Noch ohne Neuzugang ist der VfB Stuttgart in die Vorbereitung auf die kommende Saison gestartet. Die Verantwortlichen sind dennoch zuversichtlich – nicht zuletzt wegen teaminterner Rückkehrer.
Ein bisschen scheint es, als könnten die Profis des VfB Stuttgart die Rückkehr auf den Platz nach mehreren fußballfreien Wochen kaum erwarten. Mehrere Minuten früher als eigentlich angekündigt betreten Waldemar Anton und Co. am Montagnachmittag den Rasen auf dem Vereinsgelände, der sie frisch gemäht und voll bestückt mit Hütchen und Stangen erwartet. Es folgt ein schnelles Winken zu den 400 anwesenden Fans, eine kurze Ansprache von Trainer Pellegrino Matarazzo – dann geht’s los mit der ersten Einheit der Saison, der noch viele weitere folgen werden.
Nun ist ein solcher Aufgalopp ja meistens auch ein willkommener Anlass, um frisches Personal der interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dieser Part aber entfällt dieses Mal: Erstmals seit Jahren gibt es beim VfB zum Trainingsstart keinen einzigen Neuzugang zu sehen, die Verhandlungen auf dem Transfermarkt nehmen in diesen Tagen nur schleppend Fahrt auf.
Zwei Talente aus der eigenen Jugend rücken in den Profi-Trainingskader
So ganz ohne neue Gesichter findet der Auftakt aber auch in diesem Sommer nicht statt. Gleich mehrere Hoffnungsträger für die kommende Spielzeit sind nach Verletzungen zur Mannschaft zurückgekehrt oder vereinsintern aufgerückt. Thomas Kastanaras und Laurin Ulrich zum Beispiel, die aus der U 19 respektive U 17 zum Trainingskader gestoßen sind und in ihrem ersten Training bei den Profis einen agilen Eindruck hinterlassen. Mittelstürmer Kastanaras zum Beispiel führt sich gleich mal mit einem ansatzlosen Pfostenschuss ein, der ihm ein anerkennendes Nicken von Coach Matarazzo an der Seitenlinie einbringt.
Wieder dabei ist auch Silas Katompa Mvumpa, der nach einer mehrmonatigen Verletzungspause das volle Trainingspensum absolviert. Und das mit flüssigen Bewegungen und ohne sichtbare Einschränkungen. Einmal sogar sorgt der Kongolese für anerkennendes Raunen, als er sich direkt vor den Zuschauern mit einer eleganten Ballbehandlung aus einer brenzligen Situation auf engstem Raum löst.
Silas Katompa Mvumpa soll eine wichtige Rolle in der neuen Saison einnehmen
„Silas kann wieder voll“, sagt Sportdirektor Sven Mislintat, während er die Einheit aus dem Augenwinkel beobachtet. In der kommenden Saison soll der 23-jährige Flügelspieler wieder eine wichtige Rolle bei den Weiß-Roten einnehmen. „Es ist gut, dass Silas gleich von Beginn an dabei ist“, betont Mislintat, „ich bin guter Dinge, dass wir ihn in der nächsten Saison wieder deutlich häufiger von Beginn an sehen werden.“
Nicht immer ist jedes Wort des Stuttgarter Sportchefs zu verstehen, manchmal wird es auch von den Kommandos auf dem Trainingsplatz übertönt. Dort geht es nach einigen Dehn- und Passübungen in mehreren Spielformen gleich ziemlich lautstark zur Sache. „Wir möchten das Bewusstsein schärfen“, erklärt Trainer Matarazzo im Anschluss, „gleich von Beginn an jeden Punkt ergattern zu wollen.“ In der Vorsaison hätten die vielen fahrlässigen Punktverluste am Ende fast zum Bundesliga-Abstieg geführt.
Der neueste Trend: Videobotschaften des Trainers
Nach 90 Minuten ist für die 21 Feldspieler und drei Torhüter das erste Training der Saison vorbei – noch nicht jedoch das Programm auf dem Platz: Die 400 Fans, darunter viele Kinder, haben noch Autogrammwünsche. Auf einige Profis müssen sie dabei verzichten: Philipp Klement und Wahid Faghir sind wegen Kniebeschwerden nicht bei der Auftakteinheit dabei, Youngster Ömer Beyaz und Keeper Florian Schock aufgrund einer Corona-Infektion. Dazu werden sechs Nationalspieler erst in der kommenden Woche wieder ins Training einsteigen.
Alle anderen Spieler aber nehmen sich fast eine halbe Stunde geduldig Zeit für den Anhang. Youngster Lilian Egloff zum Beispiel erkundigt sich nach der richtigen Schreibweise des Namens eines Fans, Trainer Pellegrino Matarazzo rückt die Mütze eines Anhängers zurecht, dass er auf dem Bild auch wirklich gut zu erkennen ist.
Der neueste Trend unter den Fans ist aber ein anderer: Videobotschaften. Alleine Matarazzo spricht eine deutlich zweistellige Zahl davon in verschiedene Handykameras, während er sich im Schritttempo die 100 Meter an der Bande entlang arbeitet. „Einer hat das angefangen mit den Videobotschaften, dann haben es alle anderen nachgemacht“, sagt der Trainer schmunzelnd. Gestört hat es ihn nicht: „Man sieht, wie viel Freude der Kontakt zu den Zuschauern macht. Das tut den Jungs gut, es tut den Fans gut, es ist eine Win-win-Situation.“