Kathrin Schweikert schließt in wenigen Tagen ihr Schuhgeschäft in Korntal. Was sie nicht verkauft, spendet sie. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie. Foto: factum/Andreas Weise

In der Johannes-Daur-Straße in Korntal-Münchingen endet eine Ära: Das Schuhhaus Schweikert schließt zum 31. Oktober. Damit verliert der Stadtteil Korntal sein letztes Schuhgeschäft – und die Stadt ihr einziges.

Korntal-Münchingen - Manchmal schrieb er seinen Vornamen mit C, manchmal mit K: So oder so war Curt – oder Kurt – Schweikert derjenige, der im März 1963 das Schuhgeschäft in der Johannes-Daur-Straße im Stadtteil Korntal von Korntal-Münchingen übernahm. Mit Hilfe von Frau und Mutter erweiterte er es stetig, von einst 20 auf heute 140 Quadratmeter. „Mein Vater hat immer von einem eigenen Schuhgeschäft geträumt“, erzählt Kathrin Schweikert, die Tochter und seit 2003 die Chefin. Jetzt ist der Traum ausgeträumt.

Die Ära des Familienbetriebs endet, denn das Schuhhaus Schweikert schließt zum 31. Oktober. Damit verliert Korntal sein letztes Schuhgeschäft – und die Stadt ihr einziges.

Kathrin Schweikert fiel der Entschluss, den Laden aufzugeben, schwer. Doch zu lange schon sorgten zu wenige Kunden für zu wenig Umsatz. Ihre Hoffnung, vom Aus des früheren Schuhgeschäfts Schmälzle in der Mirander Straße zu profitieren, zerschlug sich. Der Laden wurde 2003 verpachtet, bevor er schloss, die Schuhmacherei gibt es noch. Nur ein Schuhladen im Ort, so Kathrin Schweikert, reiche den Leuten nicht, sie gingen seitdem gleich in Städte mit mehr Auswahl.

Kommt nach dem Räumungsverkauf der Fall in ein Loch?

Als sie 2018 rote Zahlen schrieb, war der 45-Jährigen klar, dass sie die Notbremse ziehen muss. Nachdem sie ihre Entscheidung fällte, sei sie nun zufrieden damit. Doch sie befürchtet, dass sich ihre Stimmung bald ändert. Derzeit steckt sie mitten im Räumungsverkauf. „Danach falle ich in ein Loch, hat man mir prophezeit“, sagt die Einzelhandelskauffrau.

Damit der Laden wieder mehr Kunden lockt, setzte sie einige Ideen um. Der Plan sei nicht aufgegangen. Zunächst holte sich Kathrin Schweikert die Podologie ins Haus. Ihr war es wichtig, dass ein Zusatzangebot branchenverwandt ist, zumal ihre Nichte das Studio für medizinische Fußpflege betreibt – dort plant Kathrin Schweikert nach einem Studium einzusteigen. Auch Leistungen im orthopädischen Bereich nahm die 45-Jährige ins Sortiment. Das lag auch deshalb nahe, weil ihre zwei Neffen die Sanitätshäuser in Ludwigsburg und Kornwestheim führen.

Konkurrenz nimmt zu

Kathrin Schweikert ist nicht die einzige Unternehmerin, der die weiter zunehmende Konkurrenz zu schaffen macht. Das klassische Schuhgeschäft muss sich gegen Online-Händler wie Zalando behaupten sowie Modeketten wie H&M oder Zara, die zu günstiger Kleidung Schuhe zum Schnäppchenpreis verkaufen. Neben den Online-Käufern und Schnäppchenjägern, sagt Kathrin Schweikert, gebe es die Kunden, die weltweit unterwegs seien und überall ihre Schuhe kauften. Zwar kämen Kunden aus jeder Kategorie zu ihr, doch das seien nicht genug. „Wir kämpfen hier alle gegen das Internet-Geschäft“, sagt Viola Noack, die Chefin des Korntaler Gewerbe- und Handelsvereins, das Aus des Schuhladens sei „bitter“.

Kathrin Schweikert zeigt sich selbstkritisch. Sie habe die Anfänge des Internet-Handels verschlafen, jetzt sei der Einstieg zu spät. Ob das ihren Laden gerettet hätte, ist aber fraglich: Laut des BDSE Handelsverbands Schuhe erwirtschafteten Schuhhäuser, die ihre Ware auch über das Internet verkaufen, im ersten Halbjahr mehr Umsatz als ihre rein stationären Mitbewerber. Allerdings seien die Online-Umsätze nicht immer rentable Umsätze, etwa weil Retouren das Plus schmälern.

Mit dem Gelenkbus voller Schuhe von Dorf zu Dorf

Um die Buchhaltung kümmerte sich Curt Schweikert bis zu seinem Tod 2009, die Tochter berät am liebsten Kunden. „Mein Vater war der perfekte Kaufmann“, sagt die 45-Jährige, einer mit „tollen Visionen“, für deren Verwirklichung er alles getan habe. Seine Leidenschaft für Schuhe lebte Curt Schweikert schon immer: Der Enkel eines Orthopädieschuhmachermeisters arbeitete bis 1974 in einer Großhandlung für Schuhe. Auch unterstützte er jahrelang seinen Onkel, der mit einem Gelenkbus voller Schuhe von Dorf zu Dorf fuhr. 1974 kaufte die Familie Schweikert das Haus in der Johannes-Daur-Straße, das 1905 der Schuhmachermeister Christian Steck erworben hatte. Dieser richtete eine Werkstatt ein, 1957 kam ein Anbau für Konfektionsschuhe dazu.

Was auf die Schuhe folgt, ist noch offen. Für die Stadtverwaltung jedenfalls bedeutet die Geschäftsaufgabe auch „einen Verlust an Attraktivität für die anderen Geschäfte“. Gleichwohl würden die Bürger mit ihrem Kaufverhalten über die Angebote mitbestimmen, betont sie. Um die Kaufkraft im Ort zu halten, stelle man nahe der Geschäfte viele kostenlose Parkplätze bereit, zudem sei es gelungen, Magnetunternehmen wie Edeka anzusiedeln.

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