Sabine Abrell ist Teamleiterin der Beratungsstelle. Foto: Bernd Zeyer

Die Traumaberatung in Zuffenhausen kümmert sich vor allem um Opfer von Gewalttaten. Ziel ist es, traumatisierten Menschen bei der Verarbeitung des Erlebten zu helfen und ihnen ein halbwegs normales Alltagsleben zu ermöglichen.

Zuffenhausen - Was für viele Menschen selbstverständlich und nicht der Rede wert ist, das ist für andere ein fast unerreichbares Ziel: Ein Leben ohne Ängste, belastende Erinnerungen oder massive Einschränkungen im Alltag. An Personen, die mit derartigen schweren Problemen zu kämpfen haben, richtet sich das Angebot der Opfer- und Traumaberatung im Gebäude Stammheimer Straße 19 in Zuffenhausen.

„Es ist eine herausfordernde Arbeit, mit auszuhalten, was manchmal kaum auszuhalten ist“, sagt Susanne Abrell. Die Diplom-Sozialpädagogin arbeitet zusammen mit zwei Kolleginnen in der Beratungsstelle. Der Träger ist das Seehaus, ein gemeinnütziger Verein, der im Bereich der Jugendhilfe, Kriminalprävention und Opferhilfe tätig ist und seinen Sitz in Leonberg (Kreis Böblingen) hat. Das Büro in Zuffenhausen gibt es seit Januar 2020, die Projektdauer ist zunächst auf fünf Jahre angelegt.

Bewegende Schicksale

Was eigentlich ist ein Trauma? Laut Duden handelt es sich dabei um „eine starke psychische Erschütterung, die im Unterbewusstsein noch lange wirksam ist.“ Die Spannweite der Auslöser ist dabei sehr groß: ein Übergriff, sexuelle Belästigung oder eine Gewalttat zählen ebenso dazu wie Vernachlässigung, eine Fluchterfahrung oder ein Unfall. Die Zuffenhäuser Beratungsstelle kümmert sich vor allem um Opfer von Straftaten, doch auch Geflüchtete zählen zum Klientel. Trotz Corona gab es für die drei Mitarbeiterinnen (sie bilden zusammen eine 100-Prozent-Stelle mit 40 Wochenstunden) im Jahr 2020 eine Menge zu tun: In 693 Gesprächen wurden 121 Menschen beraten.

Die Schicksale, mit denen Abrell und ihre Kolleginnen konfrontiert werden, sind oftmals sehr bewegend.Beispielsweise das einer Frau, die von ihrem Mann so schwer verletzt wurde, dass sie mehrere Tage lang ins Krankenhaus musste. Obwohl ein Gericht gegen den Gewalttäter ein Annäherungsverbot verhängte, traute sich das Opfer kaum noch aus dem Haus. Im Rahmen einer anderthalbjährigen Beratung lernte die Frau, nach und nach wieder auf sich selbst und ihre Fähigkeiten zu vertrauen.

Hilfe bei der Verarbeitung des Erlebten

„Ein Trauma ist Teil des Lebens und hat Bedeutung“, erläutert Abrell. Ihre Aufgabe sei es vor allem, den Geschädigten bei der Verarbeitung des Erlebten zu helfen, das Trauma sozusagen ins Leben des Opfers zu integrieren. Manche Menschen würden schneller damit fertig, bei anderen sei es ein langer Prozess. Zur Beratungsstelle können Personen jeden Alters und jeder Nationalität kommen, bei Bedarf werden Dolmetscher hinzugezogen.

Wenn man Abrell nach ihrer Motivation fragt, dann denkt sie einige Sekunden nach, bevor sie antwortet: „Ich finde es gut, mich auf einen Menschen einzulassen, Zeit für ihn zu haben und ihm nicht ein Programm überzustülpen.“ Mitleid wäre der falsche Weg, eher sei Empathie gefragt. Die großen Sorgen und Nöte der Patienten sollten am besten im Büro bleiben und nicht mit heim genommen werden: „Normalerweise gehe ich hier zur Tür raus und weiß, ich habe getan, was ich konnte“, so Abrell.

Wegen der Pandemie musste das Büro zeitweise geschlossen werden, stattdessen gab es Videochats und Telefonate. Die Themen während der bisherigen Coronazeit waren laut Abrell die gleichen wie sonst auch. Die häusliche Gewalt sei nur sehr moderat angestiegen. Mehr Probleme habe es hingegen bei Menschen gegeben, die eigentlich bereits stabil gewesen seien, denen dann aber – beispielsweise wegen Arbeitsplatzverlust oder Kurzarbeit – die Tagesstruktur weggefallen sei.

Gut zuhören und genau abklären, was die Menschen erwarten, so beschreibt Abrell ihre Vorgehensweise. Im Idealfall wüssten die Patienten dann später selbst, wann sie keine Unterstützung mehr brauchen.

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