Akrobatik pur: Tim-Oliver Geßwein bei der Junioren-WM im Vorjahr in Sofia Foto: priva

Nur noch ein Schritt bis zum großen Ziel: Beim Filder-Pokal in Ruit will Trampolinturner Tim-Oliver Geßwein das Ticket für die Junioren-WM in den USA lösen.

Ostfildern-Ruit - Es ist ein lohnendes Urlaubsziel – Dayton Beach in Florida hat einiges zu bieten. Sonne das ganze Jahr über, die weltberühmte Autorennstrecke, 37 Kilometer feinster Sandstrand, ein Eldorado für Schwimmer und Surfer. Das alles hat seinen Reiz, auch für Tim-Oliver Geßwein. Doch statt an den Beach zieht es den 18 Jahre alten Trampolinturner ins Ocean Center, wo im November die Junioren-WM stattfindet. Nur noch ein Schritt fehlt ihm bis zum großen Ziel. Beim Filder-Pokal in Ruit an diesem Wochenende will Tim-Oliver Geßwein vom MTV Stuttgart sich für die WM qualifizieren.

Sehr selbstbewusst geht das Kraftpaket die Aufgabe an: „Ich will nach Daytona Beach. Dafür habe ich hart trainiert. Ich fühle mich fit und werde versuchen, meine Übungen sauber durchzuturnen.“

Die erste Norm hat Geßwein schon beim Landesturnfest in Freiburg Ende Mai geknackt. Souverän holte er sich dort den baden-württembergischen Meistertitel. Auch die Qualifikationsrunde in Cottbus vor 14 Tagen hat der Abiturient mit Bravour gemeistert. Die geforderten Schwierigkeiten im Vorkampf und im Finale waren für den Schützling von Landestrainer Yewgenij Sherman kein Problem.

Fünfmal die Woche fährt Tim-Oliver Geßwein von seinem Wohnort Waiblingen zum Training ins Landeszentrum der Sportschule Ruit. Der Spagat zwischen Schule und Hochleistungssport gelingt ihm. „Man braucht aber viel Disziplin und eine gute Organisation“, gibt Geßwein zu. Das Abitur hat er inzwischen in der Tasche, ein Studienplatz für Maschinenbau an der Fachhochschule Esslingen in Aussicht.

Fünf Jahre alt war Tim-Oliver Geßwein, als er in Schmiden mit dem Turnen angefangen hat. Mit acht Jahren trainierte er bereits im Kunstturnforum in Stuttgart. Als er es 2009 nicht mehr in den Kader schaffte, orientierte er sich um. „Ich war schon immer gut im Sprung und am Boden. Dann habe ich Trampolinturnen ausprobiert und es hat gepasst“, erzählt Geßwein.

Ein Sportart, die faszinierend ist und den Zuschauern den Atem raubt. Topathleten springen bis zu acht Metern hoch. Salti – vorwärts, rückwärts, doppelt, dreifach, sogar vierfach. Schrauben so schnell gedreht, dass der Beobachter Schwierigkeiten hat, mitzuzählen. „Und nach 20 Sekunden ist alles schon vorbei, denn nur so lange dauert die Übung“, erklärt Geßwein.

Trampolinturnen ist allerdings auch eine Hochleistungssportart, die in Deutschland kaum beachtet wird und bei der man eher draufzahlt, als etwas verdient. Ein Problem? Nicht für Tim-Oliver Geßwein: „Ich habe Spaß bei meinem Sport. Und das ist das Wichtigste.“

Doch er hat nicht nur Spaß, sondern auch Erfolg. Bei der Junioren-WM in der bulgarischen Hauptstadt Sofia letztes Jahr schrammten Geßwein und seine Synchronpartner Marcus Sickmöller (Salzgitter) mit Platz vier an einer Medaille vorbei. Im Einzel belegte der MTV-Turner Platz neun. In Dayton Beach will er zulegen und sich für den Bundeskader der Erwachsenen empfehlen. „Das ist der nächste Schritt“, sagt Geßwein. Ein Schritt, der zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro 2016 führen könnte. Im Förderungsteam Rio der Sportregion Stuttgart ist er schon, doch dass es für die Spiele in Brasilien reicht, bezweifelt er. „Ich denke, das kommt für mich etwas zu früh. Es gibt nur einen Startplatz für Deutschland und die Konkurrenz ist groß. Sie ist mir in Technik, Erfahrung und Schwierigkeit voraus.“ Der Blick geht weiter. 2020 finden die Spiele in Tokio statt. Da wäre der Akrobat der Lüfte 24 und im besten Alter, um für Furore zu sorgen.

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