Applaus: Trainer Sebastian Hoeneß steht mit der TSG Hoffenheim an der Spitze Foto: imago//Ralf Poller

Trainer Sebastian Hoeneß steht mit der TSG Hoffenheim nach dem 4:1-Sieg gegen den FC Bayern an der Spitze – aus guten Gründen. Der Neffe von Uli Hoeneß hinterlässt einen blendenden ersten Eindruck in der Bundesliga.

Stuttgart/Sinsheim - Sebastian Hoeneß hatte einen guten Lehrmeister, was das Feiern nach einem Sieg angeht. Hermann Gerland, Co-Trainerikone des FC Bayern, hatte ja einst nach dem Triplegewinn der Münchner im Jahr 2013 schon Jupp Heynckes davon überzeugt, „die Sau rauszulassen“, da irgendwann der Sensenmann komme. Auch auf Hoeneß, den ehemaligen Trainer des FC Bayern II, hatte Gerland in München offenbar nicht nur aus sportlicher Sicht einen Einfluss. „Das muss man auch mal auskosten“, sagte Hoeneß also in bester Gerland-Manier nach dem 4:1 der TSG Hoffenheim über die Bayern, denn: „Hermann hat uns das immer mit auf den Weg gegeben: Dass man einen Erfolg auch genießen muss.“

Hoeneß also feierte einen Sieg gegen den FC Bayern. Das klingt mit Blick auf knapp 50 Jahre Hoeneß-Geschichte und Geschichten in München unwirklich, ist es aber nicht. Denn der Hoeneß mit dem Vornamen Sebastian, das sagte schon sein früherer Mentor Ralf Rangnick, will „als Sebastian wahrgenommen werden“. Und nicht als der Mann mit dem berühmten Nachnamen – als der Mann, der er ja auch ist: der Neffe von Bayern-Ehrenpräsident Uli und der Sohn von Ex-Stürmer Dieter.

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Als dritter Hoeneß im Bunde aber kann man qua riesiger Erwartungen irgendwann eh nur scheitern, so oder so ähnlich sieht das Sebastian Hoeneß, der sich, wenn man so will, nur mit seinem Vornamen einen Namen machen will.

Vom Scheitern aber, da kann der neue Hoffenheimer Coach beruhigt sein, ist er aktuell weit entfernt. Denn der 38-Jährige grüßt nach dem Coup gegen die Bayern, deren zweite Mannschaft er in der vergangenen Saison zur Drittligameisterschaft führte, von der Tabellenspitze der Bundesliga. Hoffenheim steht oben – der Coach blieb aber auf dem Boden. „Mir wäre es sogar lieber gewesen, wir wären Zweiter“, sagte Hoeneß, denn: „Das Thema ist für uns irrelevant.“

Eine Philosophie

Bedeutend sind da eher die Fortschritte auf dem Platz, die unter dem neuen Coach zu sehen sind – und die sich in den Ergebnissen niederschlagen. Hoeneß, der vor 14 Jahren unter Trainer Rangnick im Hoffenheimer Zweitliga-Aufstiegskader stand und ansonsten als Kicker eher weiter unten unterwegs war, soll ja seinen Spielstil mit dem angestrebten Spielstil der TSG vereinen. Und der Clou ist, dass diese Ausrichtungen fast deckungsgleich sind. Deshalb holte der Club Hoeneß im Sommer. Der Trainer sagt darüber: „Die Philosophie der TSG ist identisch mit meiner Fußball-Idee – offensiv, mutig, flexibel und immer aktiv.“

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So sah das dann am Sonntagmittag gegen den FC Bayern aus. Und noch ein weiterer Punkt war zu erkennen. Bei allem Offensivgeist geht es ja immer auch um die berühmte Balance zwischen Attacke und Kontrolle, zwischen Angriffslust und Stabilität. Hoffenheim bekam das hin und machte damit einen Schritt vorwärts. Denn schon Ex-Trainer Julian Nagelsmann versuchte sich an diesem schwierigen Mix – und bekam ihn mit seinen Hoffenheimer Mannschaften nicht immer hin.

Der Mix auf dem Platz

Hoeneß jedenfalls kennt sich aus mit fußballerischen Mischungen. So war er als Trainer drei Jahre lang im Nachwuchsbereich bei RB Leipzig unter Ralf Rangnick tätig und saugte so das extreme Pressing samt schnellem Umschalten auf. Und dann ging es in die Jugend des FC Bayern, wo traditionell eher auf Ballbesitzfußball geachtet wird. Nun verkörpert der Bundesligatrainer Sebastian Hoeneß diesen Mix aus den beiden verschiedenen Philosophien – den seine Hoffenheimer Mannschaft bisher formidabel auf den Platz bringt.

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