Eins von vielen leeren Schaufenstern in Möhringen-Mitte: Das Haus am alten Standort der Möhringer Tafel in der Filderbahnstraße 53 steht nach einem Brand seit vielen Jahren leer. Foto: Daniel Gräfe

An der Möhringer Einkaufsmeile haben Einrichtung Kern, Buchhandlung Pegasus und Das Backparadies geschlossen. Ist der Trend aufzuhalten?

An diesem Vormittag wirkt der zentrale Bahnhofsplatz in Möhringens Mitte –der Filderbahnplatz – wie verwaist. Niemand setzt sich auf eine der Bänke, die im Schatten der Laubbäume Schutz vor der Sonne bieten. Das Fahrrad-Parkhaus an der Bahnhofsseite steht ebenso leer wie das Bäckerei-Café gegenüber. Seit vielen Wochen steht das beliebte Das Backparadies geschlossen. Es war die einzige Einrichtung, die täglich für etwas Frequenz sorgte.

 

Das Bäckerei-Café mit seinen zwei Standorten ist der letzte Traditionshändler, der im Zentrum schloss. Zuvor machten die populäre Buchhandlung Pegasus und das Einrichtungsgeschäft Kern zu. Jahrzehntelang waren sie aus dem Möhringer Einzelhandel nicht wegzudenken. Die Schließungen fallen auch deshalb auf, weil sie binnen eines Jahres erfolgten. Und weil die Geschäfte seitdem nicht mehr öffneten. Es gibt viele Stimmen, die einen schleichenden Niedergang des Stadtteils befürchten.

Tatsächlich fallen die Leerstände immer stärker ins Auge, läuft man die Filderbahnstraße ab, die als Haupteinkaufsmeile im Wesentlichen vom Filderbahnplatz bis zum ehemaligen Händler Kern führt. Nach dem geschlossen Das Backparadies verläuft der Weg vorbei an der verfallenen Filderbahnstraße 53: Nach einem Brand steht der ehemalige Standort der Möhringer Tafel seit sechs Jahren leer.

Der zentrale Bahnhofsplatz in Möhringen – der Filderbahnplatz – wirkt oft wie verwaist, so auch an diesem Vormittag. Foto: Daniel Gräfe

An der Hauptkreuzung zur stark befahrenen Vaihinger Straße ist gegenüber Rewe das Erdgeschoss des Eckhauses verwaist, wo noch vor Kurzem Das Backparadies eine Filiale hatte. Ohnehin zieht der Bereich an der Kreuzung nur noch wenig Laufkundschaft an, seitdem das Drogeriemarktgeschäft Müller an den Fasanenhof zog und Matratzen Concord als Nachmieter folgte.

Nur hundert Meter weiter wieder Leerstand: Das Herrenmodegeschäft Gessler ist schon seit Jahren geschlossen, ebenso wie der Gasthof Adler. Abermals hundert Meter entfernt stehen mit Pegasus und Kern weitere Geschäfte leer.

Die Räume des ehemaligen Einrichtungsgeschäfts Kern stehen ebenfalls leer. Foto: Daniel Gräfe

Die Gründe ähneln sich. Die Inhaber waren bereits im und kurz vor dem Rentenalter. Teils liefen Miet- oder Kundenverträge aus und es fand sich in der Familie keine Nachfolge, obwohl die Geschäfte gut liefen dank der treuen Stammkundschaft. Damit unterscheidet sich Möhringen nicht von anderen Stuttgarter Stadtbezirken und Stadtteilen.

Andererseits ist die Einwohnerzahl im Stadtbezirk Möhringen, der neben dem Stadtteil Möhringen auch die Stadtteile Fasanenhof und Sonnenberg umfasst, in den vergangenen Jahren gewachsen. Die Wirtschaft vor Ort ist stark, es wurden neue Baugebiete erschlossen und das eher ländlich geprägte Möhringen steht nicht nur bei Familien hoch im Kurs. Warum findet sich für die Traditionshändler dann keine Nachfolge?

Nachfolge? „Entweder zu groß, zu klein oder zu verwinkelt“

Evelyn Weis, die Bezirksvorsteherin Möhringens, verweist auf das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage. Es gebe für die leerstehenden Objekte Interessenten – allerdings schrecke die Gliederung der Räume viele ab: „Die Gebäude in der Filderbahnstraße waren für die damaligen Bedarfe konzipiert. Die Flächen passen oft nicht mehr zu modernen Handelskonzepten. Entweder sind sie zu groß, zu klein oder zu verwinkelt.“

Seit 2016 ist Weis Bezirksvorsteherin. Damals hatte der Bezirk Möhringen rund 30.000 Bewohner – jetzt sind es fast 3000 mehr. Rechnerisch gesehen ist die Zahl der potenziellen Käuferinnen und Käufer gestiegen, auch wenn die Konsumlaune eingetrübt ist.

Noch gibt es an der Filderbahnstraße einen recht vielfältigen Mix, vor allem wegen der Stammkundschaft. Da ist der große Rewe-Markt, Schrade mit zwei Backcafés, Metzger Bienzle, Schreibwarenladen Ebert mit Buchhandlung, die Modegeschäfte Wolf und Ernsting’s Family. Es gibt sogar ein Reformhaus, einen Geschenkeladen, ein Blumengeschäft, die Optik Schweizer mit zwei Standorten, den Allzweck-Werkzeugladen Waldbaur, einen Schuh- und Schlüsseldienst und sogar eine kleine Galerie.

Auch die zweite Filiale von Das Backparadies an der Kreuzung Filderbahnstraße/Vaihinger Straße ist seit vielen Wochen geschlossen. Foto: Daniel Gräfe

Aber wird es diese Mischung auch künftig noch geben? Auch andere Inhaber nähern sich dem Rentenalter – oder haben dieses schon lange überschritten. Und wird es für die leerstehenden Geschäfte endlich eine Nachfolge geben?

Zumindest am Filderbahnplatz tut sich etwas. Nachdem eine Nachfolge nach Informationen unserer Zeitung kurzfristig scheiterte, klappte es dieses Mal. Am 18. Mai will ein Caféhaus mit Bäckerei und Konditorei eröffnen. Am Ende der Filderbahnstraße wird es künftig auf dem Platz mehr Leben geben. Für Optimisten könnte das ein Anfang sein.