Schalkes Trainer André Breitenreiter (li.) und sein möglicher Nachfolger Markus Weinzierl Foto: dpa

Schalkes Trainer André Breitenreiter kämpft um seinen Trainerjob, allerdings wohl vergeblich. Seine Ablösung dürfte ein mittelschweres Trainer-Beben in der Bundesliga auslösen.

Stuttgart - Wie viele Trainer in der Fußball-Bundesliga wackeln, welche Stühle im Sommer frei werden, wer wohin wechselt und wer warum nicht? Alles offen. Sicher scheint nur: André Breitenreiter (Schalke 04), Dieter Hecking (VfL Wolfsburg) und André Schubert (Borussia Mönchengladbach) sind angezählt, Markus Weinzierl (FC Augsburg) und Ralph Hasenhüttl (FC Ingolstadt) heiß begehrt. Der designierte Aufsteiger RB Leipzig sucht einen Chefcoach, der Ex-Gladbacher Lucien Favre ist für Offerten empfänglich, doch zusammenkommen werden sie nicht. Wer löst den Domino-Effekt aus? Fällt ein Stein, fallen viele andere mit.

Schalke 04: André Breitenreiter stand im Kreis seiner Spieler und zuckte mit den Schultern: ratlos, hilflos – und bald arbeitslos? Für Königsblau geht es nach dem verrückten 393-Sekunden-K.-o. gegen Bayer Leverkusen (2:3 nach 2:0) nur noch um Schadensbegrenzung und die Frage, ob die Knappen schon Ende Juli in der Europa League ran müssen. Bleiben sie Siebter, steigen sie schon am 28. Juli in der dritten Qualifikationsrunde ein. Klettern sie auf Rang sechs, sind sie erst am 15. September in der Gruppenphase dran. So oder so: Für einen Club, der wie selbstverständlich die Teilnahme an der Champions League für sich reklamiert, ist das zu wenig. Was auf André Breitenreiter (42) zurückfällt. Der Coach, erst vor der Saison vom Absteiger SC Paderborn verpflichtet, steht vor dem Aus: Nach der Führung durch Eric Maxim Choupo-Moting (14.) und Leroy Sané (29.) fegte Bayer „wie ein ICE über Schalke hinweg“, sagte Julian Brandt, der mit dem 1:2 (54.) die Wende mit den weiteren Treffer durch Karim Bellarabi (56.) und Javier Hernandez (60.) einleitete. Der sportliche Einbruch barg alle Schalker Unzulänglichkeiten dieser Saison in sich, weshalb der Rückhalt für Breitenreiter, wenn überhaupt, spärlich ausfällt. Solange er die sportliche Verantwortung trage, sagte Sportvorstand Horst Heldt, „ist André unser Trainer und bleibt es auch“. Dumm nur, dass Heldt am Saisonende seine Zelte auf Schalke abbrechen muss. Dann kommt Christian Heidel vom FSV Mainz 05, und der gilt als Fan von Markus Weinzierl (41), der vor der Saison nur deshalb auf Schalke nicht den Breitenreiter machte, weil ihm der FC Augsburg keine Freigabe erteilte. Kommt Weinzierl, müsste Schalke für ihn vier bis fünf Millionen Euro Ablöse zahlen und Breitenreiter mit zwei Millionen Euro abfinden. Bleibt Weinzierl beim FCA, rückt bei Schalke Ralph Hasenhüttl (48) vom FC Ingolstadt in den Fokus. Eine angebliche Interimslösung sieht Mike Büskens, Schalkes Uefa-Cup-Sieger von 1997 und aktuell Sportbeirat, bis Saisonende vor. „Ich kann sagen, dass das nicht der Plan ist“, sagte Horst Heldt – zumindest nicht sein Plan. Ach ja, Breitenreiter müsste sich wohl nicht lange grämen. Er soll schon Kandidat bei Hannover 96 sein, falls dort Daniel Stendel gehen muss und Mirko Slomka nicht zurückkehrt.

FC Augsburg: Manager Stefan Reuter weiß, dass er Weinzierl kaum halten kann, deshalb sagt er wachsweich: „Ich gehe aktuell davon aus, dass er auch nächste Saison unser Trainer ist. Aber wir beschäftigen uns aktuell nicht damit.“ Lauter wichtige Worte, das wichtigste lautet: aktuell. Was morgen ist, lässt er bewusst offen. Allerdings steht für Weinzierl angeblich schon Markus Kauczinski bereit, der seinen Vertrag beim Zweitligisten Karlsruher SC nicht verlängert hat.

FC Ingolstadt: Manager Thomas Linke verweist auf den Vertrag von Ralph Hasenhüttl (bis 2017). „Er ist bei uns am richtigen Ort“, sagt er. Hasenhüttl ist da nicht so sicher, er weiß um das Interesse aus Schalke und von RB Leipzig und sagt: „Ich möchte es schon diese Woche geklärt haben.“

VfL Wolfsburg: Der VW-Club legt zurzeit eine Bruchlandung hin. Mit zurzeit 39 Punkten bleibt die internationale Teilnahme wohl Wunschtraum. Über das eine sensationelle Spiel gegen Real Madrid im Viertelfinale der Champions League (2:0) redet niemand mehr, umso mehr über Dieter Hecking (51). „Die Trainerfrage ist absolut berechtigt“, sagte er nach dem sechsten sieglosen Spiel in Serie (0:2 gegen den FC Augsburg) und verwies auf Sportchef Klaus Allofs: „Mit ihm ist alles besprochen.“ Dass er bleiben darf – oder gehen muss?

Borussia Mönchengladbach: André Schubert (44) hat auf dem Papier eine Jobgarantie. „Der Trainer wird die Zeit bekommen, seine Ideen umzusetzen“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Allerdings soll Schuberts Rückhalt im Verein bröckeln. Auch am Niederrhein kursiert der Name Weinzierl.

RB Leipzig: Ralf Rangnick hört als Trainer auf. Klar ist, dass der vereinslose Lucien Favre ihn nicht ablöst. Sein Nachfolger, sagte Rangnick (57), werde „schon ein bisschen jünger sein als ich“. Favre ist 58. Gespräche mit Weinzierl zerschlugen sich. Als Favorit gilt Hasenhüttl, der von einem Treffen mit Rangnick mit dem Hinweis ablenkte, er habe auch mit anderen Clubs gesprochen.

Das passt ins Bild: Vieles ist im Fluss, (fast) nichts scheint unmöglich, alles wartet auf das große Stühlerücken – wer wagt sich als Erster aus der Deckung?

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