Feuerwerk, Livemusik und DJ-Party: Rund 2000 Gäste feiern am Samstag die traditionelle Sommerveranstaltung rund um das Dätzinger Schloss.
Kinder wuseln durch den Lustgarten, unter den Rundbögen tanzen Pärchen Discofox, an der „Brennbar“ mixen Feuerwehrleute Caipi und Gin Tonic und im Schlosshof auf der Rückseite des Dätzinger Prachtbaus schallt ein lautes „Wuh-huh!“ durch die Reihen, als die Coverband Knallerbande gerade den Kulthit „Song 2“ von Blur spielt. Es ist noch hell gegen halb zehn an diesem Samstagabend. Das Grafenauer Lichterfest läuft schon seit mehr als drei Stunden und ist noch lange nicht vorbei.
Der eigentliche Höhepunkt kommt nämlich erst noch: Gegen 22.45 Uhr startet das Feuerwerk über dem Schloss. Die Menschen versammeln sich entlang der Hauptstraße und laufen teilweise hoch zur gegenüberliegenden Dorfseite, um einen möglichst guten Blick auf die glitzernden Explosionen zu erhaschen. Als das Himmelsspektakel vorbei ist, geht die Party rund um das Schloss erst richtig los. Bis um 2 Uhr morgens feiern rund 2000 Menschen bei diesem alle zwei Jahre stattfindenden Fest, das seit seinen Anfängen in den 90ern von ehrenamtlichen Kräften gestemmt wird.
Feuerwehr, Musikverein und TSV-Fußballer stemmen das Fest gemeinsam
Konkret sind es die Freiwillige Feuerwehr, der Musikverein und die Herrenfußballabteilung des TSV, die hier in Grafenau in einem immensen Kraftakt gemeinsam eine Freiluftveranstaltung auf die Beine stellen, die sich sowohl kulinarisch als auch mit dem über Eintrittsgelder finanzierten Feuerwerk deutlich von der landläufigen Hocketse abhebt. „Es soll einfach kein 0815-Fest sein“, sagt Gianluca Biela. Der hauptamtliche Pressesprecher der Stadt Böblingen engagiert sich in seinem Heimatort bei der Feuerwehr ebenso wie beim Musikverein.
So wie auch die TSV-Kicker haben alle Veranstaltervereine jeweils mehrere Dutzend Hilfskräfte im Einsatz. „Wir arbeiten hier im Drei-Schicht-Betrieb“, sagt Musikvereinsvorsitzende Carolin Pless und verweist dankbar auf ihre Vereinskameradin Katrin Bohnet, die sich beim Musikverein (MV) um die Organisation kümmert. „Verein heißt eben nicht nur mitnehmen, sondern auch mitmachen“, sagt Jens Geisinger. Der 33-Jährige ist Jugendleiter bei den TSV-Fußballern, die mit Bierstand und Festzelt einen Bereich abseits der Schlossmauern bewirten.
Das Schloss wirkt wie eine Schallschutzwand zwischen den Party-Zonen
Mitmachen müssen hier tatsächlich alle, weswegen der Musikverein beim Lichterfest selbst auch keinen eigenen Auftritt präsentiert. Dafür hat man sich einige musikalische Gäste auf die Bühne auf dem Schlosshof eingeladen. Das ist der Bereich, den der Musikverein bewirtet und bespielt. Die Vorderseite des klassizistischen Schlossbaus ist fest in der Hand der Grafenauer Wehr. Dort jagt der Steinenbronner Feuerwehrkollege und DJ Stefan Turata mit dem Druck eines C-Strahlrohrs seine Partymucke durch die Boxen.
Das Schloss wirkt dabei wie eine Art Schallschutzwand, denn auf der MV-Bühne auf der Rückseite ist davon kaum etwas zu hören. Dennoch geht der erste Musikbeitrag in der allgemeinen Geräuschkulisse doch ein wenig unter. Das liegt allerdings vor allem daran, dass die Mitglieder des Klangfarben-Vokalensembles der Chorvereinigung Grafenau auf Mikrofonverstärkung verzichten – zum Bedauern vieler Zuhörer auf den hinteren Plätzen, wo von den groovigen Arrangements von Musical- und Filmhits wie „Singin’ in the Rain“ oder „Do you love me“ („Blues Brothers“) fast nichts ankommt.
Coverband Knallerbande überzeugt mit Können und großer Vielfalt
Deutlich besser zu hören – (weil über die Soundanlage verstärkt – sind da Julie Kullmann und Mika von Einem. Die beiden Kinder aus Döffingen und Maichingen nehmen Gesangs- und Klavierunterricht im Drumlab Sindelfingen. Bei einem Kurzauftritt zeigen sie mit Songs wie „Mockingbird“ von Eminem oder „I’m so excited“ von den Pointer Sisters, was sie bei ihren Musiklehrern Jens Michel und Sascha Czeppel gelernt haben.
Letzter ist Gitarrist bei der Knallerbande. Die erst 2023 gegründete Coverband bestreitet als Abwechslung zur bisherigen Stammformation Mirena das Hauptprogramm auf der Schlosshofbühne. Schon nach wenigen Songs wird klar: Mit dieser Band hat der Musikverein einen richtig guten Griff gemacht. Gesang und instrumentales Können sind auf höchstem Niveau, vor allem aber verblüfft die schiere Bandbreite, denn sie reicht von Ricky Martin bis Rage against the Machine und von Bruno Mars bis Metallica.
US-Amerikanerin postet Liebeserklärung an Grafenau
Nach dem Fest ziehen die drei Veranstaltervereine eine durchweg zufriedene Bilanz. „Wir bekommen auch positive Rückmeldungen von Leuten, die von außerhalb kommen“, berichtet MV-Vorsitzende Carolin Pless von einer Besucherin aus Merklingen, die gar nicht gewusst habe, „dass es in Dätzingen so ein schönes Fest gibt.“ Das vielleicht schönste Kompliment kommt von einer US-Amerikanerin, die in Dätzingen wohnt und das Feuerwerk vom Balkon aus angeschaut hat. „Ich liebe es, hier zu wohnen“, schwärmt sie auf Facebook.