„Traumfrauen“: Karoline Herfurth, Palina Rojinski, Iris Berben und Hannah Herzsprung (v. li.) wollen es den Männer so richtig zeigen und haben doch Sehnsüchte Foto: Verleih

Weinende und naive Frauen verlieben sich und reden viel: Anika Decker, Drehbuchschreiberin für Til Schweigers Schmonzetten, setzt nun als Regisseurin ihre Traumfrauen – oder was sie dafür hält – mit fragwürdigen Kameraeinstellungen und Schnitten in Szene.

Filmkritik und Video zum Kinofilm "Traumfrauen"

Heiß umschlungen liegen sie auf seiner Dachterrasse, die einem kleinen Minigolfpark ähnelt, inmitten von 20 kleinen Hunden. Was ungefähr so realitätsfern ist, wie eine Frauen-WG, die nur aus Kleiderständern mit Retroklamotten besteht oder eine labile, unsichere Anwältin, die in einer angesagten Anwaltskanzlei arbeitet. Doch ­sogenannte „Traumfrauen“ machen all das möglich – zumindest bei Regisseurin und Drehbuchautorin Anika Decker.

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Nachdem sie Drehbücher für Till Schweigers Filme „Keinohrhasen“ und „Rubbeldiekatz“ geschrieben hat, wagt Decker sich nun an ihr Regiedebüt. Und setzt ihre Traumfrauen – oder was sie dafür hält – mit fragwürdigen Kameraeinstellungen und Schnitten in Szene. So sieht man beispielsweise zwei von vier Hauptprotagonistinnen – Hannah (Karoline Herfurth) und Vivienne (Palina Rojinski) – in einer Umkleidekabine stehen.

Sie unterhalten sich beide über ihr Gewicht, das sie jeweils für viel zu hoch halten. Die Kamera springt von Gesicht zu ­Gesicht, doch der jeweilige Ausschnitt ist unglücklich gewählt: Die Wand der Umkleidekabine ragt irritierend ins Bild. Währenddessen trauert Lennie (Hannah Herzsprung), die Freundin der beiden, ihrem ­Exfreund nach. Das selbe bei ihrer Mutter (Iris Berben): Sie weinen ständig – werden sie je wieder einen Mann finden?

„Ihr müsst einfach mit so vielen Männern wie möglich schlafen“, lautet Viviennes Antwort. Dumm nur, dass es bei Deckers Charakteren nicht so einfach ist. Ihre Protagonistinnen wirken naiv, zu sehr gespielt, und sie reden ununterbrochen. Joseph (Elyas M’Barek) und Guy (Doron Amit) bitten die frisch verlassene Lennie beim Daten sogar explizit darum, ihren Mund zu halten. ­Wenigstens die Männer wirken authentisch im Film – und mit ihren Männertipps Palina Rojinski, die sonst als Moderatorin oder Turnerin bekannt ist.

Dennoch wäre eine gut erzählte Geschichte mit weniger Protagonistinnen besser ­gewesen als eine mit vielen, die aufgeblasen und überinszeniert wirkt wie der Titel eines Films, der doch nur von verlassenen Frauen handelt, die sich letztlich neu verlieben. Ein bisschen ist der gesamte Film wie die Erklärung von Viviennes Freund (Frederick Lau) zu den 20 Hunden auf der Dachterrasse: „Ich konnte nur einen aus dem Tierheim mitnehmen, und dann haben sie sich halt vermehrt.“

Unsere Bewertung zu "Traumfrauen": 1 von 5 Sternen - lieber eine Alternative suchen!

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