Fernziel Rio: Trampolinspringerin Leonie Adam aus Filderstadt Foto: Getty

Leonie Adam aus Filderstadt ist die einzige weibliche deutsche Teilnehmerin bei den Trampolin-Weltmeisterschaften in Dänemark. Ihr Ziel ist die Qualifikation für Rio.

Stuttgart - Sie ist alleine unter Männern. Angst hat sie nicht. Warum auch, schließlich reist Leonie Adam gemeinsam mit den Nationalmannschaftskollegen zu vielen Wettkämpfen. So steht die Filderstädterin als einzige Frau im deutschen Aufgebot für die 31. Weltmeisterschaft im Trampolin-Springen, die vom 26. bis 29. November im dänischen Odense stattfindet. Adam kann somit nicht im Synchronspringen antreten: „Darauf zu verzichten ist schade, wir können uns nicht für die Worldgames qualifizieren“, bekennt die 22-Jährige, „aber ich konzentriere ich mich voll aufs Einzel.“ Die vier Männer, die sie begleiten, können im Einzel und im Synchronspringen antreten. Der Stuttgarter Lokalmatador Immanuel Kober fehlt, er steht auf Abruf bereit.

Mit Blick auf die Rekordteilnehmerzahl von 250 Athleten aus 40 Nationen rechnet Bundestrainer Michael Kuhn nur mit Außenseiterchancen. „Bei der Wahnsinns-Konkurrenz aus China, Russland, Japan und Weißrussland muss schon alles passen.“ Das Ziel lautet, Leonie Adam und zwei der männlichen Kollgen unter die besten 24 zu bringen, was zur Teilnahme an der Qualifikation für die Olympischen Spiele berechtigt. Die acht Finalisten von Odense sind direkt in Rio dabei. In Dänemark werden die Weichen für Olympia gestellt: „Die WM ist der Kompass“, stellt Kuhn klar.

Skeptisch stimmen ihn die Ergebnisse bei den deutschen Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften, die vor einigen Wochen in Cottbus und Willich stattfanden: „Da waren wir nur ansatzweise fit“, bemängelt Kuhn. Zu viele Patzer leisteten sich die Nationalturner. Der Bundestrainer stellt lieber die Ergebnisse aus dem Weltcup in den Vordergrund: „Da war die komplette Konkurrenz da. In Frankreich und Spanien lief es gut.“ Die Plätze neun und 13 errangen die Männer.

Leonie Adams Kür ist mit zehn Doppelsalti und Schrauben gespickt

Trotzdem ist es wichtig, in Normalform zu kommen: „Die Turner sollen ihre gewohnte Trainingsleistung umsetzen“ – dann ist der Bundestrainer zufrieden. Nichts Besonderes wurde einstudiert: „Wir gehen keine Risiken ein und turnen das, was wir schon längere Zeit vorbereiten.“ Er rät seinen Athleten, sich keine unnötigen Gedanken zu machen: „Sie sollen nicht nach den anderen schauen. Das sind Faktoren, die sie nicht beeinflussen können.“ Doch die Mannschaft versteckt sich nicht: Komplizierte Dreifachsalti eröffnen die Kür der Männer. Leonie Adam wird zehn verschiedene Doppelsalti und Schrauben zeigen. „Leonies Kür ist schwer“, so Kuhn.

Die Athletin sieht sich jedenfalls auf Kurs: „Die Vorbereitung läuft gut“, berichtet Leoni Adam. Ihr Ziel ist die Halbfinalteilnahme. Auch die 22-Jährige möchte die Chance wahrnehmen, sich für Olympia zu qualifizieren. Auch, wenn die Aufmerksamkeit dem Tagesgeschäft gilt: „Der Blick nach Rio geht zu weit, ein Schritt nach dem anderen“, sagt die Sportlerin.

Eine Woche nach der WM finden ebenfalls in Odense die Titelkämpfe der Jugend statt. Zwölf Mädchen und 15 Jungen gehen vom 3. bis 6. Dezember bei der World Age Group Competition (WAGC) für Deutschland an den Start, darunter Selina Staiber vom MTV Stuttgart. Beim ersten internationalen Auftritt im spanischen Valladolid im September landete die 14-Jährige überraschend auf Platz zwei im Synchronspringen. Junioren-Bundestrainer Jörg Hohenstein steckt die Ziele niedrig: „In erster Linie geht es um persönliche Bestleistungen“ und darum, Erfahrung zu sammeln.

Das hat auch Leonie Adam getan. 2010 war sie Elfte bei der Jugend-WM in Metz. Vielleicht tritt eine ihrer Nachfolgerinnen in ihre Fußstapfen. Damit bald wieder mehrere Frauen in der Nationalmannschaft vertreten sind und auch wieder ein Synchronspringen möglich ist. Leonie Adam wäre bereit.

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