Die gemeinsame Zeit von Michel Jung und Sam ist vorbei. Foto: AFP

Der Doppel-Olympiasieger Michael Jung aus Horb hat für einen hohen sechsstelligen Betrag einen Nachfolger für sein legendäres Pferd Sam gefunden. Nach einem verkorksten Jahr 2018 will der 36-jährige Reitstar jetzt wieder angreifen.

Stuttgart - Seit knapp zwei Tagen steht im Stall der Reiterfamilie Jung im Horber Ortsteil Altheim ein neues Pferd – allerdings nicht irgend eines: Es ist der elfjährige braune Hannoveraner Chipmunk, eines der herausragenden Klassepferde in der internationalen Vielseitigkeit, dem Dreikampf aus Dressur, Geländeritt und Springen. Joachim Jung, Vater und Trainer des erfolgreichsten Buschreiters der Welt, sagte unserer Zeitung: „Michael und ich sind dankbar und glücklich darüber, dass es gelungen ist, dieses Pferd in Deutschland zu halten und den möglichen Verkauf ins Ausland abzuwenden.“

Die Turniersaison 2018 möchte Michael Jung, Olympiasieger von London und Rio, am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen: „Ich hatte gehofft, dass unser Sam noch einige Wettkämpfe gehen kann, um dann aus dem Sport verabschiedet zu werden, leider war er mit seinen 18 Jahren nicht ganz fit, sodass seine Karriere so zu Ende ging.“ Weil auch Jungs erfolgreiche Stute Fischerrocana leicht verletzt war, musste der Weltmeister von 2010 auf den Start bei den Weltreiterspielen in Tryon/USA verzichten – zum ersten Mal seit 2009 stand Jung bei einem wichtigen Championat nicht in der deutschen Equipe. Das Pech blieb dem 35-jährigen Profi mit dem Ehrentitel „Reitmeister“ an den Stiefeln kleben: Im Herbst stürzte er bei der WM für die Nachwuchspferde in Frankreich schwer, erlitt einen Schulterbruch, musste wochenlang pausieren.

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Als Michael Jung, der mittlerweile zu den zehn führenden Springreitern in Deutschland zählt, mit seinen Toppferden die Hallenturniere bestritt, kursierte in der Reiterszene das Gerücht, der kompletteste Reiter der Welt werde womöglich bald von der Vielseitigkeit ganz in den Springsport wechseln. Am Rande der WM in den USA hatte der deutsche Reiterpräsident Breido Graf Rantzau schon geunkt: „Hoffentlich bleibt er uns als Topreiter in der Vielseitigkeit noch lange erhalten.“ Jetzt zeigt sich, dass der Reiterverband maßgeblich daran beteiligt war, das neue Spitzenpferd, ausgebildet und erfolgreich geritten von der Berufsreiterin Julia Krajewski, für Michael Jung zu sichern.

Zum Hintergrund: der Vertrag zwischen der in Warendorf ansässigen Krajewski und dem Besitzer des Pferdes, Hilmer Meyer-Kulenkampff, endete im Oktober, seitdem stand der Wallach zum Verkauf, dem Vernehmen nach war das Interesse aus dem Ausland hoch. Krajewski sagte jetzt: „Es ist für jeden Reiter traurig , wenn solch ein Pferd aus dem Stall geht.“ Immerhin ist die 30-jährige am Verkaufserlös beteiligt. Neue Besitzer sind der Verband, Jungs Freund und Sponsor Klaus Fischer sowie der bisherige Besitzer. Über die Kaufsumme, die im hohen sechsstelligen Bereich liegen dürfte, wurde Stillschweigen vereinbart.

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Michael Jung erklärte gestern: „Ich werde Chipmunk zunächst in leichteren Wettkämpfen satteln, die Orte sind noch offen. Wir müssen uns erst aneinander gewöhnen. Mein sportliches Ziel sind natürlich die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.“

Hinweis: Der Name des neuen Pferdes von Michael Jung bedeutet übersetzt „Streifenhörnchen“. Die wohl bekanntesten Streifenhörnchen sind die Disney-Figuren A- und B-Hörnchen.

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