Beim ersten Date direkt miteinander ins Bett? Im Traumpalast in Leonberg steht genau das auf dem Programm. Hier lernen sich Singles bei einem Blind Date im Bettenkino kennen. Für Jenni und Chris aus Weilimdorf begann dort ihre Liebesgeschichte.
Herzballons schweben im roten Licht der Kinolobby, auf den Stehtischen sind Rosenblätter verstreut. Der Traumpalast Leonberg verwandelt sich für einen Abend in eine romantischen Treffpunkt. Allerdings mit einem besonderen Twist: Es geht um Blind Dates. Keines der siebzehn Paare, die an diesem Abend im Kino verabredet sind, hat sich zuvor gesehen. Und trotzdem gehen alle miteinander ins Bett. So sind die Regeln im Bettenkino – ein Saal im Traumpalast, wo es statt Kinosesseln große Liegen gibt.
Timur ist aufgeregt. Er hat einen Strauß Blumen mitgebracht und behutsam unter seinem Barhocker deponiert. Jetzt heißt es warten. Den Namen seines Dates kennt er bereits, er steht auf einem kleinen Zettel an seinem Tisch: Timur + Leah. Mit den Fingern fährt er sich durch sein braunes Haar, sein Blick wandert immer wieder verstohlen zum Treppenaufgang. Dort kommen die potenziellen Date-Partner an, melden sich am Tresen, bekommen ein Glas Sekt – vielleicht gegen die Nervosität – und werden dann ihrem Date vorgestellt.
Das Aus für Tinder & Co?
Der 26-Jährige ist zum ersten Mal bei einem Blind Date, so wie die meisten hier. „Online-Dating ist nicht mein Ding“, sagt er. „Bisher habe ich dort eher schlechte Erfahrungen gemacht und irgendwie stresst es mich.“ Timur ist nicht der einzige, der dem Dating im Netz abgeschworen hat. Online-Dating steckt in der Krise, es hat sich ausgetindert. Die Nutzerzahlen sind seit Jahren rückläufig, vor allem unter jungen Menschen. Studien, darunter eine der britischen Medienaufsichtsbehörde, zeigen einen deutlichen Rückgang bei den vier größten Datingplattformen. Viele empfinden das endlose Swipen als ermüdend. Oberflächliche Begegnungen, unverbindliche Chats und das Phänomen des „Ghostings“ sorgen für Frustration – also der plötzliche Kontaktabbruch. Viele sehnen sich wieder nach echten Begegnungen. Fernab von Algorithmen und Bildschirmtexten.
Kino statt swipen
Der Traumpalast setzte genau auf diese Sehnsucht. Kino-Mitarbeiterin Tamara Schneider und ihre Kollegin Nathalie Neumann riefen die Blind Dates im Bettenkino ins Leben. Das erste Event im November 2022 in Leonberg war ein Erflog. Inzwischen findet das Blind Date zum siebten Mal statt und fast 400 Singles haben sich beworben, von Frankfurt bis Ulm. „Mit so einem Erfolg haben wir nicht gerechnet“, sagt Tamara Schneider.
Um sich zu bewerben, wird ein Fragebogen ausgefüllt, den Schneider und Neumann selbst entworfen haben. Neben Alter und Interessen zählen auch die Kinovorlieben. Lieblingsfilm, Schauspieler und natürlich die bevorzugte Bettseite. Die Date-Auswahl, übernimmt das Team persönlich. „Wir schauen uns jede einzelne Bewerbung genau an und versuchen, passende Paare zusammenzubringen“, erklärt Schneider. Der Abend des Blind Dates selbst läuft immer gleich ab. In der Kinolobby begegnen sich die Paare zum ersten Mal, bei einem Glas Sekt bleibt Zeit für ein erstes Kennenlernen. Dann heißt es: Film ab! Eine Altersgrenze gibt es keine. „Der jüngste Teilnehmer war 18, der älteste 64 Jahre. Manche bewerben sich auch mehrfach“, sagt Schneider. Wenn es beim ersten Mal nicht gefunkt hat, vielleicht ja beim zweiten oder dritten Mal.
Liebe auf den ersten Blick?
Auch Erfolgsgeschichten gibt es schon. Eine davon ist die von Jenni und Chris. Für Chris war es nicht der erste Anlauf, vier Mal war er in Leonberg beim Blind Date. Seine Schwester entdeckte im November 2022 den Bewerbungsaufruf des Traumpalasts in den sozialen Medien und schickte ihm den Link. Spontan entschied er sich mitzumachen. Aber irgendwie war der Wurm drin. Immer kam etwas dazwischen, eine Date-Partnerin wurde krank, eine andere sagte kurzfristig ab. Beim vierten Mal traf Chris dann auf Jenni. „Ich war schon ziemlich aufgeregt. Aber bei diesem Mal hatte ich irgendwie ein gutes Gefühl“, sagt Chris. Jenni, die extra aus Heilbronn angereist war, ging cool an die Sache heran. „Meine Kollegen meinten: ‚Bist du des Wahnsinns?’ Aber für mich war es kein großes Ding. Was gab es schon zu verlieren? Es war ja nur ein Abend“, erinnert sie sich.
Und es wurde ein ganz besonderer Abend. Der Film geriet schnell zur Nebensache, stattdessen lachten und redeten sie stundenlang. Nach dem Film tauschten sie Nummern aus und schrieben sich in der gleichen Nacht bis in die frühen Morgenstunden. Das erste richtige Date folgte eine Woche später – Pizzaessen. Von da an ging alles sehr schnell. Inzwischen wohnen beide in einer gemeinsamen Wohnung in Weilimdorf. „So schnell kann es gehen, man muss sich einfach trauen“, lacht Jenni. Hin und wieder schauen die beiden bei den Blind-Date-Events im Kino vorbei, auch als Paradebeispiel, dass ein Blind Date funktionieren kann. „Wir wollen Hoffnung machen, dass es wirklich klappen kann“, sagt Chris. Wer weiß, vielleicht ja auch bei Timur und Leah.
Wer jetzt Lust auf ein Blind Date im Kino bekommen hat, muss sich leider noch etwas gedulden. Die nächste Aktion findet wohl erst wieder im November statt. Auf der Internetseite des Traumpalast kann man seine E-Mail-Adresse hinterlassen, um sich über geplante Aktionen informieren zu lassen: www.leonberg.traumpalast.de