Stefan Marder, der Herrscher über zehn Spielwaren-Kurtz-Filialen Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Alleine schafft es Spielwaren Kurtz schon lange nicht. Seit 2013 gehört das Stuttgarter Traditionshaus zu einem Filialverbund. Im Rückzugsgefecht gegen den Online-Handel versucht Kurtz seit geraumer Zeit etwas Neues.

Stuttgart - Alte Liebe rostet nicht. Oder etwa doch? Das Traditionsgeschäft Spielwaren Kurtz jedenfalls verkauft seit 1833 in Stuttgart Spielsachen. Allerdings wird das Geschäft des Fachhändlers in den heutigen Zeiten nicht gerade leichter. Und wohl selten ist der Wandel – besser gesagt: das Rückzugsgefecht – besser sichtbar als bei Spielwaren Kurtz. Denn seit 2013 ist man nicht mehr auf dem Marktplatz sichtbar, sondern am rückwärtigen Eingang. Seitdem verkauft auf Teilen der früheren Fläche ein Schweizer Konzern Kaffeekapseln. Die Rückgänge beim Umsatz machte Kurtz damals durch Einsparungen bei der Miete wett, die an die Eigentümerin (Piëch Holding) fließt.

Was damals eine logische Folge im Überlebenskampf war, ist heute nicht mehr unumstritten. Die neuen Herren bei Spielwaren Kurtz machen heute manches anders, als der frühere geschäftsführende Gesellschafter Bernd Stocker. Er verkaufte das Unternehmen 2013an die Knapp-Gruppe. „Aus wirtschaftlicher Sicht würde ich heute noch Ja zu der Verkleinerung der Fläche sagen“, erklärt Geschäftsführer Stefan Marder, „aber unter dem Aspekt der Warenpräsentation würde ich jetzt Nein sagen.“ Doch die Sache lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Der Traditionsladen muss mit dem weniger repräsentativen Eingang in der Sporerstraße 8 leben. Das macht die Sache nicht leichter.

Nur noch knapp 40 Prozent aller Konsumenten kaufen ihr Spielzeug beim örtlichen Fachgeschäft. 25 Prozent besorgen sich die Modelleisenbahn oder die Rennbahn übers Internet. Mit der allgemeinen Entwicklung hin zum Online-Handel müssen sich alle Einzelhändler auseinandersetzen. Aber dem Spielwarenfachhandel tun auch die Discounter, die Drogerie-Kette Müller und die Großflächen von Toys r´us weh, räumt Marder ein. Sein Arbeitgeber, die Spielwaren Kurtz GmbH in der Knapp-Gruppe, habe sich „zur Aufgabe gemacht, dem Sterben des Fachhandels entgegenzuwirken“.

40 Prozent kaufen Spielzeug im Internet

Das versucht die GmbH, deren Zentrale in Pliezhausen sitzt, auch durch schiere Größe. Unter der Marke Spielwaren Kurtz GmbH firmieren aktuell zehn Filialen in ganz Deutschland. In der hiesigen Gegend gibt es außer in Stuttgart Dependancen in Leonberg und Tübingen. Überall, so Marder, handle es sich um Häuser von regionaler Bedeutung. Und überall will man reichlich mit dem punkten, was das Internet nicht bietet: mit Fach- und Beratungskompetenz, mit Serviceleistungen wie Geburtstagskisten oder kostenlosem Geschenkverpacken. „Darin sehen wir weiterhin Wachstumspotenzial“, sagt Marder. Denn eines habe sich auch im Zeitalter der Digitalisierung nicht verändert: „Kinder spielen nach wie vor.“

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Eine Einschätzung, die der Experte aus der Spielzeugindustrie bestätigt. „Wenn sich etwas verändert hat“, sagt Axel Kaldenhoven, Geschäftsführer von Schmidt-Spiele, „dann ist es eine Verschiebung des Spielealters.“ Mit 13 Jahren ende die Lust am klassischen Spiel abrupt. Allerdings beobachtet die Branche auch eine Art Renaissance. „Der Trend geht wieder zu den klassischen Gesellschafts- und Brettspielen“, weiß Kaldenhoven. Spiele wie Monopoly oder Mensch-ärgere-dich-nicht seien sowieso nie ganz verschwunden, nun aber erleben solche Spiele einen Aufschwung. Kaldenhoven ahnt die Gründe. Die Stichwörter: Kommunikation und Emotion. „Es ist eben viel schöner, wenn ich mich zusammen mit anderen bei einem Spiel freue oder ärgere. Wir Menschen wollen beisammen sein.“

Industrie verlässt sich nicht allein auf den Online-Versand

Der Industrie ist auch daran gelegen, dass der traditionelle Fachhändler noch eine Chance hat. „Wenn wir uns nur auf die Versender verlassen würden, wären wir sehr bald verlassen“, sagt Kaldenhoven. So hofft er, dass auch Spielwaren Kurtz auf seinen 1300 Quadratmeter Handelsfläche mit 30 Mitarbeitern die Karte Emotion maximal beim Kunden ausspielen kann. Doch nur darauf, „Emotion und Erlebnis auf die Fläche zu bringen“, will sich Stefan Marder nicht verlassen. „Nur Spielwaren in Gänze anzubieten, würde auf Dauer nicht reichen“, sagt er, „daher versuchen wir seit geraumer Zeit, zusätzlich Kinderkonfektion anzubieten.“ Den Charakter des Traditionsunternehmens verändere das nicht: „Es ist eine homogene Warengruppe. Von daher kein Gemischtwarenladen.“ Soll wohl heißen: Am Geschäftsmodell, Kinderträume zu erfüllen, ändere der Ausflug in den Textilbereich nichts.

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