Seit 15 Jahren leitet Marcus Creed das SWR Vokalensemble. Foto: Klaus Mellenthin

Zum allerersten Mal gibt es ein Programm mit Christmas Carols: Weihnachtsliedern, wie sie in England Tradition haben. Eine große Bandbreite erlebt das Publikum am 1. Dezember um 20 Uhr in der evangelischen Kirche in Gaisburg – zum im Livestream auf swr-classic.de.

Die ältesten Stücke stammen aus der Renaissance, das jüngste wurde vom 1971 geborenen Komponisten Thomas Adès zu Worten des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Volkslied „The Fayrfax Carol“ geschrieben.

Marcus Creed hat viele der Carols selbst gesungen, als er Student am King’s College in Cambridge war, wo er auch im berühmten King’s College Choir sang. Dort haben in der Weihnachtszeit Konzerte mit zahlreichen Carols Tradition. Und jedes Jahr sei ein bekannter Komponist gefragt worden, ob er nicht ein neues Lied schreiben könne. Viele bekannte Komponisten haben auf diese Weise Christmas Carols geschaffen und so zum Repertoire der Christmas Carols beigetragen, erzählt der gebürtige Engländer. „Das war keineswegs unter ihrer Würde, Bearbeitungen oder Originalkompositionen zu schreiben.“ Und so finden sich auf dem Konzertprogramm etwa Kompositionen von Benjamin Britten, Gustav Holst und Ralph Vaughn Williams. Die musikalische Sprache ist also durchaus nicht nur in die Vergangenheit gerichtet, sondern enthält auch zeitgenössische Stücke.

Dicht dahinfließender Stimmenstrom

Bei Thomas Adès’ „The Fayrfax Carol“ gibt es innerhalb des dicht dahinfließenden Stimmenstroms immer wieder reizvolle chromatische Reibungen. Klar strömen die Klangstränge beim „Ave Maria“ von Robert Parsons, der von 1530 bis 1570 lebte. Sein Carol steht an zweiter Stelle: Die Abfolge der Lieder folgt einer bestimmten Dramaturgie. Roter Faden ist die Weihnachtsgeschichte. Und so geht dem Lobgesang auf die Jungfrau Maria, die das Christuskind gebären wird, eine andere Komposition voraus, in der es um den Sündenfall Adams geht. Ohne diesen hätte es das Weihnachtswunder, die Geburt Jesu, der die Menschen von der Sünde rein­waschen wird, nämlich nicht gegeben.

Es gibt etliche ruhige Stücke, doch sind die Christmal Carols im Allgemeinen oft fröhlich, fast tänzerisch. Das verwundert nicht, geht doch die mittelalterliche Liedform Carole auf einen traditionellen Rundtanz zurück. Das letzte Lied des Programms, „Ding Dong! Merrily on High“, geht denn auch auf ein französisches Tanzlied von 1589 zurück.

Christmas Carols: 1. Dezember, 20 Uhr, ev. Kirche Gaisburg, 0 72 21 / 300 100; im SWR Fernsehen am 16. Dezember, 10.45 Uhr, und am 24. Dezember, 7.20 Uhr

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