deutschen Orientbank in Istanbul ist heute ein Hotel. Direkt neben dem Gewürzbasar genießt man gediegenen Luxus. DZ ab 250 Euro, https://orientbankhotel.com/ Das Corinne Art & Boutique Hotel bietet persönlichen Service in historischem Ambiente, nur ein paar Schritte von der Istiklal Caddesi entfernt. DZ ab 75 Euro, https://corinnehotel.com/
Essen und Trinken
Türkische Klassiker wie Köfte (Hackfleischbällchen) und Kebap (gegrilltes Fleisch) gibt es im traditionsreichen Restaurant Hamdi im Hafenviertel Eminönü. Von den oberen Stockwerken des Restaurants am Goldenen Horn genießt man einen Galablick auf den gegenüberliegenden Hügel. https://hamdi.com.tr/ Direkt am Wasser des Galataports speist man im Restaurant Kiva. Das Lokal ist bekannt für Fisch, Fleisch und eine große Auswahl an Mezze (türkische Vorspeisen), www.kivarestoran.com/ Sehen und gesehen werden: Das Restaurant Izaka im obersten Stock des Hotels CVK ist ein Lieblingsplatz der Istanbuler Jeunesse dorée. Aus den Panoramafenstern liegt einem die ganze Stadt zu Füßen. https://izakaterrace.com/
Allgemeine Informationen
Türkisches Fremdenverkehrsamt, https://goturkiye.com/