Das Trampolin verleiht MTV-Turner Immanuel Kober Flügel Foto: Baumann

Akrobatische Höchstleistungen in acht Metern Höhe – das ist Trampolinturnen. In Perfektion wird dies bei der WM zu sehen sein. Immanuel Kober hat sich viel vorgenommen. Dass er überhaupt dabei sein kann, ist ein kleines Wunder.

Stuttgart - Es ist noch gar nicht so lange her, da war Immanuel Kober (22) eigentlich schon draußen – draußen aus dem Nationalkader und draußen aus dem Leistungssport. 2007 und 2012 zog er sich jeweils einen Kreuzbandriss zu, 2011 fiel er wegen einer Verletzung am Meniskus aus. „Sein linkes Knie hat ihn im Prinzip drei Jahre gekostet“, sagt Bundestrainer Michael Kuhn.

Dass er bei der an diesem Freitag in Daytona Beach (USA) beginnenden Weltmeisterschaft im Einzel- sowie im Synchronwettbewerb auf dem Trampolin stehen wird, daran haben nicht viele geglaubt. Immanuel Kober miteingeschlossen. „Nach dem ersten Kreuzbandriss habe ich schon überlegt, wie es weitergeht“, sagt der junge Mann aus Esslingen.

Doch immer, wenn Kober seinen Kollegen beim Training und den Wettkämpfen zugeschaut hat, packte ihn wieder sein Traum vom Fliegen. „Ich wollte da einfach wieder rauf und springen.“ Reha, Aufbautraining, das Vertrauen in das kaputte Knie wiedergewinnen: „Immanuel hat wirklich alles dafür getan zurückzukommen“, sagt Kuhn. „Es ist wirklich erstaunlich, dass er diesen Sprung geschafft hat.“

Jetzt ist er wieder da.

In den vergangenen Monaten hat Kober den Schwierigkeitsgrad seiner Übung aufgestockt. Von 15,6 auf 16,5 – beim Skispringen entspräche das Metern. Und er hat ein Element integriert, das nicht viele auf der Welt beherrschen. „Halb-ein Triffis gebückt“ heißt es. Dahinter stecken vereinfacht ausgedrückt ein Dreifach-Salto und viel Rotation. „Bei der WM will ich meine Übung einfach nur sauber turnen und meine Leistungen aus dem Training bestätigen“, sagt Kober. Klappe dies, passe auch das Ergebnis bei seinem ersten Weltturnier bei den Männern. Von der Weltspitze mit Schwierigkeiten von etwa 17,1 ist Kober zwar noch ein bisschen weg – aber die Topathleten sind nicht mehr uneinholbar.

Den Abstand weiter zu verkleinern ist ­Kobers Ziel. Will er seinen Traum von den Olympischen Spielen 2016 verwirklichen, muss er das auch, denn in Rio de Janeiro startet nur ein sehr kleines Teilnehmerfeld. Wer mit darf, entscheidet sich frühestens im nächsten Jahr, und bis dahin muss Immanuel Kober vor allem eines: Erfahrung sammeln.

Laut Bundestrainer Kuhn ist er zwar wieder mindestens auf dem Leistungsstand, den er vor seinen Verletzungen hatte. Aber eines fehlt seinem Athleten noch: Routine auf Weltniveau. Die ist fürs Trampolinturnen jedoch ebenso wichtig wie die richtige Höhe. Ein vor Aufregung wackliges Knie, ein falscher Gedanke in der Luft – und das könnte es gewesen sein. „Kleine Fehler können riesige Auswirkungen haben. Und auf dem Trampolin gibt es keine Wiederholung“, erklärt Kuhn. Alles drum herum auszublenden ist nicht einfach. Deshalb begleitet ein Psychologe das Team regelmäßig – auch in den USA.

Kober hat noch ein anderes Rezept: Fliegen. Wenn er nicht selbst bei Salti und Schrauben durch die Halle fliegt, lässt er Flugzeuge in die Luft steigen. Beim Modellbau. „Ich finde es spannend, an etwas zu arbeiten, das am Ende fliegt“, sagt Kober. Für ihn ist es die perfekte Abwechslung zum Training. „Mich hat schon immer alles fasziniert, was mit Fliegen zu tun hatte“, sagt Kober und ergänzt: „Ich denke auch darüber nach, ein Maschinenbaustudium zu beginnen.“ Zurzeit kann er sich dank der Sportfördergruppe der Bundeswehr aber ganz auf seinen Sport konzentrieren – und auf den Traum vom Fliegen.

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