Vincent Cassel in „Trance – Gefährliche Erinnerung“. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. Foto: Twentieth Century Fox

In Danny Boyles Psychothriller „Trance – Gefährliche Erinnerung“ verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Übersinn.

Stuttgart - Die Ganoven glauben ihm nicht: „Weiß doch jeder, dass Amnesie eine Erfindung ist“. Doch selbst unter blutiger Folter erinnert sich der Kunstauktionator Simon (James McAvoy) nicht an das Versteck des von ihm gestohlenen, Millionen Pfund schweren Gemäldes: Goyas „Der Flug der Hexen“. Kein Zufall: das Bild zeigt drei Hexen, die einen Menschen gegen seinen Willen in die Lüfte reißen. Am Boden versteckt sich ein Mann unter einem großen weißen Tuch. Ebenso hilflos ist Simon, dessen Erinnerungslücke seine kriminellen Geschäftspartner verärgert. Eine Hypnotiseurin soll da helfen.

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Der Regisseur Danny Boyles („Slumdog Millionär“, „Trainspotting“), der die Produktion von „Trance – Gefährliche Erinnerung“ unterbrechen musste, weil er zwischenzeitlich als künstlerischer Leiter für den Ablauf der Eröffnungsfeier bei den Olympischen Spielen 2012 in London verantwortlich war, entführt in verwirrende Bilderwelten. Der Psychothriller kreist um die Gefahren und Möglichkeiten der Hypnose. Er konfrontiert sämtliche Figuren mit moralischen Fragwürdigkeiten und tief verwurzelten Instinkten – der Streifen erinnert an eine Art modernisierten Film Noir.

Simon hat nicht einfach vergessen, wo sich der Goya befindet – Bandenführer Franck hat ihm die relevante Erinnerung durch einen Schlag auf den Hinterkopf versehentlich aus dem Hirn geprügelt. Der Schauspieler Vincent Cassel verwandelt die Figur des Franck mit fortschreitender Dauer des Films vom harten Hund zum vielschichtigen Konterpart.

Danny Boyle serviert einen Ebenensalat vom Feinsten

Rosario Dawson gibt die auf den ersten Blick züchtig wirkende Hypnotherapeutin Elizabeth. Überzeugend begleitet sie Simon mit ruhigem Timbre in die Tiefen seiner ­Psyche – er zählt zu den fünf Prozent der Menschheit, die als hochsuggestibel gelten, also besonders anfällig für Hypnose sind. Bald sind der Hypnotisierte wie auch die Gangster von Elizabeth abhängig, sie etabliert sich als mächtige, lenkende Femme ­fatale. Allmählich verschwimmen die Grenzen zwischen Sein, Schein und Wahn. Das Abtauchen in verschiedene Bewusstseinsstufen öffnet die Türen zu unvorhersehbaren Wendungen und eiskalten Überraschungen: Danny Boyle serviert einen Ebenensalat vom Feinsten, angemacht mit Action, Sex und der zunehmend angespannteren Dreiecksbeziehung der Protagonisten. McAvoy, Cassel und Dawson geben im Wechsel ungeahnte Seiten ihrer Charaktere preis. Irgendwann ist keiner mehr, was er zu sein scheint.

Etwas überdramatisiert erscheinen allerdings die Möglichkeiten der Unterbewusstseinskontrolle. Fraglich, ob diese tatsächlich derart grenzenlos sind wie „Trance“ stellenweise suggeriert. McAvoys Simon kann irgendwann nicht mehr sicher sein, für wen, aus welchem Grund und ob er eigentlich gerade seine Schusswaffe abgefeuert hat. Dem Gesamtwerk tut das keinen Abbruch: Wie bei Goya ist eben auch die von Danny Boyle erzählte Geschichte eine Grenzwanderung zwischen Wirklichkeit und Übersinn.

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