Tobias Vögtlin (rechts) zeigt Timo Differt, worauf es ankommt. Foto: /Frank Wahlenmaier

Gut fünf Kilo sollen die Deutschen in der Pandemie zugenommen haben. Das Geschäft mit dem Abnehmen boomt. Wir haben mit einem Experten darüber gesprochen.

Degerloch - Tobias Vögtlin, Sportwissenschaftler und Studioleiter des Tus fit in Stuttgart-Degerloch ist sich sicher: Die Coronapandemie hat in vielen Deutschen das hervorgerufen, was tief in ihnen schlummerte. Sie seien Bewegungsmuffel, und auch das Thema mit der gesunden Ernährung bleibe oft auf der Strecke. Das habe er zum Beispiel neulich bei einem Strandurlaub beobachtet. „Den Kindern werden vermehrt ungesunde Snacks wie Chips oder Süßigkeiten zu essen gegeben.“ Den im Ernstfall im Wasser benötigten Rettungsring würden sie so schon von ganz allein mitbringen, scherzt er.

 

Der Schlüssel zur gesunden Ernährung

Die Wurzel allen Übels liege in der Kindheit, ist er überzeugt. Wem im frühen Alter beigebracht werde, dass Fertigprodukte, Tiefkühlwaren und Co. eine vollwertige Mahlzeit ersetzen, „dem fällt es später schwer, diesen Bann zu brechen und seine Essgewohnheiten zu ändern“. Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung würde man allerdings einen riesigen Schritt in die richtige Richtung machen, um überschüssiges Körperfett zu verlieren.

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Was Vögtlin im Urlaub aufgefallen ist, bestätigte das Robert-Koch-Institut (RKI) in einer deutlichen Studie bereits vor Jahren. Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. Während der Lockdown-Phasen hat das Konzept des Homeoffice dann sein Übriges dazu getan. Laut einer Umfrage haben die Deutschen in der Pandemie bisher im Schnitt etwa fünf Kilogramm zugenommen. Der Experte erklärt sich das so: „Wenn selbst der tägliche Arbeitsweg wegfällt und der Kühlschrank in unmittelbarer Nähe ist, kann es schnell gefährlich werden“, sagt Vögtlin. Mit gefährlich meint er: ungesund.

Personal Trainer haben gut zu tun

Für viele Personal Trainer in und um Stuttgart ist das freilich gleichzeitig ein gefundenes Fressen. Wer nämlich den Gang in ein Fitnessstudio meiden und sich individuell coachen lassen möchte, der muss tief in die Tasche greifen. Im Schnitt kostet eine halbe Stunde personalisiertes Training um die fünfzig Euro – nach oben hin gibt es schier keine Grenzen. Ob solche Preise gerechtfertigt sind, dazu möchte sich der studierte Sportwissenschaftler nicht eindeutig äußern.

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„Es kommt immer auf die Qualifikation, die Erfahrung und bisherige Erfolge des Trainers an“, sagt er stattdessen. „Die Einheiten sind natürlich komplett auf den Kunden zugeschnitten, und meistens werden dabei auch Ernährungspläne mitgestaltet.“ Zum Vergleich: Die Mitgliedsbeiträge bei Fitnessstudios können bei 17 Euro pro Monat anfangen. Außerdem habe man hier die Möglichkeit, zu fast jeder Tageszeit und mit einem Trainingspartner herzukommen, um sich gegenseitig herauszufordern.

Kleine Wettkämpfe fördern Motivation

Allein dieser kleine Wettkampf würde bei vielen sowohl Motivation als auch Leistung steigern. „Wir bieten hier zwar kein Personal Training an, haben unseren Mitgliedern aber dennoch während der Lockdown-Phasen die Möglichkeit geboten, mit uns zu trainieren.“ Online über den Computer habe das stattgefunden. So habe man den Mitglieder auch den sozialen Austausch geboten, den sie normalerweise im Tus fit erfahren würden.

Einer, der das genutzt hat, ist Timo Differt. Der 43-jährige Wirtschaftsprüfer hat während der Pandemie von zu Hause aus gearbeitet, er sitzt viel am Schreibtisch. Das digitale Angebot des Fitnessstudios kam für ihn wie gerufen. „Ich spiele im Verein auch noch Tennis und wollte mich fit halten, sodass ich, wenn die Saison beginnt, nicht bei null anfangen muss“, sagt er.

Zwei Tipps vom Experten

Wer sich weder einen Personal Trainer leisten noch einen Vertrag bei einem Fitnessstudio abschließen möchte, kann auf zahlreiche Alternativen zurückgreifen. „Laufen gehen oder Fahrradfahren, damit kann jeder anfangen, und es kostet nichts“, sagt Tobias Vögtlin. Außerdem lädt beispielsweise die Stadt Stuttgart zu kostenlosen Sportangeboten, zu denen man sich unkompliziert anmelden kann.

Zusätzlich befindet sich beispielsweise neben dem Tus fit auf der Waldau in Stuttgart-Degerloch ein öffentlicher Sportpark. Zum Schluss gibt der Studioleiter noch zwei Tipps mit auf den Weg, um langfristige Erfolge verzeichnen zu können: „Schrittweise neue Ziele setzen und eine gewisse Trainingsroutine schaffen.“ Na dann, ran an den Speck.