Der Gastronomiebetrieb sollte im Mai starten, doch das Gebäude in Kirchheim (Kreis Esslingen) ist noch eine Baustelle. Auch bei der Pächtersuche gibt es Probleme.
Das Alte Wachthaus in Kirchheim wird seit Oktober 2024 generalsaniert. Die Stadt als Eigentümerin des Kulturdenkmals investiert 4,4 Millionen Euro, um das marode Gebäude auf Vordermann zu bringen. Das Projekt macht zwar sichtbare Fortschritte, es liegt jedoch etliche Monate im Zeitplan zurück.
Eigentlich sollten die Arbeiten in diesem März beendet sein und der Gastronomiebetrieb zur Biergartensaison im Mai starten. Doch daraus wurde nichts. Nach Auskunft der Kirchheimer Stadtverwaltung soll die Wiedereröffnung nun Mitte August dieses Jahres erfolgen – „nach derzeitigem Planungsstand“, wie die Sprecherin der Stadt, Doreen Wackler, einräumt.
„Hauptursache waren Verzögerungen seitens der beauftragten Baufirmen“, informiert sie auf Nachfrage. Diese konnten „aufgrund der beengten räumlichen Situation auf der Baustelle nur schwer aufgefangen werden“. Zudem seien während der Sanierungsarbeiten Teile der alten Kirchheimer Stadtmauer entdeckt worden. Der Fund musste zunächst durch eine Fachfirma dokumentiert und dem Landesamt für Denkmalpflege gemeldet werden, berichtet Wackler. „Auch dies führte zu zusätzlichen Verzögerungen im Bauablauf.“
Übergabe an früheren Betreiber vom Tisch
Und es gibt noch eine schlechte Nachricht: Plötzlich ist völlig offen, wer in dem Traditionslokal künftig auftischen wird. Die ursprünglich geplante Übergabe an den früheren Wachthaus-Wirt, Daniel Rau, ist vom Tisch. Zwar bleibt Dinkelacker-Schwaben Bräu Mieter des Lokals, „der Gastronomiebetrieb wird allerdings nicht vom bisherigen Betreiber weitergeführt“, teilt Wackler mit und fügt hinzu: „Über die Hintergründe dieser Entscheidung liegen uns keine Informationen vor.“ Ob die Stuttgarter Brauerei schon einen neuen Pächter gefunden habe, wisse man im Kirchheimer Rathaus nicht. Daniel Rau hat inzwischen die Leitung der Gaststätte „Zum Brühl“ im Sportheim des TSV Holzmaden übernommen.
Nichts bleibt, wie es war. Innen wie außen. Das neue Alte Wachthaus wird kaum wiederzuerkennen sein, denn das markante Fachwerk verschwindet unter Putz. Die Fassade, so viel lässt sich durch die Baugerüste und Planen schon erkennen, fällt ziemlich schlicht aus. Das mag gewöhnungsbedürftig sein, entspricht laut der Stadt aber dem Originalzustand.
Das markante Fachwerk wurde erst 1957 freigelegt
Das im Jahr 1829 am früheren „Oberen Tor“ errichtete Haus wurde damals – auch zum Schutz der tragenden Holzkonstruktion – dem klassizistischen Baustil entsprechend verputzt. Erst 1957 wurde das Gebälk freigelegt. Was Experten zufolge keine gute Idee war. Die Tragkonstruktion war schwer geschädigt, auch das Fundament erwies sich Experten zufolge als nicht besonders stabil.
Inzwischen sind laut der Stadt die Zimmermannsarbeiten weitgehend abgeschlossen, die neuen Fenster sind auch schon drin. An allen Ecken wird gewerkelt: Das Dach wird gedeckt, Heizung, Lüftung, Sanitäranlagen sowie Klima- und Elektrotechnik eingebaut, Putz- und Stuckarbeiten stehen an, der Bodenbelag muss verlegt werden, der Anstrich der Wände und der Einbau der Türen folgen. Die Sanierung des Natursandsteins, die Montage einer Fluchttreppe, das Herrichten des Kiesbelags im Freibereich – auf der Agenda stehen noch etliche Positionen. Kaum zu glauben, dass das alles in wenigen Monaten fertiggestellt sein soll.
Eine gute Nachricht hat Wackler dann aber doch noch: „Zum jetzigen Zeitpunkt bewegen wir uns im vorgesehenen Kostenrahmen.“