Alles muss raus: Nach 61 Jahren ist bei Jaiser Schluss. Foto: factum/Weise

Zum Jahreswechsel soll Schluss sein: Das Fahrradgeschäft in der Stadtgrabenstraße schließt. Im Dezember ist ein Räumungsverkauf geplant.

Böblingen - Walter Jaiser, der Inhaber des gleichnamigen Fahrradgeschäfts, will Ende des Jahres aufhören. Der Familienbetrieb ist seit 61 Jahren in Böblingen ansässig. Derzeit findet in der Stadtgrabenstraße ein Sonderverkauf statt. Im Dezember soll bei einem Räumungsverkauf der Rest des gesamten Rad- und Zubehörsortiments veräußert werden. Seinen Kunden will Jaiser dennoch auch künftig einen Service anbieten. Für Reparaturen seiner Böblinger Klientel stehe der Fahrradhändler Die Speiche in Stuttgart-Vaihingen parat. „Er bietet die gewohnten Dienstleistungen“, meint Jaiser.

Jaiser: Schlechter Verkehrsfluss am Schlossbergring

Er habe er erkennen müssen, dass Fahrradgeschäfte expandieren müssten, um der Modellvielfalt gerecht zu werden, sagt Jaiser. Der Grund dafür sei die Weiterentwicklung der Pedelecs. „Bevor wir hier überrollt werden und die notwendige Qualität nicht mehr gewährleisten können, haben wir uns zu diesem Schritt entschieden“, lässt der Ladenbesitzer weiter verlauten. Angesichts der Arbeitsbelastung und der Frage, in welchem Verhältnis Arbeit, Ertrag, Lebensqualität und die Familie zueinander stehen, habe er seine Lebensplanung überdacht, so der 61-Jährige in einer Mitteilung.

Jaiser nennt als einen weiteren Grund dafür, dass er seinen Laden schließt, die „Verschlechterung des Verkehrsflusses am Schlossbergring“. Schuld daran seien der Umbau der Thermalbadkreuzung, der Stuttgarter Straße sowie zahlreiche Straßensperrungen. Aufgrund dessen sei sein Geschäft nicht mehr so gut zu erreichen wie früher, weshalb weniger Kunden kämen. Wie viele Mitarbeiter betroffen sind, dazu gibt der Firmenchef keine Auskunft.

Das Angebot an Radläden schrumpft

„Dass Jaiser schließen möchte, wurde uns jüngst zugetragen“, sagt Dominic Schaudt, der Leiter des Liegenschaftsamts und der Wirtschaftsförderung der Stadt. Er habe sich vorgenommen, den Ladenbesitzer zu besuchen und mit ihm die Lage zu erörtern. Hin und wieder habe man mit Gewerbetreibenden, die ihr Geschäft dicht machen wollten, eine andere Lösung gefunden, erklärt Schaudt. Etwa, indem bauliche Veränderungen vorgenommen worden seien. Mancher Leerstand sei vermieden worden. Überhaupt gebe es am Schlossberg und in der Stadt nur wenige freie Geschäftsflächen, bilanziert Schaudt.

Wenn Jaiser zum Jahresende aufhöre, gehe Böblingen ein Traditionsgeschäft verloren, „das sehr gut ausgestattet war und eine hervorragende Beratung bot“, sagt der städtische Wirtschaftsförderer. Zudem schrumpfe das Angebot an ortsansässigen Fahrradläden. Lediglich auf der Hulb gebe es noch ein Geschäft und daneben noch einen Händler mit Werkstatt in der Nähe der Innenstadt, der sich auf E-Bikes spezialisiert habe, weiß Schaudt. Allerdings hätten auch einige Supermärkte Fahrräder im Programm, und in der Nachbarstadt Sindelfingen gebe es ebenfalls einige Anbieter – und damit Konkurrenz für Böblinger Einzelhändler wie Walter Jaiser,

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